Im aktuellen Kader der deutschen Nationalmannschaft stehen zwei Spieler, die aus ihrem Glauben keinen Hehl machen: Antonio Rüdiger, strenggläubiger Muslim, und Felix Nmecha, tiefgläubiger Christ. Beide haben mit ihren religiös geprägten Meinungsäußerungen schon für Ärger gesorgt, vor allem bei der Regenbogen-Bubble. Über die Weigerung, ein Zeichen für die queere Community zu setzen, schreibt das Fußball-Magazin 11 Freunde: „Das religiöse Gewissen meldet sich verlässlich immer nur dann, wenn es um ein bisschen Solidarität etwa mit homosexuellen Menschen geht.“

Doch zwischen den beiden Nationalspielern gibt es einen Unterschied: Nmechas evangelikaler Glaube gilt vor allem Linken als problematisch, während es bei Antonio Rüdigers Islamistenfinger und seiner Kopf-ab-Geste nur ein Shitstörmchen gab. Im Champions-League-Achtelfinale hatte er 2025 Fans mit einer „Kopf-ab“-Geste provoziert.

Nmecha wiederum gehört einer wachsenden Schar von Fußballprofis an, die ihren christlichen Glauben öffentlich zeigen und, etwa auf dem Rasen kniend, beten, sich bekreuzigen oder gar mit einer Bibel daherkommen. Ex-Bayern-Star David Alaba bekennt sich zur protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, und der Brasilianer Neymar gilt als Neo-Evangelikaler: Mehrmals trug er ein Stirnband mit der Aufschrift „100 % Jesus“.

2023 sah sich Felix Nmecha mit dem Vorwurf konfrontiert, homophob zu sein: Auf Instagram teilte er einen Post, in dem die Queer-Bewegung mit dem Teufel verglichen wurde.

Felix Nmecha, geboren in Hamburg, deutsche Mutter, nigerianischer Vater, ist seit seiner Jugend bekennender Christ. Viele seiner Instagram-Posts sind mit einem Dank an Jesus versehen. Als Sechsjähriger wanderte er mit seiner Familie 2007 nach England aus, er besitzt beide Staatsbürgerschaften. Der 25-Jährige spielte für Englands U16, U18 und U19 und für Deutschlands U18 und U21, ehe er sich schließlich für das DFB-Team entschied. Auch sein großer Bruder Lukas ist Fußballprofi.

„Ein ganz normaler Junge“

Der BVB zahlte vor drei Jahren 30 Millionen Euro, um den Mittelfeldspieler aus Wolfsburg nach Dortmund zu holen. Doch vor dem Wechsel musste BVB-Boss Aki Watzke gegenüber der Süddeutschen Zeitung offenbar versichern: „Das ist ein ganz normaler Junge, ein normaler junger Fußballer.“ Dem Spieler sei klargemacht worden, dass er innerhalb des Vereins nicht missionarisch tätig werden könne.

Seit 2023 spielt Nmecha für die Nationalmannschaft, jetzt steht er im deutschen WM-Kader. „Er hat unfassbar beeindruckende physische Voraussetzungen, ist brutal schnell, groß, superbeweglich, einer der wenigen Mittelfeldspieler, die im Stand einen Spagat nach oben machen können“, schwärmt Bundestrainer Julian Nagelsmann im Interview mit dem Kicker. Im März hat der 1,90-Meter-Mann zudem seinen Vertrag in Dortmund bis 2030 verlängert. Sportlich läuft’s.

Doch seine Posts sorgen immer wieder für Ärger: 2023 hatte Nmecha ein Video des konservativen Influencers Matt Walsh geteilt, in dem der Vater eines Trans-Kindes hart kritisiert wurde. Darunter schrieb Nmecha. „Wenn wir nicht sehen, was daran falsch ist …“ Es hagelte Kritik, Nmecha musste klären.

„Allahu Akbar“ geht, „Amen“ aber nicht?

Auch, wenn es in diesem Jahr keinen One-Love-Armbinden-Skandal bei der WM geben soll, scheint der Meinungstunnel noch enger zu sein, als der Spielertunnel. Laut Spiegel soll Nmecha seine Social-Media-Beiträge mit seinem Arbeitgeber absprechen.

Doch es scheint, als lasse er sich nicht den Mund verbieten: Nmechas eigener Podcast „The Pursuit“ startete Anfang Mai. Mit dem ersten Gast, Fußballprofi John Bostock, spricht er (auf Englisch) über Identität und Glaube. Bostock wiederum betreibt den christlichen Instagram-Kanal @ballersingod mit 741.000 Followern. Ein Ableger zeigt Spielerfrauen der anderen Art: Frauen, die mit ihren Partnern beten, die Muttertags-Glückwünsche empfangen und Schwangerschaften verkünden.

Nach der Regenbogen-Aufregung der letzten WM ist es vermutlich gut, wenn sich die Religion nur im Himmel abspielt, und nicht auf dem Rasen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf unserem Partner-Portal NiUS.