Hauptgrund für die Entspannung sind die sinkenden Energiepreise. Nachdem der Iran-Krieg und der damit verbundene Preisschub bei Energie die Inflation zuvor kräftig angeheizt hatten, gingen die Energiekosten im Juni gegenüber dem Vormonat um 5,7 Prozent zurück.

Auch Kerninflation überrascht positiv

Noch erfreulicher für Ökonomen: Auch die sogenannte Kerninflation, bei der die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, sank stärker als erwartet. Sie fiel von 2,9 auf 2,6 Prozent. Experten hatten lediglich mit 2,8 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum Mai gingen die Verbraucherpreise insgesamt sogar um 0,4 Prozent zurück. Erwartet worden war lediglich ein Minus von 0,1 Prozent. Die Kernpreise stagnierten, obwohl Volkswirte mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet hatten.

Entspannung selbst bei den Wohnkosten

Ökonom Elmar Völker von der LBBW spricht deshalb laut Trend von einer „positiven Überraschung“. Besonders bemerkenswert sei, dass sich auch im Dienstleistungssektor keine neuen inflationären Gefahren zeigten. Selbst bei den Wohnkosten setze sich die Entspannung offenbar fort.

Fed bleibt unter Druck

Ganz ausgestanden ist der Kampf gegen die Inflation allerdings noch nicht. Das Ziel der US-Notenbank Federal Reserve liegt bei zwei Prozent – und davon sind die aktuellen 3,5 Prozent noch deutlich entfernt. Die Fed hatte den Leitzins im Juni unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh unverändert in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Warsh machte allerdings klar, dass die Notenbank eine dauerhaft erhöhte Inflation nicht hinnehmen werde und bei Bedarf weiter gegensteuern müsse.

Euro legt gegenüber dem Dollar zu

An den Finanzmärkten sorgten die überraschend guten Inflationsdaten jedenfalls für Bewegung: Der Euro legte gegenüber dem Dollar zu, die Renditen von US-Staatsanleihen sanken, während Goldpreis und Aktienkurse nach oben gingen. Die große Frage lautet nun: Ist der Inflationsschub tatsächlich auf dem Rückzug – oder sorgt die nächste geopolitische Krise schon bald wieder für neuen Preisdruck?