In der Weststeiermark entzündet sich dieser Konflikt derzeit besonders deutlich: Neue Windparks entstehen, Projekte stehen in den Startlöchern – doch die Bevölkerung reagiert zunehmend mit Unmut, Sorgen und offenen Zweifeln. Im Rahmen der Diskussionsreihe „Ein Ort am Wort“ wurde diese Spannung nun erstmals deutlich sichtbar.
Über 120 Windräder – und kein Ende in Sicht
Die Dimensionen des Ausbaus sind beachtlich: Bereits heute drehen sich 121 Windräder in der Steiermark, weitere sollen folgen. Der Bedarf an Strom wächst – durch Haushalte, Industrie und Wirtschaft gleichermaßen. Doch die entscheidende Frage lautet: Wo und wie soll diese Energie künftig erzeugt werden?
Bürgermeister Bernd Mara brachte im Rahmen der Diskussionsreihe die Zerrissenheit auf den Punkt: „Auf der einen Seite wollen wir aus der fossilen Energie raus. Auf der anderen Seite, vor unserer Haustür Windräder. Die Ängste sind, dass unser Tourismus dann komplett verschwindet.“
Sorge um Natur, Heimat und Identität
Die Kritik aus der Bevölkerung geht jedoch weit über ästhetische Fragen hinaus. Viele fürchten tiefgreifende Eingriffe in gewachsene Lebensräume. Landschaften könnten dauerhaft verändert, ökologische Gleichgewichte gestört und kulturelle Spuren wie archäologische Fundstätten übergangen werden. Hinzu kommt Zweifel an der Effizienz der Anlagen. Die Stromproduktion wird zusehends von Wetterbedingungen abhängig gemacht.
Komplexe Verfahren und hohe Auflagen
Seitens der Energiebranche wird hingegen betont, dass der Ausbau nicht leichtfertig erfolgt. Urs Harnik von der Energie Steiermark unterstreicht die Notwendigkeit eines Energiemixes: „Ein Faktor allein, weder die Photovoltaik, noch die Wasserkraft, noch die Windkraft allein wird in der Lage sein, die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen, daher brauchen wir den Mix.“
Zugleich verweist er auf umfangreiche Prüfverfahren. Projekte würden über Jahre hinweg begleitet, zahlreiche Gutachten eingeholt und ökologische Maßnahmen umgesetzt. Allein bei einem Projekt auf der Freiländeralm seien rund 140 Umweltauflagen vorgesehen – von Schutzmaßnahmen für Tiere bis hin zu Lärmgrenzen.
Rasanter Ausbau in der jüngsten Vergangenheit
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, wie schnell sich die Windkraft in der Region etabliert hat. Innerhalb von zwei Jahrzehnten wurde der Ausbau massiv vorangetrieben, insbesondere seit 2012. In dieser Zeit hat sich die installierte Leistung versechsfacht.
Wie aus Berichten der Kleinen Zeitung hervorgeht, liefern die rund 121 Anlagen heute rund 323 Megawatt – deutlich mehr als das ehemalige Kohlekraftwerk Mellach mit 225 MW und etwa das 18-Fache des Grazer Murkraftwerks mit 17,7 MW.

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