Der Ölpreisschock als Folge des Iran-Kriegs und der damit verbundene Inflationsschub werden bald auch konkrete Folgen für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben. Österreichs Nationalbankgouverneur und EZB-Ratsmitglied Martin Kocher schließt eine Zinserhöhung bei unveränderter Lage im Nahen Osten nun nahezu aus.
„Wenn sich die Lage nicht dramatisch verbessert, wird es in der nächsten Zeit schwierig sein, eine Zinserhöhung zu vermeiden“, sagte er.
Als möglichen Umfang nannte Kocher eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte – von 2,0 auf 2,25 Prozent – schloss aber eine stärkere Anhebung nicht aus. Einen konkreten Zeitpunkt nannte er nicht. Bis Jahresende stehen noch mehrere EZB-Ratssitzungen an.
Zinserhöhung unabhängig von Kriegsende
Laut Kocher wäre die Grundvoraussetzung dafür, den Leitzins vorerst stabil zu halten, ein Kriegsende im Nahen Osten und die Öffnung der Straße von Hormuz für den Schiffsverkehr. Selbst dann würde sich die Lage aber nicht sofort entspannen. Wie rasch die Ölpreise auf Vorkriegsniveau sinken würden, ist unklar. Kocher wies zudem auf Schäden an der Energie- und Transportinfrastruktur in der Region hin, deren Ausmaß noch nicht abschätzbar ist. Die EZB hatte ihre Prognosen zuletzt im März noch auf deutlich optimistischeren Annahmen aufgebaut.
Die Inflation in der Eurozone lag im Mai laut Schnellschätzung bei 3,2 Prozent, in Österreich bei 3,7 Prozent und damit deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Die Inflation ist seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich gestiegen. Die Werte sind aber noch weit entfernt von der Teuerung nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022. Im Jahr 2022 lag die Inflationsrate in der Eurozone wie auch in Österreich bei über 8 Prozent.
Die nächste Sitzung der EZB findet am 11. Juni statt. Auf den Finanzmärkten wird erwartet, dass der Leitzins bei dieser Sitzung erhöht wird.

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