Wie die Krone berichtete, wurden die Senioren und ihre Angehörigen bereits in der Vorwoche über das Aus informiert. Der letzte Betreuungstag ist demnach der 18. September, mit 30. September wird der Standort endgültig geschlossen.
Millioneninvestitionen der Gemeinde reichten nicht aus
Nach Angaben der Volkshilfe Steiermark scheiterte eine dauerhafte Finanzierung daran, dass das Land keine Förderung gewährte und die Gemeinde die Kosten künftig nicht mehr allein übernehmen will. Die Gemeinde Seiersberg-Pirka habe das Tageszentrum seit seiner Gründung im Jahr 2002 mit rund 4,3 Millionen Euro unterstützt. Zusätzlich entrichtet sie – wie alle steirischen Gemeinden – die Pflegeleistungsumlage.
Landesförderung an Qualitätsstandards gebunden
Der Hintergrund: Das Land Steiermark fördert Tageszentren nur dann, wenn sie die verbindlichen Qualitätsstandards erfüllen. Laut Informationen des Landes Steiermark gehören dazu unter anderem definierte Platzgrößen sowie bauliche und organisatorische Vorgaben. Nur Einrichtungen mit einem entsprechenden Verrechnungsvertrag erhalten Landesförderungen. In diesen Fällen werden die normierten Kosten gemeinsam von den Tagesgästen sowie der öffentlichen Hand getragen, wobei Land und Gemeinden die verbleibenden Kosten im Verhältnis 60 zu 40 übernehmen.
Nach Angaben der Volkshilfe konnten die räumlichen Voraussetzungen des bestehenden Gebäudes den vom Land vorgeschriebenen Qualitätsschlüssel nicht erfüllen. Deshalb kam kein Fördervertrag mit dem Land zustande.
Volkshilfe verspricht Betreuung ohne Unterbrechung
Volkshilfe-Geschäftsführerin Brigitte Schafarik kündigte an, sowohl die sieben Beschäftigten als auch die betreuten Senioren nicht allein zu lassen. Die Mitarbeiter sollen auf andere Standorte verteilt werden. Für die Tagesgäste sollen Plätze in Einrichtungen etwa in Hart bei Graz, Graz oder Voitsberg gefunden werden. Nach Angaben der Volkshilfe wohnen rund 62 Prozent der Besucher ohnehin nicht in Seiersberg-Pirka.
Auch andere Gemeinden strichen Pflegeangebote
Dass Gemeinden aus finanziellen Gründen Pflegeangebote zurückfahren, ist kein Einzelfall. Wie MeinBezirk berichtete, stellte die Marktgemeinde Wiener Neudorf bereits 2022 die Finanzierung einer von der Volkshilfe betriebenen Kurzzeitpflege ein. Als Begründung wurden damals unter anderem die jährlichen Kosten von rund 300.000 Euro sowie die geringe Auslastung durch eigene Gemeindebürger genannt. Das ebenfalls von der Volkshilfe betriebene Tageszentrum blieb dort jedoch bestehen.
Mit der Schließung verliert Seiersberg-Pirka nach mehr als zwei Jahrzehnten sein Volkshilfe-Tageszentrum. Gleichzeitig zeigt der Fall, welche Bedeutung die Einhaltung der Fördervoraussetzungen des Landes für den langfristigen Betrieb solcher Einrichtungen hat.

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