In der letzten Woche war ich mit meinen Studenten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Dort trafen wir alle relevanten Institutionen und Politiker und wurden immer freundlich, interessiert und voller Aufgeschlossenheit empfangen. Die Menschen in Ostbelgien, hier wohnen etwa 80.000 Personen, sind stolz auf diesen kleinen Landstrich. Sie sind stolz auf ihre Geschichte, ihre Identität, ihre Sprache, ihre Kultur, ihr öffentliches Vereins- und Sportleben. Sie sind eine lebendige und doch zukunftsorientierte Gemeinschaft. Etwa so stellen wir Ungarn uns das Leben in Deutschland vor – geordnet, sauber, akkurat, friedlich, zugewandt und auch selbstbewusst. Die öffentlichen Dienstleistungen funktionieren hervorragend, alles ist pünktlich und berechenbar, das Leben geht seinen gewohnten und sicheren Gang.
Deutschlands Bahn-Desaster – und wie Polen und Ungarn es besser machen
Doch dann musste ich nach Berlin. Bereits am Hauptbahnhof Aachen im Zug nach Berlin sitzend, wurde den Reisenden mitgeteilt, dass der Zugführer nicht komme, einfach nicht bei der Arbeit erschienen sei, daher der Zug ausfallen müsse. Einen Ersatzzug gab es nicht. Andere Umsteigeverbindungen nach Berlin sollte man besser nicht nehmen, da die Umsteigebahnhöfe entweder entfallen, nicht angesteuert werden oder keine Anschlussmöglichkeit mehr liefern. Also wartete ich auf den in zwei Stunden kommenden nächsten Direktzug, auch ein ICE. Findige Bahnreisende hatten den Zugführer in einem nahegelegenen Hotel ausgemacht, daher war Hoffnung angesagt. Dieser Zug war jedoch aus erwartbaren Gründen hoffnungslos überfüllt, dazu noch exorbitant verspätet. Das System wirbelte zu allem Überdruss auch noch die bestehenden Sitzplatzreservierungen zusammen, die Reisenden lagen sich in den Haaren. Die Klimaanlage ging nicht, das Internet stockte, das Mobilfunknetz war lückenhaft. Mit meinen telefonischen Gesprächspartnern konnten nur abgeschnittene Staccato-Telefonate geführt werden. Also harrte ich bei 40 Grad Innentemperatur, hungrig und durstig meiner Bestimmungsstation. Auf meinen naiven Einwand, in Deutschland sei doch alles aufgeräumt, perfekt und gut geordnet, lächelten die Mitreisenden nur müde.
In Berlin mit mehr als vier Stunden Verspätung angekommen konnte ich kaum mehr die Termine wahrnehmen, deretwegen ich in die deutsche Kapitale eilte. Also kam ich zum Programm mit Verspätung, hatte kaum noch etwas von dem, was ich plante. Mein Tag verging zu zehn Stunden mit Reisen, Herumstehen, Schwitzen. Teils fuhren die Bahnen nicht, doch unglaublich: In Berlin, der Hauptstadt einer so undeutschen Unordnung, hatte man besseres zu tun: Ein Cannabis-Festival wurde beworben. Bereits in Aachen sah ich das Grün einer Verkehrsampel mit den Umrissen einer Hanfpflanze. Kann das wirklich wahr sein?
Meine Abfahrt aus Berlin verlief über Polen. Unglaublich, aber die Maschinen der polnischen Luftfahrtgesellschaft LOT sind sauber, geordnet, pünktlich. Das Personal ist professionell und freundlich, sogar auf dem Kurzflug gab es Tee, Kaffee und Kuchen. Der Flughafen Warschau ist ein Traum, kein Chaos, kein Stress, keine gestrandeten, hoffnungslosen Passagiere. Ich las frische polnische Zeitungen und freute mich für die Polen. Am Samstag kam ich dann in Budapest an, es sind 40 Grad, doch ähnlich wie in Warschau lief am Flughafen Budapest alles glatt. Überglücklich, es geschafft zu haben, fuhr ich gleich an den Balaton. Jetzt muss ich aber am Dienstag erneut nach Berlin. Drücken Sie mir die Daumen, dass alles gut klappt!

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