Laut aktuellem IMAS-Report sagen 43 Prozent der Österreicher, ihre persönliche finanzielle Lage habe sich in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert. Nur sieben Prozent berichten von einer Verbesserung.
Noch ist die Lage in Österreich nicht so dramatisch wie in Deutschland. Doch genau von dort kommt jetzt ein neues Warnsignal. Und für Österreich ist das besonders heikel.
Deutschlands Arbeitsmarkt schwächelt
Die absolute Zahl klingt zunächst stabil. Im ersten Quartal 2026 waren in Deutschland rund 45,6 Millionen Menschen erwerbstätig. Doch der Trend zeigt nach unten: Unbereinigt waren das 486.000 Personen weniger als im Vorquartal. Saisonbereinigt blieb ein Minus von 61.000 Personen.
Auch im Vergleich zum Vorjahr ging die Erwerbstätigkeit zurück. Besonders stark betroffen waren das Produzierende Gewerbe sowie das Baugewerbe. In der Industrie sank die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresvergleich um 171.000 Personen, am Bau um 27.000.
Das ist für Österreich ein Warnsignal.
Fast jeder dritte Export-Euro hängt an Deutschland
Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Österreichs. Laut Statistik Austria gingen 2025 29,5 Prozent der österreichischen Warenexporte nach Deutschland. Das entsprach 56,08 Milliarden Euro. Auf der Importseite lag Deutschland sogar bei 32,2 Prozent beziehungsweise 63,34 Milliarden Euro.
Ein großer Teil der österreichischen Ausfuhren nach Deutschland betrifft Maschinen und Fahrzeuge. Also genau jene Bereiche, die eng mit Industrie, Bau, Zulieferketten und Investitionen verbunden sind.
Wenn Deutschlands Industrie schwächelt, kommt über kurz oder lang direkt in den Auftragsbüchern heimischer Betriebe an.
Österreichs Betriebe kämpfen längst
Doch auch im Inland gibt es keine Entwarnung. Eine neue Analyse des Kreditschutzverbands KSV1870 zeigt, wie tief der Druck in der Zwischenzeit in Österreichs Unternehmen sitzt.
Die zentrale Erkenntnis: Immer mehr Firmen scheitern nicht an einem äußeren Schock. Sie scheitern an Kosten, Liquidität, schwacher Nachfrage – und an Problemen im eigenen Geschäft.
2025 waren bereits 47,2 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen auf solche Ursachen zurückzuführen. Laut KSV1870 ist das ein historischer Höchstwert in der aktuellen Krisenphase. Im Jahr davor waren es noch 42,3 Prozent. 2022 lag der Anteil sogar bei 29 Prozent.
Hohe Kosten, schwache Geschäftslage, Liquiditätsprobleme und Absatzschwächen werden für viele Betriebe zur unüberwindbaren Hürde. Im Jahr 2025 mussten etwas mehr als 6.800 Betriebe Insolvenz anmelden.
Wenn Geld fehlt und Rechnungen offen bleiben
Besonders häufig fehlte es an Geld: Viele Betriebe hatten Finanzierungsprobleme, Liquiditätsengpässe oder bekamen offene Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt. Das machte 15,1 Prozent der Insolvenzursachen aus.
Dahinter folgen Absatzschwächen mit 12,6 Prozent. Eine schlechte Kostenstruktur wurde in 10,9 Prozent der Fälle genannt. Mangelhaftes Controlling und Planungsschwächen machten acht Prozent aus.
KSV-Experte warnt vor Fehlern im Krisenmodus
Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz, sieht darin ein ernstes Warnsignal. „Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass viele Betriebe aufgrund des anhaltenden Krisenmodus ihre Basisarbeit im Tagesgeschäft vernachlässigen“, sagt er.
Die Folge seien Fehlentscheidungen, „die sich im Nachhinein kaum noch korrigieren lassen“. Viele Unternehmen verlieren im Dauerstress offenbar auch die Kontrolle über Planung, Kostenstruktur und Liquidität.
Nicht mehr nur Corona, Krieg und Katastrophen
Besonders interessant: Die sogenannten „unbeherrschbaren Umstände“ spielen mittlerweile eine deutlich kleinere Rolle. 2024 lag ihr Anteil noch bei 11,2 Prozent. 2025 waren es nur noch 7,2 Prozent.
Auch der Blick zurück zeigt die Entwicklung: 2022 lag der Anteil dieser außergewöhnlichen Umstände im Zuge der Corona-Krise noch bei 28 Prozent.
Die Firmenpleiten lassen sich somit immer weniger mit außergewöhnlichen Schocks erklären. Die Krise ist in den Alltag der Wirtschaft gewandert. Sie sitzt in den Auftragsbüchern. In den Kosten. In der Finanzierung. In der Liquidität.
Die Krise kommt im Geldbörsel an
Der erste Alarm kommt längst von den Bürgern selbst. Immer mehr Menschen müssen genauer rechnen. Laut IMAS bewerten 31 Prozent ihre finanzielle Lage als „eher nicht gut“, weitere acht Prozent sogar als „überhaupt nicht gut“. Zusammen sind das 39 Prozent.
Besonders hart trifft es Geringverdiener. Bei ihnen hat sich die finanzielle Lage laut Bericht bei 62 Prozent verschlechtert. Die wirtschaftliche Schwäche sind im Alltag angekommen.
Aus Geldsorgen wird Jobangst
Die große Gefahr: Österreich steckt nicht isoliert in der Krise. Die eigene Wirtschaft kämpft mit hohen Kosten, schwacher Konjunktur und vielen Firmenpleiten. Gleichzeitig wackelt ausgerechnet Deutschland – der wichtigste wirtschaftliche Partner.
Noch ist Österreich nicht so schwer getroffen wie der große Nachbar. Doch wenn Deutschlands Industrie weiter schwächelt, könnte der Druck auch hierzulande zunehmen.
Dann bleibt es nicht bei Geldsorgen in Umfragen.

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