Nach den Plänen der Bundesregierung soll der feste Vergütungsbestandteil für die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel in Deutschland zum 1. Juli von bislang 8,35 Euro auf 9,00 Euro pro Packung steigen. Eine weitere Erhöhung auf 9,50 Euro ist zum 1. Januar 2027 vorgesehen.
Damit endet eine mehr als ein Jahrzehnt andauernde Phase ohne Anpassung des Apothekenhonorars. Die im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbarte Anhebung war aufgrund der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen zunächst auf Eis gelegt worden. Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte jedoch später an, die Reform noch in diesem Frühjahr umzusetzen. Für viele Apotheker kommt die Entscheidung dennoch deutlich später als erhofft.
Inflationsdruck hat Erhöhung weitgehend aufgezehrt
Während das Honorar seit 2013 praktisch unverändert blieb, haben sich die Kostenstrukturen vieler Betriebe massiv verändert. Löhne, Energiekosten, Mieten, Digitalisierungspflichten und bürokratische Anforderungen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die nun beschlossene Anpassung vielen Branchenvertretern lediglich als Teilkompensation bereits eingetretener Belastungen. Die Erhöhung verteilt sich zudem auf zwei Stufen, wodurch ein Teil der Entlastung erst Anfang 2027 wirksam wird.
Jede fünfte Apotheke seit 2013 verschwunden
Besonders deutlich zeigt sich die schwierige Lage beim Blick auf die Entwicklung der Apothekenlandschaft. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) musste seit der letzten Honoraranpassung im Jahr 2013 rund jede fünfte Apotheke ihren Betrieb einstellen.
Allein im Jahr 2025 verschwanden bundesweit weitere 502 Apotheken vom Markt. Dem standen lediglich 62 Neueröffnungen gegenüber.
Zum Jahreswechsel existierten in Deutschland noch 16.601 Apotheken. Ein Jahr zuvor waren es noch 17.041 Standorte gewesen. Der langjährige Abwärtstrend setzt sich damit unvermindert fort.
Verbandschef spricht von überfälligem Schritt
Entsprechend zurückhaltend fällt auch die Reaktion der Apothekerverbände aus. Zwar wird die angekündigte Honorarerhöhung grundsätzlich begrüßt, von echter Begeisterung kann jedoch keine Rede sein.
ABDA-Präsident Thomas Preis bezeichnete die Anpassung als „längst überfällig“. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Branche über viele Jahre auf eine politische Reaktion habe warten müssen.
„Seit 13 Jahren wurde das Apothekenhonorar nicht angepasst – jede fünfte Apotheke musste seitdem schließen“, betonte Preis. „Die Verordnung ist ein richtiges Signal an die Apotheken, das viel früher hätte kommen müssen.“
Die Aussagen verdeutlichen die Ambivalenz innerhalb der Branche: Die Maßnahme wird als Schritt in die richtige Richtung gewertet, gleichzeitig sehen viele Apotheker darin keine ausreichende Antwort auf die strukturellen Herausforderungen der vergangenen Jahre.

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