Nach den ungarischen Parlamentswahlen am 12. April 2026 mit dem haushohen Sieg von Péter Magyar wurde von vielen Menschen in den deutschsprachigen Ländern die Frage gestellt, ob sich Ungarn als Urlaubs-, Zweitdomizil- oder Auswanderungsland ändern würde. Dabei schwanken die Vorstellungen auf einer großen Bandbreite. Nach Ansicht von einigen würde Ungarn seine komparatiblen Vorteile verlieren und schwere Problem bekommen wie die westeuropäischen Gesellschaften, etwa bei Migrations- und Genderfragen oder der Kriminalität. Nach wiederum anderer Auffassung würde sich auch in der Politik gar nichts ändern, denn der neue Premier sei ein Konservativer und quasi eine Wiederkehr von Viktor Orbán.
Ich kann Sie beruhigen: Keine der beiden Interpretationen ist stichhaltig und die Wahrheit liegt – wie so oft – in der Mitte. Politisch hat sich zwar ein Erdbeben abgespielt, das die Tisza-Partei von Péter Magyar mit einer parlamentarischen Zweidrittelmehrheit an die Macht spülte. Der neue Ministerpräsident war lange ein Parteigänger von Viktor Orbán, doch eine Kopie ist er bestimmt nicht. Er hat sehr bestimmte Vorstellungen vom Leben in Ungarn und diese variieren auf einer großen Skala von „nichts ändern“ bis „alles ändern.“ In den als wichtig erachteten Schlüsselbereichen – Korruption, Kommunikation, Europapolitik – wird es einen abrupten Wechsel zur Regierungsführung von Orbán geben, doch in wiederum anderen Kernfeldern wie der Migration, der Gesellschaftspolitik, der Energie-, Steuer- und Wirtschaftspolitik oder der Inneren Sicherheit sind keine großen Abweichungen zu vernehmen. Man weiß, was man hat.
Ungarn bleibt ein sicheres Land
Ungarn wird sicher kein wokes Land der Identitätspolitik, doch auch die markante Politik von Orbán wird nicht zur Gänze fortgesetzt. Eher wird Magyar versucht sein, Feinjustierungen vorzunehmen, bei denen die Wähler ganz bewusst ein anderes Politikmodell gewählt haben. Dies ist aber mit innenpolitischen Kämpfen verbunden wie in Polen. Auch dort seit 2023 weder alles beim Alten geblieben noch ist die Welt zusammengebrochen. Sofern sich die Vorwürfe der Vetternwirtschaft erhärten, ist es richtig, auch gegen vormalige Amtsträger vorzugehen. Jedoch sollte nicht der Eindruck entstehen, eine Schnitzeljagd auf ehemalige Funktionsträger nur wegen deren Politik zu veranstalten. Der ungarische Rechtsstaat ist und bleibt solide: Polizei und Staatsanwaltschaft sind parteipolitisch neutral – wie unter Orbán, so auch unter Magyar.
Was bedeutet dies für Urlauber, Auswanderer und alle, die sich ein Zweitdomizil suchen? Erstmal überhaupt nichts. Sie können als Ausländer entspannt auf die innenpolitischen Auseinandersetzungen blicken und sich beruhigt zurücklehnen: Ungarn bleibt ein sicheres und friedliches Land. Es bleibt ein Land, in der Kultur und Tradition hochgehalten werden. Ungarn lebt seine ungarische und europäische Identität Tag für Tag. Vielen Ungarn sind Familie und Heimat nach wie vor ein hohes Gut. Das Stadt- und Dorfbild ist gepflegt, die Integration vieler gesellschaftlicher Gruppen gut gelungen. Die Menschen arbeiten und wollen Werte schaffen. Es gibt eine familien,- arbeits- und wertebasierte Gesellschaft. Die niedrigen Steuern, die günstige Energieversorgung und das gute Internet bleiben bestehen. Doch auch wenig in Daten fassbare Werte sind relevant: Gutes Klima, herzhaftes Essen, köstliche Weine, hervorragende Bäder und Thermen laden ein, nicht nur als Urlauber, doch dauerhaft in das Land der Magyaren zu ziehen.

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