Den veröffentlichten Protokollen zufolge soll Ruck Ludwig nach der Wien-Energie-Krise 2022 geraten haben, den Konzern von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln und mit einem hochkarätigen Management neu aufzustellen. Als möglichen Vorstand nannte er demnach sogar heutige Spitzenmanager aus der österreichischen Wirtschaft.

Einfache Rechnung?

Besonders brisant laut Krone und Profil: eine Passage, in der Ruck laut Transkript eine einfache Rechnung aufstellt. Bei einem Konzern mit zehn Milliarden Euro Umsatz seien 500 Millionen Euro Gewinn pro Jahr „locker“ möglich. Dieses Geld könne vier Jahre lang im Unternehmen bleiben, um dann im Jahr vor der Wahl zwei Milliarden Euro auszuschütten. Laut Protokoll soll Ruck sinngemäß erklärt haben, mit einem solchen Milliardenbetrag ließe sich unmittelbar vor einer Wahl politisch viel bewegen. Kritiker sehen darin Überlegungen, wie finanzielle Spielräume für Wahlzuckerln geschaffen werden könnten.

Enge Beziehung sorgt für Kritik

Die veröffentlichten Gesprächsprotokolle zeichnen zudem das Bild eines ungewöhnlich engen Verhältnisses zwischen dem schwarzen Wirtschaftskammer-Präsidenten und dem roten Wiener Bürgermeister. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Ruck immer wieder positiv über die Wiener SPÖ gesprochen und laut den Aufzeichnungen sogar Überlegungen angestellt haben soll, wie die Sozialdemokraten ihre Vormachtstellung in Wien sichern könnten. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt, dass die beiden laut Ruck selbst sogar bei einem gemeinsamen Aufenthalt in Berlin – während ihre Ehefrauen einkaufen waren – über die Zukunft der Wien Energie diskutiert haben sollen.

Ruck und Ludwig weisen Vorwürfe zurück

Das Büro von Bürgermeister Ludwig erklärte, es gebe keine Pläne, die Rechtsform der Wien Energie zu ändern. Auf Fragen zu den angeblichen Gesprächen verwies man an Walter Ruck. Dessen Sprecher stellte die Echtheit der veröffentlichten Zitate infrage. Es handle sich um „nicht überprüfbare Zitate aus einem Transkript einer nicht verifizierbaren und angeblich illegal angefertigten Tonaufnahme“.