Der geplante Kahlschlag bei Volkswagen stößt an der Konzernspitze auf Gegenwind. „Einfach nur Werke zu schließen, wäre viel zu kurz gesprungen. Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie”, sagte Julia Willie Hamburg, Niedersachsens Vize-Regierungschefin und VW-Aufsichtsrätin, der Deutschen Presse-Agentur. Der notwendige Wandel stehe zwar außer Frage: „Im Gegenteil: Volkswagen muss sich verändern”, so die Grünen-Politikerin. „Aber die Transformation muss den Konzern nachhaltig wettbewerbsfähiger machen und an seine Stärken anknüpfen – nicht seine industrielle Substanz schwächen.”
Auslöser ist ein Bericht des „Manager Magazin”, wonach VW seinen Sparkurs drastisch verschärfen will. Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen – doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken in Deutschland droht demnach das Aus: Hannover, Emden, Zwickau und der Audi-Standort Neckarsulm.
Die Dimension ist enorm: Bei konzernweit rund 657.000 Beschäftigten würde ein Abbau in dieser Größenordnung laut „wallstreetONLINE” etwa jeden sechsten Arbeitsplatz treffen. Über das neue „Zielbild 2030″ soll der Aufsichtsrat am 9. Juli beraten – genau jenes Gremium, in dem Hamburg mitentscheidet.
„Da liegt doch der eigentliche Hebel"
Die Lage sei ernst, räumte Hamburg ein. Doch statt Werke zu schließen, gebe es andere Wege. Der Konzern könne noch viele Synergien heben: „Da liegt doch der eigentliche Hebel, auch wirklich Kosten zu senken.” Aufgrund seiner Struktur verfüge VW über erhebliche Potenziale, Prozesse zu vereinfachen, Doppelstrukturen abzubauen und die Zusammenarbeit zwischen den Marken zu verbessern.
Vor allem aber forderte sie mehr Mut zur Innovation: „Entscheidend ist aber vor allem, dass der Konzern wieder mit innovativen Produkten überzeugt. Genau daraus sind die großen Erfolge von Volkswagen immer entstanden.” VW müsse weiter in Zukunftstechnologien investieren – von moderner Antriebstechnik über Software bis hin zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
Schließungen wirken „frühestens 2030"
Einen schnellen Effekt der Werksschließungen sieht Hamburg ohnehin nicht: „Werksschließungen wirken, wenn überhaupt, frühestens 2030. Das ist nicht die Antwort auf die akute Krise, die wir jetzt gerade haben.” Man werde darauf hinwirken, dass der Vorstand strukturierte, umsetzbare und geprüfte Lösungen vorlege.
Ein zusätzliches Faustpfand liegt in den Verträgen: Im Dezember 2024 hatten IG Metall und Volkswagen nach harten Tarifverhandlungen eine Beschäftigungssicherung für die deutschen Standorte bis 2030 vereinbart, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Kündigt VW diese auf, wird eine Strafzahlung von einer Milliarde Euro fällig. Auch die Arbeitnehmerseite schießt scharf: IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo sprachen laut „finanzen.net” von „unverantwortlichen Drohungen” und kündigten an, etwaige Pläne „mit aller Macht” zu verhindern.
„Wenn eine Industrie einmal verloren gegangen ist, kommt sie nicht so schnell wieder”, warnte Hamburg. „Das kann nicht unser Interesse sein, weder von Volkswagen als Konzern noch von uns als Land Niedersachsen.” Den verunsicherten Mitarbeitern sagte sie die Unterstützung der Landesregierung zu.
Und Hamburg sitzt am längeren Hebel: Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte, hat zusammen mit den Arbeitnehmervertretern die Mehrheit im Aufsichtsrat – und bei wichtigen Entscheidungen ein Vetorecht. Blumes Sparhammer könnte also schon am 9. Juli an einer Wand aus Land und Gewerkschaft abprallen.

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