Es folgen dann „gute Nachrichten“, denn das moderne Infotainment ist augenzwinkernd und ironisch: Benzin, so Kebekus, sei so teuer, dass Laufen sich wieder lohne – „viele Frauen sehnen sich jetzt doch wieder nach dem Prinz auf dem Pferd. Aber nicht wegen dem Prinz, sondern wegen dem Pferd“. Männer unter 45 bräuchten Bundeswehr-Genehmigung, um länger das Land zu verlassen („weniger nervige Dubai-Influencer“). Und Heidi Klum habe einen neuen Hund.

Was als launiger Einstieg in die neue Staffel der „Carolin Kebekus Show“ gedacht ist, entpuppt sich rasch als symptomatisch für das gesamte Unterfangen. Die Sendung reiht sich ein in den sehr aktuellen Topos der „Wut“ – jenen Affekt, der derzeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Konjunktur hat wie selten zuvor. „Wir müssen wütender sein“, lautet die Parole, und im Nachgang der inszenierten Collien-Fernandes-Christian-Ulmen-Affäre zeigt sich der gebührenfinanzierte Rundfunk von seiner wütenden Seite. Nicht die beste, aber eine, die folgt: Die Scham müsse die Seite wechseln, Frauen sollten endlich laut und zornig sein, Männer willfährig und unterwürfig, „digitale Gewalt“ sei das alles erklärende Meta-Problem. Caren Miosga, Anne Will, Anja Reschke und Sarah Bosetti griffen auf ihre Weise das Thema auf. Wütende Frauen? Nun folgt Carolin Kebekus.

Dabei will die Sendung die Dynamiken von feministischen Empörungsritualen nachzeichnen: Es beginnt mit einem mutmaßlichen Übergriff und einer Frau, die sich, selbstverständlich als „mutig“ etikettiert, zu Wort meldet. Sofort spaltet sich die Öffentlichkeit in zwei Lager. Das eine sieht im Täter vor allem das Opfer einer Kampagne und gibt der Frau die Schuld. „Dieses Team macht mich sehr, sehr wütend“, sagt Carolin Kebekus, ohne sich zu fragen, was denn die Gründe für eine solche Vorwurfshaltung sein könnten. Das andere Team, so Kebekus, fragt, warum eine Frau für ihre Aussage mit Schmähungen und Drohungen büßen soll. „Ich bin in diesem Team.“ Aus der Debatte wird Bewegung, Tausende ziehen auf die Straße. Prompt setzt die Gegenbewegung ein, verfasst irre Überschriften und formuliert absurde Thesen – alles mit dem Ziel, Männer von ihrer Schuld freizusprechen. Auch Kanzler Friedrich Merz reiht sich ein, indem er die Sexismus-Debatte kurzerhand zur Migrationsdebatte umdeutet. „Damit wird er zum Komplizen der Gegenbewegung.“ Und am Ende beherrschen ein Wal und ein Wolf die Schlagzeilen, während der gesellschaftliche Notstand im Alltagsrauschen versickert.

Zahnlosigkeit und Konformität als Wesensmerkmale

Mit Humor ist es bekanntlich so eine Sache. Der eine lacht über Borat, der andere über David Chappelle, wieder andere über Jan Böhmermann oder „Ups! Die Pannenshow“. Was Kebekus hier jedoch in der ARD fabriziert, gleicht einem Verkehrsunfall auf der Überholspur der Political Correctness: vorhersehbar, zahnlos und so bemüht „progressiv“, dass es wehtut. Dabei beginnt Benachteiligung schon im Kleinkindalter: „Wir fangen quasi super früh schon an, Frauen ihre Wut abzutrainieren“, weil sie hysterisch und zickig seien. „Die nimmt dann keiner ernst.“ Später fragt sie Lady Bitch Ray allen Ernstes: „Wie geht’s der Möse? Ist da noch viel Wut drin?“ Und als Höhepunkt performen Ebow und Mariybu eine „Hymne auf die Wut“, in der tägliche Männergewalt besungen und dem Patriarchat der Kampf angesagt wird. Dazu der Running Gag: „Vater Staat kann Scheide lecken“ – ein vermeintlich radikaler Befreiungsschlag, der sich anhört wie ein besonders lauter Instagram-Post aus dem Jahr 2018.

Natürlich ist diese Sicht realitätsfremd, denn sie verkennt die Mobilisierungspotentiale und noch immer vorhandenen Gate-Keeper bei Spiegel und ARD. Sie ist auch realitätsfremd, weil sie ein Scheinproblem zum gesellschaftlichen Notstand aufbläst, während sie das größere Problem (Gewalt gegen Frauen durch unkontrollierte Zuwanderung) ausklammert. Schlimmer noch aber als dieser Hokuspokus: Die Pointen sitzen nicht, die Energie wirkt forciert, der ganze Auftritt riecht nach dem wohlfeilen Applaus der richtigen Seite. Die All-Female-Band – eine Gitarristin in Lederjacke mit feuerrotem Haar, Keyboarderin im Pink-Look, Bassistin und Drummerin –, die den Abend eröffnet und zwischen den Nummern einheizt, wirkt wie ein besonders bemühtes Statement: Seht her, wir können auch Rock, und hier spielen Frauen. Es ist weniger empowering als peinlich berührend.

Im Geist von „Fodseunser“

Passend dazu hat sich Kebekus wütende Mitstreiterinnen eingeladen: Lady Bitch Ray alias Dr. Bitch Ray, die für ihre explizit-provokanten Texte bekannt ist, Ebow, die Lieblingsliedermacherin der progressiven Linken, die jede wahrgenommene Ungerechtigkeit zum Song macht, sowie Mariybu, die bekannt geworden ist mit Instagram-Clips, in denen sie sich freiwillig und selbstbestimmt als Sexobjekt darstellt, sowie dem Lied „Fodseunser“ – eine Abwandlung des „Vater Unser“. Gemeinsam performen sie einen „wütenden Song“, der den Unterdrückungsmechanismus weiblicher Rage thematisiert. Die Figuren wirken wie hölzerne Sprechpuppen eines vorgefertigten Drehbuchs: antiintellektuell in ihrer Eindimensionalität, Gewalt gegen Frauen als strikte Einbahnstraße bewertend, maximal konform und uniformiert.

Am Ende verfestigt sich der Eindruck, dass diese ganze Sendung ein bloßer Akt von Gratismut auf bemerkenswert flachem Niveau ist. „Wir sind proud, Brüste raus. Vater Staat kann Scheide lecken“, heißt es am Ende. Die Show wird als kühner Befreiungsschlag zelebriert, gleicht aber in Wirklichkeit pubertärem Gebell in der eigenen Echokammer. Damit mag man Schulterklopfer innerhalb des Grimme-Instituts, des Deutschen Journalistenverbands und re:publica-Speakern ernten, normale Menschen empfinden das aber als a) befremdlich, und b) unlustig. Wenig überraschend floppte Kebekus’ ordinäre „Wut“: Beim Gesamtpublikum holte die Sendung nur 8,3 Prozent Marktanteil, bei den 14- bis 49-Jährigen mickrige 5,1 Prozent.