Ende vergangenen Jahres initiierte Vorstandschef Oliver Blume eine ungewöhnliche Untersuchung innerhalb der Konzernspitze. In einem anonymen Bewertungsverfahren wurden Mitglieder des Volkswagen-Vorstands, führende Aufsichtsräte sowie weitere Spitzenmanager aufgefordert, die Situation des Unternehmens offen einzuschätzen.

Die Ergebnisse wurden anschließend gemeinsam mit der Unternehmensberatung BCG ausgewertet und in ein umfangreiches Transformationskonzept integriert, das dem Aufsichtsrat im Frühjahr vorgestellt wurde. Die Rückmeldungen fielen deutlich kritischer aus, als viele Beobachter erwartet hätten.

Mehrheit der Konzernspitze sieht akute Gefahr

Nach Informationen aus dem Umfeld der Untersuchung, über die verschiedene Medienhäuser berichteten, bewertete die Mehrheit der befragten Führungskräfte die Lage des Unternehmens als existenzgefährdend. Weitere Teilnehmer stuften die Situation zwar etwas weniger dramatisch ein, bezeichneten sie jedoch ebenfalls als äußerst angespannt.

Bemerkenswert ist vor allem ein Detail: Keiner der Befragten sah den Konzern auf einem stabilen oder unkritischen Kurs.

Das bisherige Erfolgsmodell gerät ins Wanken

Über Jahrzehnte beruhte die Stärke von Volkswagen auf einem klaren Prinzip: Entwicklung in Deutschland, Produktion in Europa und Verkauf auf den Weltmärkten.

Nach Einschätzung vieler Führungskräfte stößt dieses Modell inzwischen jedoch zunehmend an seine Grenzen. Hohe Produktionskosten, wachsende Konkurrenz aus China und veränderte Marktbedingungen würden die bisherigen Strukturen massiv unter Druck setzen.

Innerhalb der Unternehmensführung wächst deshalb offenbar die Überzeugung, dass tiefgreifende Veränderungen unausweichlich geworden sind.

Forderung nach grundlegender Neuausrichtung

Besonders auffällig ist die Einigkeit, mit der sich die Teilnehmer der Untersuchung für einen strategischen Kurswechsel ausgesprochen haben sollen.

Demnach plädierten sämtliche befragten Vorstandsmitglieder für eine umfassende Neudefinition der Unternehmensstrategie. Dabei geht es nicht nur um einzelne Sparmaßnahmen oder Effizienzprogramme, sondern um die grundsätzliche Frage, wie Volkswagen künftig weltweit wettbewerbsfähig bleiben kann.

Die Frage, ob die starre Ausrichtung hin zur E-Mobilität, noch der richtige Weg für das Unternehmen ist, rückt zusehends ins Zentrum der Debatte.