Die ersten Bilder wirken vertraut: Ein Planwagen zieht durch weite, grüne Landschaften, Vater Charles Ingalls und seine Frau Caroline blicken verliebt aufeinander, die Familie ist unterwegs in eine neue Zukunft.

Doch die Idylle hält nicht lange. Der Weg durch die Wildnis ist voller Gefahren. Beim Überqueren eines Flusses verschätzt sich Charles, der Wagen bleibt stecken, Gepäck geht verloren – und auch Familienhund Jack verschwindet.

Schon früh zeigt die Neuauflage: Das Leben als Pionier war kein romantischer Ausflug, sondern ein täglicher Kampf ums Überleben.

Kultserie mit wokem Blickwinkel?

Viele Zuschauer kennen „Unsere kleine Farm“ noch aus den 1970er-Jahren mit Michael Landon als Charles Ingalls. Die Serie wurde damals zum weltweiten Erfolg und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil der Fernsehgeschichte.

Während der Pandemie erlebte die alte Serie ein überraschendes Comeback. Vielleicht ein Grund, warum Netflix den Stoff erneut aufgreift.

Doch die Neuauflage kommt nicht zufällig in eine Zeit, in der Themen wie Selbstversorgung, Landleben und traditionelle Familienbilder wieder stark diskutiert werden, bercihtet der Kurier.

Zwischen Tradwives, Nostalgie und politischer Debatte

Für viele konservative Zuschauer gilt „Unsere kleine Farm“ als Symbol einer vergangenen, vermeintlich einfacheren Zeit. Gerade deshalb löste die Ankündigung des Remakes bereits im Vorfeld Diskussionen aus.

Die US-Journalistin und Trump-Unterstützerin Megyn Kelly warnte etwa vor einer möglichen „Wokeifizierung“ der beliebten Geschichten.

Doch auch die ursprüngliche Serie war bereits eine Bearbeitung ihrer Vorlage. Die autobiografischen Bücher von Laura Ingalls Wilder, auf denen die Geschichte basiert, wurden aus heutiger Sicht wegen problematischer Darstellungen von Ureinwohnern und anderen Gruppen kritisch bewertet. Die Netflix-Version versucht deshalb, die historische Welt der Ingalls-Familie breiter zu erzählen. Ein wichtiger Punkt ist dabei der Umgang mit den indigenen Bewohnern Amerikas.

Charles Ingalls baut seine Farm auf dem Gebiet der Osage und möchte dennoch ein gutes Verhältnis zu ihnen aufbauen. Die Serie greift damit Themen auf, die in früheren Versionen kaum eine Rolle spielten.

Dabei entstehen allerdings auch ungewöhnliche Momente: Wenn die kleine Laura mit einem auffallend modernen Sprachgebrauch über eine „indigene Puppe“ spricht, wirkt die Mischung aus historischem Setting und heutiger Sensibilität manchmal ungewohnt.

Pünktlich zum Amerika-Jubiläum

Die Neuauflage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die USA verstärkt über ihre eigene Geschichte diskutieren. Neben Familienleben und Pioniergeist geht es auch um die Schattenseiten der Besiedlung: falsche Versprechen, schwierige Lebensbedingungen und Konflikte um Land.

Auch das Wachstum neuer Städte und die Hoffnungen der Siedler spielen eine größere Rolle. Manche Szenen erinnern dabei an klassische Western- und Familiendramen wie Dr. Quinn – Ärztin aus Leidenschaft.

Ob die neue „Unsere kleine Farm“ die alten Fans überzeugt, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Die Serie will nicht nur Nostalgie bedienen, sondern eine bekannte Geschichte aus heutiger Perspektive neu erzählen.

Zwischen Planwagenromantik, gesellschaftlicher Debatte und historischen Konflikten versucht Netflix, aus einem alten Klassiker eine Geschichte für die Gegenwart zu machen.