Es sind bemerkenswert offene Worte: Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat beim WELT-Sicherheitsgipfel in Berlin scharf mit der Verteidigungspolitik der Ära Merkel abgerechnet. „Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu uns: Wir brauchen Euch eigentlich nicht – wenn es ein Problem gibt, rufen wir die Amerikaner an”, so Papperger laut WELT. Die Abhängigkeit von den USA sei politisch gewollt gewesen.

Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 habe es in Deutschland keinen „großen Bedarf an Waffensystemen” gegeben, erinnerte der Manager, der den Konzern seit 2013 führt. Rheinmetall und andere deutsche Rüstungsunternehmen habe man in „die Schmuddelecke gestellt”, weil „wir als Industrie exportiert haben”. Sein bitteres Fazit: „Man wollte uns hier in Deutschland eigentlich gar nicht haben.”

Aktienkurs seit 2022 um mehr als 1000 Prozent gestiegen

Die Wende kam erst mit dem Ukraine-Krieg: Der damalige Kanzler Olaf Scholz (SPD) rief die „Zeitenwende” aus und schnürte ein 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr. Unter seinem Nachfolger Friedrich Merz (CDU) folgte ein weiteres Schuldenpaket über 500 Milliarden Euro. Rheinmetall profitierte massiv: Laut WELT stieg der Aktienkurs seit 2022 um mehr als 1000 Prozent, der Umsatz kletterte von 6,41 auf 9,94 Milliarden Euro.

Zufrieden ist Papperger deshalb noch lange nicht – im Gegenteil. Der Konzern habe „für eine halbe Milliarde ein Artilleriewerk hingestellt”, von Deutschland gebe es aber „zurzeit leider nur einen Auftrag über 200.000 Schuss”. Das funktioniere so nicht, „weil wir als Industrie dann natürlich sagen: Wieso tun wir das denn?” Das Investment müsse sich „ja irgendwann mal rechnen”.

„50 Prozent haben immer noch nicht verstanden, wie schnell wir sein müssen"

Sein zentraler Appell an die Politik: „Geschwindigkeit ist der entscheidende Punkt.” Während die Ukraine „schnell alle möglichen Effektoren” einsetze, brauche Deutschland „zu lange von der Entwicklung bis zur Gefechtsreife”. Papperger wörtlich: „Ich glaube, es ist immer noch so, dass 50 Prozent in der ganzen Organisation immer noch nicht verstanden haben, wie schnell wir sein müssen.” Da helfe nur „Führen von oben”. Auch die Planungssicherheit fehle: „Viele Verträge sind Rahmenverträge, keine festen Zusagen. Das muss sich ändern.”

Kritik übte der Rheinmetall-Boss zudem an Europa: „Die Konsolidierung in Europa funktioniert nicht. Jeder will seine eigene Fabrik haben.” Man dürfe nicht alles in Deutschland bündeln, sondern müsse auch in Ländern wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn produzieren – nur so schaffe man „maximale Sicherheit”.

Trotz aller Kritik sieht Papperger Europa im Aufholmodus: Die Kapazitäten bei Artilleriemunition seien von „jährlich 70.000 auf eine Million Schuss” hochgefahren worden. „Wir haben die Amerikaner bei der konventionellen Munition überholt”, so der CEO – und schickt den Pessimisten eine klare Botschaft: „Wir sind besser, als die Pessimisten in Deutschland denken.”