Die Teuerung hat im Euro-Raum im Mai mit 3,2 Prozent den höchsten Stand seit Herbst 2023 erreicht. Österreich liegt sogar deutlich darüber: Hier kletterte die Inflation laut Schnellschätzung auf 3,7 Prozent. Haupttreiber sind die explodierenden Energiepreise. Sie liegen um fast elf Prozent höher als noch vor einem Jahr. Auch Dienstleistungen werden immer teurer, berichtet orf.at.
EZB unter Zugzwang
Für die Währungshüter in Frankfurt wird die Luft dünn. Die EZB strebt eigentlich eine Inflationsrate von zwei Prozent an – davon ist Europa derzeit weit entfernt. Analysten rechnen deshalb fest damit, dass die EZB bei ihrer Sitzung am 11. Juni erstmals seit fast drei Jahren wieder an der Zinsschraube dreht. Erwartet wird ein Anstieg um 0,25 Prozentpunkte. „Die EZB ist bereits auf dem Sprung, die Leitzinsen in der nächsten Woche anzuheben“, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank.
Schlechte Nachrichten für Kreditnehmer
Für Millionen Menschen könnte das teuer werden. Vor allem Besitzer variabler Wohnkredite müssen sich auf höhere Monatsraten einstellen. Wer eine Immobilie finanzieren möchte, wird künftig noch tiefer in die Tasche greifen müssen. Bei Sparbüchern und Tagesgeldkonten könnte es hingegen etwas mehr Zinsen geben – allerdings profitieren Sparer meist deutlich langsamer als Banken ihre Kreditkunden zur Kasse bitten.
Iran-Krieg heizt Preise an
Als Hauptursache für die neue Teuerungswelle gilt der Konflikt im Nahen Osten. Die Unsicherheit rund um die Energieversorgung treibt Öl- und Gaspreise nach oben. Experten warnen bereits vor sogenannten Zweitrundeneffekten: Unternehmen geben höhere Kosten an Kunden weiter, Arbeitnehmer fordern höhere Löhne – und die Inflation setzt sich fest. Ein Ende der Preissteigerungen ist derzeit nicht in Sicht. Mehrere Ökonomen rechnen damit, dass die Teuerung noch monatelang über der Drei-Prozent-Marke bleiben wird.
Noch mehr Zinsschritte möglich
Besonders brisant: Die kommende Zinserhöhung könnte erst der Anfang sein. Mehrere EZB-Vertreter haben bereits angedeutet, dass weitere Schritte folgen könnten, falls sich die Lage nicht entspannt. Für viele Österreicher bedeutet das nichts Gutes: Nach Jahren der Teuerung droht nun die nächste Kostenlawine – diesmal über höhere Kreditraten und steigende Finanzierungskosten. Die Rechnung für Inflation und Energiekrise könnte damit noch lange nicht bezahlt sein.

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