Der Schritt kommt allerdings nicht überraschend. Strengere CO₂-Regeln und drohende Strafzahlungen auf EU-Ebene setzen selbst Luxusmarken zunehmend unter Druck. Hersteller ohne Elektrostrategie geraten regulatorisch immer stärker ins Hintertreffen oder müssen kostspielige Partnerschaften eingehen, um Emissionsvorgaben einzuhalten.

Ferrari versucht deshalb, den Wandel offensiv zu verkaufen. John Elkann, Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, erklärte, der „Luce“ vereine „das, was wir sind und das, was wir sein wollen“. Ferrari-Fans sind sich darin uneinig.

Vier Elektromotoren und über 1000 PS

Technisch soll der neue Strom-Ferrari trotz fehlendem Verbrennungsmotor weiterhin kompromisslose Performance liefern. Das Fahrzeug verfügt über vier Elektromotoren – jeweils einer pro Rad. Gemeinsam erzeugen sie laut mehreren Berichten rund 1.035 PS beziehungsweise 772 kW Leistung.

Der Sprint auf Tempo 100 soll in etwa 2,4 bis 2,5 Sekunden gelingen. Damit bewegt sich der „Luce“ durchaus auf dem Niveau anderer moderner Supercars.

Die angegebene Reichweite liegt je nach Fahrweise und Konfiguration zwischen rund 450 und 530 Kilometern. Das Fahrzeuggewicht beträgt dabei etwa 2,26 Tonnen.

Ferrari hebt besonders die aktive Fahrwerksregelung, die Allradlenkung und die komplexe Fahrdynamiksteuerung hervor. Trotz des hohen Gewichts soll sich der „Luce“ laut Konzern außergewöhnlich agil fahren lassen.

Design sorgt für hitzige Debatten

Fast noch stärker als die Technik polarisiert jedoch die Optik des Fahrzeugs. Entworfen wurde der neue Ferrari gemeinsam mit dem Designstudio LoveFrom rund um den ehemaligen Apple-Chefdesigner Jony Ive sowie Marc Newson.

Das Resultat unterscheidet sich deutlich von bisherigen Ferrari-Modellen. Statt aggressiver Linien, markanter Luftöffnungen und klassischer Supersportwagen-

Proportionen setzt der „Luce“ auf eine glatte, rundliche und futuristisch wirkende Karosserieform. Kritiker sprechen bereits von einer „seifenartigen“ Silhouette.

Gerade unter langjährigen Ferrari-Fans stößt diese Designphilosophie auf Widerstand. In sozialen Netzwerken reichten die Reaktionen von „absolute Meisterklasse“ bis hin zu vernichtenden Kommentaren wie „direkt auf den Schrottplatz“.

Ex-Ferrari-Chef warnt vor Zerstörung des Mythos

Besonders brisant fiel die Reaktion des Mannes aus, der Ferrari über viele Jahre geprägt hatte: Luca Cordero di Montezemolo, ehemaliger Ferrari-Präsident und späterer Fiat-Vorsitzender.

Unter seiner Führung entstanden einige der bekanntesten Modelle der Marke – darunter der F50, der Enzo Ferrari und später der Hybrid-Supersportwagen LaFerrari.

Auf den neuen Elektro-Ferrari angesprochen, hielt sich Montezemolo zwar offiziell zurück, ließ seine Skepsis jedoch deutlich erkennen. Würde er seine wahre Meinung offen aussprechen, würde dies Ferrari „schaden“, erklärte er. Gleichzeitig äußerte er die Sorge, der „Luce“ könne den Mythos der Marke zerstören.

Anleger reagieren nervös auf Ferraris Elektro-Kurs

Auch an den Finanzmärkten kam der neue E-Bolide nicht allzu gut an. Die Aktie des Unternehmens verlor am Dienstag an der Börse in Mailand zeitweise mehr als acht Prozent. In New York lag das Minus bei über fünf Prozent.