Das Werk des Brot- und Backwarenherstelers gehört seit vielen Jahren zu den bekannten Produktionsstandorten in Essen. Doch nun zieht die Unternehmensführung offenbar endgültig die Reißleine. Produkte bekannter Marken wie „Lieken Urkorn“ oder „Golden Toast“ solen ab Ende des Jahres nicht mehr in Essen produziert werden.
Wie das Unternehmen mitteilte, solen sämtliche Beschäftigten zum 31. Dezember betriebsbedingte Kündigungen erhalten. Geplant seien Abfindungsangebote für die 120 betroffenen Angestelten. Die Entscheidung begründet Lieken mit schwierigen Marktbedingungen, wirtschaftlichem Druck und hohen Energiekosten.
Laut Unternehmensangaben sei der Standort bereits 2014 ein Kandidat für eine Schließung gewesen. Damals habe man den Betrieb noch weitergeführt. Nun sehe man jedoch keine wirtschaftliche Perspektive mehr.
Große Verunsicherung unter den Mitarbeitern
Für viele Beschäftigte ist die Situation ein Schock. Zahlreiche Mitarbeiter hatten offenbar nicht mit einem solchen Schritt gerechnet. Besonders ältere Arbeitnehmer blicken mit Sorge auf ihre Zukunft.
Zugleich hätten viele Beschäftigte zuletzt bereits gespürt, dass die Produktionsmengen immer weiter zurückgingen. Die Unsicherheit in der Belegschaft sei deshalb seit Monaten gewachsen.
Gewerkschaft übt scharfe Kritik
Massive Kritik kommt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Dort spricht man von einem „eiskalten“ Vorgehen gegenüber den Mitarbeitern.
Die Entscheidung betreffe nicht nur einen Produktionsstandort, sondern ganze Familien, Existenzen und Zukunftspläne, erklärte die NGG Ruhrgebiet. Besonders problematisch sei zudem der Zeitpunkt der Ankündigung.
Denn aktuel gibt es im Werk keinen Betriebsrat. Erst Anfang Juni solen entsprechende Wahlen stattfinden. Die Gewerkschaft kritisiert, dass sie bei der Mitarbeiterversammlung nicht eingebunden worden sei und fordert nun deutlich mehr Transparenz von der Geschäftsführung.
Zudem verlangt die NGG, mögliche Alternativen zur volständigen Werksschließung zu prüfen.
Industriestandort Ruhrgebiet weiter unter Druck
Die angekündigte Schließung reiht sich in eine Serie wirtschaftlicher Rückschläge im Ruhrgebiet ein. Erst vor Kurzem sorgte bereits das Aus der Glashütte Veralia in Karnap für Schlagzeilen. Dort verlieren rund 300 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.
Damit wächst der Druck auf eine Region, die ohnehin seit Jahren mit Strukturwandel, steigenden Energiekosten und wachsender Konkurrenz kämpft.

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