Im 2. Halbjahr 2025 stiegen die Strompreise für Österreichs Haushalte um 34,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt das Land EU-weit auf Platz 2. Nur Rumänien war mit plus 58,6 Prozent noch heftiger getroffen. Auf Platz 3 folgt Irland mit plus 32,7 Prozent.
Gemeint ist die mittlere Verbrauchsklasse: Haushalte mit 2.500 bis 4.999 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Inklusive aller Steuern und Abgaben. Also der typische Familienhaushalt.
In der EU wurde Strom sogar billiger
Das macht die Sache richtig peinlich. Der EU-27-Schnitt blieb praktisch unverändert – von 28,79 auf 28,96 Euro pro 100 Kilowattstunden. Ein Plus von gerade einmal 0,3 Prozent.
In zehn Mitgliedsländern wurde Strom sogar günstiger. Spitzenreiter beim Sparen: Zypern minus 14,7 Prozent, Frankreich minus 12,5 Prozent, Dänemark minus 11,9 Prozent.
Österreich steht damit nicht in einer allgemeinen europäischen Stromkrise. Österreich ist im EU-Vergleich ein Sonderfall.

Verschoben, nicht verhindert
Der Anstieg ist auch ein Basiseffekt. Im 2. Halbjahr 2024 waren Österreichs Strompreise noch künstlich gedämpft. Die Stromkostenbremse wirkte. Die Elektrizitätsabgabe war reduziert. Förderkosten waren ausgesetzt.
Dann kam 2025 die Rechnung. Auf einen Schlag.
Während andere EU-Länder ihre Energiehilfen schon 2023 oder 2024 zurückgefahren hatten, hat Österreich den Preisschock einfach verschoben. Drei Faktoren laufen 2025 zusammen.
1. Stromkostenbremse weg, Rechnung rauf
Bis 31. Dezember 2024 deckelte die Stromkostenbremse den Energiepreis für die ersten 2.900 Kilowattstunden eines Haushalts. Ab Juli 2024 war der Zuschuss bereits reduziert. Zum Jahreswechsel lief die Maßnahme komplett aus.
Seit Jänner 2025 zahlt jeder den vollen Tarif. Allein dieser Wegfall konnte rechnerisch bis zu rund 435 Euro pro Jahr ausmachen – abhängig von Tarif, Verbrauch und bisheriger Entlastung.
2. Netzentgelte plus 23 Prozent
Die Netzgebühren – jene Posten auf der Stromrechnung, die niemand verhandeln kann – stiegen 2025 für Haushalte auf Netzebene 7 im Schnitt um 23,1 Prozent. Bei 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das laut E-Control rund 73 Euro extra. Pro Jahr.
Die bittere Logik dahinter: Sinkt der Stromverbrauch insgesamt, verteilen sich die fixen Netzkosten auf weniger Kilowattstunden. Der Tarif steigt für alle. Sparen wird bestraft.
3. Abgaben sind zurück
Die Elektrizitätsabgabe wurde von 0,1 auf 1,5 Cent pro Kilowattstunde angehoben – das 15-Fache. Sie war im Mai 2022 als befristete Krisenmaßnahme gesenkt worden. 2025 ging es zurück auf den ursprünglichen Wert. Bei 4.000 Kilowattstunden Verbrauch macht allein das brutto rund 67 Euro mehr im Jahr.
Dazu kommen die wieder eingehobene Erneuerbaren-Förderpauschale von 19,02 Euro pro Jahr und der Förderbeitrag von 0,796 Cent pro Kilowattstunde plus Zählerkomponente. In Summe rund 65 Euro brutto zusätzlich – bei 4.000 Kilowattstunden Verbrauch.
46 Prozent zahlen mehr – jeder Siebte deutlich
Was bei Statistiken trocken klingt, schmerzt im Haushalt. Laut EY-Energiepreisbarometer 2025 sahen 46 Prozent der Österreicher eine höhere Stromrechnung als im Vorjahr.
14 Prozent berichten von einem Plus von mindestens 31 Prozent. 57 Prozent erkannten höhere Netzgebühren auf ihrer Abrechnung. 17 Prozent können die Rechnung nicht mehr pünktlich zahlen.
Auch die Inflation bekam Strom
Der Preisschock zog sich durch die ganze Volkswirtschaft. Laut Oesterreichischer Nationalbank lag Österreichs Teuerung 2025 deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt. Energie und Dienstleistungen erklären den Abstand zu etwa gleichen Teilen.
Die unbequeme Wahrheit
Eurostat selbst nennt als Hauptursachen für die größten Anstiege höhere Netzkosten und den Abbau staatlicher Subventionen. Übersetzt heißt das: Der Strompreis-Schock kam nicht aus dem Großhandelsmarkt. Er kam aus Wien.
Auslaufende Hilfen. Gestiegene Netzgebühren. Zurückgekehrte Abgaben. Während Frankreich, Dänemark und Zypern ihre Bürger entlasten, schickt Österreich die Rechnung.
Dieser Schock war kein Schicksal. Er war absehbar.

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