Die Verflechtung zwischen ziviler Industrie und militärischer Produktion ist längst weiter fortgeschritten, als es auf den ersten Blick scheint. Nach einer DIHK-Umfrage ist bereits jeder sechste Industriebetrieb in Deutschland Teil der Wertschöpfungskette der Rüstungsindustrie.

Besonders stark vertreten ist der Fahrzeugbau: Hier sind 36 % der Unternehmen direkt oder indirekt im Verteidigungssektor aktiv. Dennoch bleibt die Zahl der klassischen Waffenproduzenten vergleichsweise gering. Lediglich 2,5 % der Industriebetriebe fertigen ausschließlich militärische Güter. Weitere 6,9 % produzieren sogenannte Dual-Use-Güter, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können. Hinzu kommen 7,6 % der Unternehmen, die als Zulieferer fungieren.

Geopolitik als Wachstumstreiber

„Die Befragung spiegelt die guten Perspektiven in der Verteidigungsindustrie wider – als Folge der geopolitischen Konflikte“, erklärte DIHK-Experte Rainer Kambeck laut Bericht. Gleichzeitig bleibe die allgemeine wirtschaftliche Lage angespannt – ein Spannungsfeld, das viele Unternehmen zu strategischen Neuausrichtungen zwingt.

Die zunehmende militärische Nachfrage wirkt damit wie ein Gegengewicht zur schwächelnden Konjunktur. Für zahlreiche Betriebe eröffnet sich ein Markt, der durch staatliche Aufträge, langfristige Planungssicherheit und steigende Verteidigungsbudgets geprägt ist.

Auf der anderen Seite entsteht jedoch ein erhebliches Risiko: Die zunehmende Verlagerung von der Konsumwirtschaft hin zur Rüstungsindustrie schafft eine gefährliche Abhängigkeit. Lassen geopolitische Spannungen nach, drohen Umsätze einzubrechen. Unternehmen, die ihre Produktion auf Rüstung ausgerichtet haben, geraten dadurch in eine strukturelle Abhängigkeit von anhaltenden Konflikten.

Fall Osnabrück: Zwischen Stilllegung und Umrüstung

Ein besonders anschauliches Beispiel für den Wandel, der in der deutschen Wirtschaft zu beobachten ist, liefert das Volkswagen-Werk in Osnabrück. Der Standort beschäftigt derzeit rund 2.300 Mitarbeiter. Doch die Zukunft ist ungewiss: Das wichtigste Modell, das VW T-Roc Cabrio, soll nur noch bis Mitte 2027 produziert werden. Danach droht das Aus für das Werk – und damit für zahlreiche Arbeitsplätze.

Als mögliche Perspektive wurde eine Umstellung der Produktion auf militärische Fahrzeuge ins Spiel gebracht. Der Rüstungskonzern Rheinmetall zeigte jedoch kein Interesse. Stattdessen wurden zuletzt die deutsch-französische Waffenschmiede KNDS sowie das israelische Unternehmen Rafael Advanced Defense Systems, bekannt für das Luftabwehrsystem „Iron Dome“, als potenzielle Partner genannt.