Um die Folgen der Ölkrise abzufedern und die Versorgung des Marktes zu stabilisieren, wurden in den vergangenen Monaten enorme Mengen Rohöl freigegeben. Nun erreichen die amerikanischen Notfallbestände einen historischen Tiefstand.

Strategische Reserven auf Niveau von 1983 gefallen

Neue Daten des US-Energieministeriums zeigen, dass die amerikanische Strategic Petroleum Reserve (SPR) nur noch über 340,3 Millionen Barrel Rohöl verfügt. Damit sind die Bestände auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1983 gefallen.

Noch Anfang Juni lagen die Vorräte bei rund 349 Millionen Barrel. Innerhalb weniger Tage verringerte sich der Bestand somit nochmals deutlich. Die strategische Ölreserve der Vereinigten Staaten verfügt über eine maximale Kapazität von rund 714 Millionen Barrel. Aktuell sind damit weniger als die Hälfte der möglichen Lagerkapazität gefüllt.

Ölkrise im Nahen Osten zwingt Westen zum Handeln

Der starke Rückgang ist vor allem eine Folge der Energiekrise, die durch den Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran ausgelöst wurde. Die Blockade wichtiger Schifffahrtsrouten rund um die Straße von Hormus führte zu massiven Verwerfungen auf den Energiemärkten und ließ die Rohöl- sowie Treibstoffpreise weltweit steigen.

Um Engpässe und weitere Preisexplosionen zu verhindern, beschlossen die Mitgliedstaaten der Internationalen Energie-Agentur (IEA) im Frühjahr die bislang größte koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven ihrer Geschichte. Insgesamt sollten rund 420 Millionen Barrel zusätzlich auf den Markt gelangen – eine Menge, die dem üblichen Öltransport durch die Straße von Hormus innerhalb von drei Wochen entspricht. Die USA beteiligten sich daran im großen Stil.

Trump gerät wegen hoher Spritpreise unter Druck

Die Energiekrise entwickelte sich in den vergangenen Monaten zunehmend auch zu einem politischen Problem für das Weiße Haus. Die stark gestiegenen Benzin- und Dieselpreise belasteten Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen.

US-Präsident Donald Trump argumentierte, die Freigabe der Reserven sei notwendig gewesen, um den Preisanstieg zu begrenzen. Gleichzeitig steht seine Regierung wegen der Entwicklung unter wachsendem innenpolitischem Druck. Mit Blick auf die anstehenden Kongresswahlen haben sich die hohen Energiekosten zu einem zentralen Wahlkampfthema entwickelt.

Ein Waffenstillstand sorgt für vorsichtigen Optimismus

Für etwas Entspannung sorgt inzwischen ein angekündigtes Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran. Beide Seiten wollen einen 60-tägigen Waffenstillstand vereinbaren, wodurch sich die Lage rund um die Straße von Hormus schrittweise normalisieren könnte.

Erste Signale einer Entspannung sind bereits sichtbar. In den vergangenen Tagen passierten wieder erste Energie-Transporte die strategisch wichtige Wasserstraße.