Manson, der mit bürgerlichem Namen Brian Warner heißt, bestritt die Vorwürfe stets. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles erhob nach jahrelangen Ermittlungen keine Anklage und verwies unter anderem auf Verjährung sowie eine aus ihrer Sicht unzureichende Beweislage. Mit mehreren Frauen einigte sich der Musiker außergerichtlich.
„Wien, I fucking love you!“
Nach Jahren abseits der großen Bühnen meldete sich Manson Ende 2024 mit dem Album „One Assassination Under God – Chapter 1“ zurück. In Wien präsentierte er neue Songs ebenso wie seine größten Klassiker. Den wohl provokantesten Satz des Abends lieferte er selbst: „Wer ist heute hier, um high zu werden? Heute bin ich eure Droge!“, rief er dem Publikum entgegen, bevor er „The Dope Show“ anstimmte. Immer wieder suchte Manson den Kontakt zu seinen Fans und rief: „Wien, I fucking love you!“
Alte Hits retten den Abend
Musikalisch setzte Manson vor allem auf seine größten Erfolge aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Mit Klassikern wie „Disposable Teens“, „The Dope Show“, „Sweet Dreams“ und „The Beautiful People“ brachte er die Fans zum Mitsingen. Optisch blieb er seinem Schock-Rock-Look mit weiß geschminktem Gesicht, schwarzem Kajal und Lederoutfit treu, auf die großen Skandal-Inszenierungen früherer Jahre verzichtete er jedoch weitgehend.
Die Kritiken fielen gemischt aus. Während Band und Sound überzeugten, wirkte die erste Hälfte des Konzerts stellenweise eintönig. Erst mit den großen Hits sprang der Funke endgültig auf das Publikum über. Mit „Exit Wound“ gab Manson außerdem einen Vorgeschmack auf sein neues Album „One Assassination Under God – Chapter 2“, das Mitte August erscheint.
Vielleicht aus der Zeit gefallen
Insgesamt hinterließ der einstige Schock-Rocker bei vielen jüngeren, aber auch älteren Besuchern den Eindruck, ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein. Ob es die Jahre waren, in denen Manson vor allem wegen der Vorwürfe und der juristischen Auseinandersetzungen Schlagzeilen machte, oder ob der 57-Jährige seiner Kunstfigur schlicht entwachsen ist, lässt sich schwer sagen. Wirklich „schockierend“ wirkt Marilyn Manson heute nicht mehr.
Vielleicht liegt das aber auch an der Zeit selbst. Die gesellschaftlichen Debatten haben sich verändert, Tabus sind andere geworden als zur Jahrtausendwende. Was damals provozierte, wirkt heute oft eher nostalgisch als verstörend. Für den echten Gruselrock-Kick braucht es im Jahr 2026 womöglich einfach mehr.

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