Jetzt hat Queerness und Diversität sogar in die Operette Einzug gehalten: Johann Strauss Sohns weltberühmte Operette „Die Fledermaus“ bekommt jetzt einen Pride-Anstrich. Im Juni finden, anlässlich des „Pride-Monats“, insgesamt fünf Aufführungen von „Die Fledermaus – Pride Edition“ in der Wiener Volksoper statt. Dafür wurde extra der Text, original von Karl Haffner und Richard Genée, umgeschrieben.

„Kein Genre ist queerer“ als die Operette
Ein Auszug aus der Volksoper-Website: „Pride ist Widerstand und Lebensfreude! Und welches Werk wäre besser geeignet, um anlässlich dieses Fests einen neuen Blick auf Erotik, Liebe und gesellschaftliche Erwartungen zu werfen als Johann Strauß’ Die Fledermaus?“ Die Pride-Operette stelle die Frage, ob „gesellschaftliche Normen (…) existenzielle Lebenslügen hervorbringen“. Und: Kein Genre sei queerer als die Operette, wird auf der Website festgestellt. Die Produktion setze damit ein „klares künstlerisches Zeichen – gerade in einer Zeit, in der queeres Leben international erneut vermehrt unter Druck gerät“.
Telefonanbieter Magenta ist Hauptsponsor der Pride
Produktionssponsor ist, laut Webseite, der Mobilfunk- und Internetanbieter Magenta (früher T-Mobile). Magenta ist auch der offizielle Partner der Vienna Pride.
Auch Tom Neuwirth aka Conchita Wurst wird in der queeren Fledermaus einen Auftritt haben. Der schwule Sänger und Schauspieler wird in die Rolle des Frosches schlüpfen. Die Rolle ist klein – aber oft der größte Lacher des Abends.

Schon Helmut Qualtinger und Michael Niavarani spielten den Frosch
Der dritte Akt spielt im Gefängnis. Der Frosch bewacht die Zellen – aber da er ständig betrunken ist, läuft alles chaotisch ab. Er berichtet dem Gefängnisdirektor Frank von den Ereignissen der Nacht – und bringt dabei alles durcheinander.
Die Frosch-Rolle ist in der Opernwelt einzigartig, weil sie traditionell ein Schauspielkomiker übernimmt – kein Sänger. Der Frosch singt nicht, sondern spricht nur.
Die Frosch-Rolle bei der berühmten Silvester-Aufführung der Wiener Staatsoper ist legendär – prominente Kabarettisten und Schauspieler wurden damit betraut, etwa Karl Farkas, Helmut Qualtinger oder in jüngerer Zeit Alfred Dorfer und Michael Niavarani. In der queeren Version der Volksoper soll der Frosch ein „Hoffnungsgeber in einer Zeit, in der queeres Leben noch nicht offen gelebt werden konnte“ sein.
Neuwirth freut sich über „queere Perspektive“
Über seine Rolle bei der neuen Version der Operette sagt Neuwirth: „Es freut mich sehr, dass Die Fledermaus – eines der bekanntesten Werke der Operette – für die Pride Edition eine queere Perspektive erhält, und ich bin voller Vorfreude, die ikonische Rolle des Frosch zu übernehmen und neu zu interpretieren.“ Das Zitat ist auf der Volksoper-Webseite nachzulesen.
Tom Neuwirth gewann als Kunstfigur Conchita Wurst – eine bärtige Dragqueen – 2014 den Eurovision Song Contest und wurde damit zum globalen Symbol der LGBTQI-Community. Seit Februar moderiert Neuwirt zusammen mit dem österreichischen ESC-Vorjahressieger JJ den ORF-Podcast „Bussi Bla Bla”. Darüber hinaus spielt er am Wiener Rabenhoftheater den exzentrischen Habsburger Erzherzog Ludwig Viktor alias „Luziwuzi”. Für diese Rolle erhielt er den Nestroy-Publikumspreis.

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