Der Auftritt war ursprünglich für den 7. Juni geplant. Eingeladen worden war Thiel vom Intendanten der Wiener Festwochen, Milo Rau. Unter dem Titel „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik“ sollte der Unternehmer über seine politischen und gesellschaftlichen Ansichten diskutieren. Doch bereits im Vorfeld sorgte die Einladung für heftige Reaktionen. Mehrere Künstler kündigten an, ihre Teilnahme an den Festwochen zurückzuziehen. Laut Festivalleitung erreichten die Absagen schließlich ein Ausmaß, das die Durchführung der Veranstaltung unmöglich machte.
Veranstalter ziehen die Reißleine
In einer Stellungnahme erklärten die Festwochen, die Absagen hätten das Festival „in einem untragbaren Umfang“ geschwächt. Deshalb habe sich die Geschäftsführung dazu entschlossen, die Diskussion mit Thiel abzusagen. Neben den Künstlerprotesten habe auch die öffentliche Kritik zuletzt deutlich zugenommen.
Wiens Kulturstadträtin äußerte Bedenken
Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler hatte sich kritisch zur Einladung geäußert. Die geplante Veranstaltung führe „durchaus berechtigt zu großem Unmut in der Bevölkerung“, erklärte sie im Vorfeld. Die Wiener Festwochen werden maßgeblich von der Stadt Wien finanziert.
Umstrittener Investor
Peter Thiel gilt als eine der einflussreichsten Figuren der internationalen Tech-Branche. Der gebürtige Deutsche ist Mitgründer von PayPal und Verwaltungsratschef von Palantir Technologies. Bekannt ist Thiel aber nicht nur für seine wirtschaftlichen Erfolge, sondern auch für seine libertären und konservativen politischen Positionen. Zudem wird ihm eine enge Nähe zu Donald Trump nachgesagt. In den vergangenen Monaten sorgten insbesondere Berichte über seine religiösen und teilweise apokalyptischen Weltanschauungen für Diskussionen.
Besucher sahen auch eine Chance zur Debatte
Die Absage stößt allerdings nicht überall auf Zustimmung. Bei einem öffentlichen Forum, das Milo Rau organisiert hatte, sprachen sich zahlreiche Besucher dafür aus, die Veranstaltung stattfinden zu lassen. Sie argumentierten, dass eine öffentliche Diskussion die Möglichkeit geboten hätte, Thiel kritisch zu befragen und seine Positionen direkt mit Gegenargumenten zu konfrontieren. Mit der Absage endet nun eine der umstrittensten Debatten rund um die diesjährigen Wiener Festwochen.

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