Kabarettist, Musiker und Maler Alf Poier nutzte die Eröffnung seiner Ausstellung in der Wiener Galerie Kaiblinger, um mit dem heutigen Song Contest hart ins Gericht zu gehen.
Vernissage mitten im ESC-Fieber
Die Ausstellung kommt nicht zufällig genau in der heißen Phase des Eurovision Song Contests. Wie die APA berichtete, wurde die Vernissage unter dem Titel „Cosmó hat den Tanzschein, Poier hat den Kunstschein“ eröffnet. Gezeigt werden neben Bühnenwerken aus seinen Kabarettprogrammen auch neue „Cancel Culture Bilder“, mit denen sich Poier laut Ankündigung kritisch mit der Gegenwart auseinandersetzt.
Der vielseitige Künstler, der Österreich 2003 mit „Weil der Mensch zählt“ vertreten hatte und damals einen beachtlichen sechsten Platz erreichte, sieht den Wettbewerb heute allerdings äußerst skeptisch.
„Ohne Bühne bleibt nichts übrig“
Im Gespräch mit der Kronen Zeitung teilte Poier kräftig gegen den modernen ESC aus. Vor allem die Entwicklung der Musik selbst stößt ihm übel auf. Früher habe es noch echte Hymnen gegeben, an die sich jeder erinnern konnte, meinte der Steirer und verwies auf Klassiker wie Toto Cutugnos „Insieme“.
Heute sei davon kaum noch etwas übrig geblieben. Wenn man den Acts Lichtshow und große Bühne wegnehme, „bleibt nix mehr von ihnen übrig“, kritisierte Poier. Eingängige Refrains oder Songs mit Wiedererkennungswert vermisse er zunehmend.
Harte Kritik an Politik und Lobbys
Besonders deutlich wurde der ehemalige ESC-Star bei seiner Einschätzung der gesamten Veranstaltung. Für ihn sei der Bewerb mittlerweile „ein einziges Politikum“, das komplett von Lobbys vereinnahmt worden sei. Genau deshalb hätten sich viele Menschen inzwischen vom Song Contest abgewendet, erklärte Poier.
Auch Österreichs diesjährigen Kandidaten Cosmó sieht der Künstler kritisch. Zwar werde der Sänger derzeit stark gefeiert, doch Poier befürchtet, dass der Hype schnell wieder vorbei sein könnte. Den Wettquoten zufolge gilt Österreich heuer ohnehin nicht als Favorit.
Finale schaut er trotzdem
Ganz entziehen wird sich Poier dem ESC dennoch nicht. Das Finale am 16. Mai will er sich ansehen — allerdings unter besonderen Bedingungen. Er werde bei einer Party mit anderen ehemaligen Teilnehmern in einem Penthouse im ersten Bezirk dabei sein, verriet er. Der entscheidende Vorteil daran: Er könne jederzeit wieder gehen.

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