Für viele Menschen ist Essen weit mehr als reine Nahrungsaufnahme. Manche beschäftigen sich immer wieder mit der Frage, was sie als Nächstes essen könnten, obwohl sie eigentlich keinen Hunger haben. Für diese anhaltenden Essensgedanken hat sich der Begriff „Food Noise“ etabliert. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine medizinische Diagnose, sondern um ein Phänomen, das den Alltag belasten kann.

Wie die Apotheken Umschau berichtet, ist „Food Noise“ aus ernährungspsychologischer Sicht kein neues Phänomen. Prof. Dr. Ulrike Gisch verweist auf das seit Langem bekannte Konzept der „Food Cue Reactivity“. Es beschreibt, wie unterschiedlich Menschen auf Lebensmittelreize reagieren. „Food Noise“ könne als verstärkte Form dieses Phänomens verstanden werden. Eine eigenständige Diagnose sei der Begriff jedoch nicht.

Viele Faktoren spielen zusammen

Warum manche Menschen häufiger unter „Food Noise“ leiden als andere, lässt sich nicht mit einer einzelnen Ursache erklären. Ernährungswissenschaftlerin Melanie Dell’Oro, Coach für ganzheitliche Frauengesundheit, erklärt gegenüber Women’s Health, dass biologische, psychologische und äußere Einflüsse zusammenwirken können. Dazu zählen unter anderem Stress, Schlafmangel und eine Umgebung, in der Lebensmittel ständig präsent sind. Auch Konzepte wie emotionales Essen, Stressessen und hedonischer Hunger könnten dabei eine Erklärung liefern.

Nach Einschätzung der Expertin können auch sehr strenge Diäten oder Ernährungsregeln den Fokus auf Essen verstärken. Wer sich bestimmte Lebensmittel dauerhaft verbietet oder regelmäßig Mahlzeiten auslässt, beschäftigt sich häufig noch intensiver damit.

Dell’Oro empfiehlt deshalb eine ausreichende Energiezufuhr und regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten. Ausreichend Eiweiß, ballaststoffreiche Kohlenhydrate und hochwertige Fette können das Sättigungsgefühl fördern. Ebenso wichtig seien ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress. Bei Frauen könne außerdem der Menstruationszyklus Appetit und Heißhunger beeinflussen.