Die Stadt der Blinden ist ein niederschmetternder Roman des portugiesischen Literatur-Nobelpreisträgers José Saramago. Der Inhalt kurz erzählt: In einer Stadt verfallen die Bewohner nach und nach der Blindheit. Das gesamte Gemeinwesen versinkt im Chaos. Der dünne Firnis der Zivilisation bricht auf. Die Menschen verwandeln sich in Tiere und eine Orgie der Gewalt beginnt. Am Ende verschwindet die Blindheit wie ein Spuk. Offen bleibt die Frage, ob die Menschen aus dieser Katastrophe gelernt haben oder ob alles weitergehen wird, wie es immer war.
Menschen lernen nicht aus ihren Erfahrungen. Nach kurzer Zeit brechen wieder der gewissenlose Egoismus und das unstillbare Verlangen nach Macht und Herrschaft durch. Vom Neid getrieben, versucht der eine dem anderen die kleinste Alltagsbeute abzujagen. Alle sind damit beschäftigt, alles, was möglich ist, an sich zu raffen und blähen sich wie Kugelfische auf, um größer und erfolgreicher zu erscheinen als sie tatsächlich sind. Lustmaximierung um jeden Preis und egal wodurch lautet das Motto. Alexander VII. ließ die Huren Roms nackt ausziehen und dann Goldmünzen unter sie werfen, um vom Balkon seines Hauses aus das enthemmte Toben einer von der blanken Gier entmenschlichten Meute lustvoll beobachten zu können. Er war Papst der römisch-katholischen Kirche. Wichtig ist es, zu siegen und zu protzen, ob im Beruf, im Sport, in der Politik oder in der Armenfürsorge. Selbst die moralische Tat, und sei sie religiös motiviert, wird am Ende nur getan, um das persönliche Ego zu befriedigen.
Erst nach der Politik zeigt sich der Charakter des Politikers
Die Menschen der Postmoderne sind Gefangene des äußeren Scheins. Was zählt, ist die Warenästhetik. Was gut aussieht, heimst die Erfolge ein. Innere Werte und Haltungen sind irrelevant. Das größte Ansehen und den höchsten Respekt genießt die Kunst der Schauspielerei. Die Possenreißer regieren die Welt und sie wechseln ihre Rollen, wie es ihnen gerade nützlich ist. Nach der Politik haben die meisten Politiker ihr Geltungsbedürfnis befriedigt. Anstelle der Lust am Applaus tritt die materielle Gier. Nun geht es um Reichtum, Völlerei, ostentativen Kulturkonsum und demonstrativen Luxus. Keine Flasche Wein unter 500 Euro, kein Anzug oder Abendkleid unter 10.000 Euro, keine Uhr unter 20.000 Euro und kein Auto unter 200.000 Euro dürfen es dann sein. Jetzt wird schamlos offengelegt, worum es in der Politik eigentlich geht. Um Kontakte zur Kultur- und Wirtschaftselite, um persönliche Bereicherung und um einen extravaganten Lebensstil. Besonders anfällig für den radikalen Rollentausch vom Klassenkämpfer zum Bourgeois sind linke Politiker und Gewerkschafter. Die einen dienen sich zu Beratern der Superreichen hoch und die anderen lassen sich vom Kapital kaufen und werden Personalchefs. In Unternehmerkreisen erzählt man sich belustigt, dass es keinen erbarmungsloseren und härteren Personalmanager gibt als den ehemaligen Gewerkschafter. Für die Kriecherei und die Selbsterniedrigung, die sie während ihres Aufstiegs im Gewerkschaftsapparat ertragen mussten, müssen nun die kleinen Arbeiter und Angestellten büßen. Ihnen zieht man die Zügel an, wie einem selbst die Zügel vom ÖGB-Präsidenten angezogen wurden.
Die moralische Blindheit des Beraterbusiness
Im Saramagos Buch verlieren die Menschen die Fähigkeit, die Außenwelt wahrzunehmen, bei den postmoralischen Eliten erblindet die Innenschau. Ehemalige rote Bundeskanzler, die sich im Beraterbusiness verdingen oder, vielleicht besser gesagt, verdinglichen, verlieren den Blickkontakt zu ihrem inneren Ich. Dadurch entgeht ihnen, dass dieses moralisch total verrottet ist. Sie verhalten sich wie verkommene PR-Berater oder Börsenspekulanten und finden nichts dabei. Man berät Politiker, wie man am besten das Volk betrügt und Investoren, wie sie an öffentliche Gelder herankommen, um ihre Immobilien-Pyramidenspiele weiter auf die Spitze treiben zu können. Was für Ex-Politiker, die in die sogenannte Privatwirtschaft gewechselt sind, alleine zählt, sind die Bedürfnisse ihrer neuen Herrn, die Interessen des Proletariats, das sie einst in Marx-Lesekreisen emphatisch gewürdigt haben, werden ins Unbewusste abgedrängt und dort für immer beerdigt.
Wenn Politiker den hochdotierten Beraterjob oder einen Spitzenjob in der Wirtschaft ergattert haben, macht sich in ihnen das dringende Bedürfnis breit, ihre Vergangenheit abzuspalten und zu vergessen. Vor allem soziale Aufsteiger neigen dazu, ihr niedriges Herkunftsmilieu als Pöbel wahrzunehmen. Alleine durch die Existenz des Pöbels, der sie an ihre eigene unwürdige Vergangenheit erinnert, fühlen sie sich herausgefordert und bedroht. Sie wollen den Pöbel nun dafür bestrafen, dass er sie daran erinnert, aus welcher niedrigen Brut sie selbst abstammen. Die Strafen, die sie über ihre Herkunftsmilieus kommen lassen, sind mannigfaltig. Der in den Personalchef verwandelte Betriebsratskaiser steigert die Arbeitsnormen und erhöht den Kontrolldruck, der zum Kulturminister aufgestiegene Provinzpolitiker engagiert die Performance-Künstlerin Florentina Holzinger, um seinen Sinn für die Avantgarde zu demonstrieren und gleichzeitig bei seinem Herkunftsmilieu für Abscheu und Übelkeit zu sorgen und eine aus dem Tiroler Kleinhäusler-Milieu stammende grüne Klubobfrau begünstigt die Flutung des Landes mit kulturfremden Flüchtlingen, um ihre katholischen Jugendfreunde für ihren Patriotismus und ihren Anti-Islamismus zu bestrafen. Am Ende geht es allen dreien darum, die Angehörigen ihres Herkunftsmilieus dafür zu peinigen, dass sie selbst früher einmal genau so waren wie sie.
Die Massenmigration ist unbewusster Herkunftshass
Seit 2015 hat die österreichische Politik zwischen 150.000 und 250.000 Muslime, es wird darüber keine genaue Statistik geführt, ins Land kommen lassen. Die gesamte Zahl der Asylanträge seit 2015 beträgt rund 400.000. Vor allem die Zuwanderung aus Syrien, Afghanistan und der Türkei belastet die Kriminalstatistik gewaltig. Besonders die Syrer sind bei Sexual- und Rohheitsdelikten stark überrepräsentiert. Die Strafe für die normalen Menschen besteht nun darin, dass sie diesen als Asylwerbern getarnten Wirtschaftsflüchtlingen nicht entkommen können. Ihre Kinder sitzen in Schulklassen, in denen Muslime in einer erdrückenden Mehrheit sind. Der Anteil der Muslime beträgt zum Beispiel in den Wiener Neuen Mittelschulen und den Polytechnischen Lehrgängen bereits fast 50 %. Und sie können es sich nicht leisten, aus Migrationshotspots wie zum Beispiel Favoriten, Rudolfsheim-Fünfhaus und Ottakring, um nur einige zu nennen, abzuhauen. Denn ihr Familieneinkommen ist zu gering, um eine Übersiedlung finanzieren zu können. Leichter haben es die Reichen. Sie packen sich zusammen und geben die Kinder in eine Privatschule. Problem gelöst. Aber nicht alleine die Schulsituation ist eine Strafe. Auch die Straßen sind unsicher, auf den Spielplätzen dominieren muslimische Gruppen und will man auf die Donauinsel ausweichen, bekommt man keinen Grillplatz, weil die schon alle von Großfamilien und Clans besetzt sind. In eine regelrechte Hölle verwandeln sich die schwer belasteten Bezirke zu Ramadan. Dann werden die österreichischen Schüler angegangen, warum sie nicht mitfasten. Und vor allem die Mädchen stehen das ganze Jahr über unter Druck. Um den ständig missionierenden religiösen Fanatikern zu entgehen, setzen sie sich ein Kopftuch auf, nur um ihre Ruhe zu haben.
Unter solchen Bedingungen ist das Leben in Wien nicht mehr lebenswert, für die Normalverdiener wohlgemerkt. Denn die Reichen und die roten Aufsteiger können es sich richten. Die Kinder schicken sie in katholische Privatschulen oder ins Lycée und sie wohnen im Häuschen am idyllischen Stadtrand. Der deutsche Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz wird mit dem Satz zitiert, dass sich die Linken aus zwei völlig verschiedenen Gruppen zusammensetzen, den Dummen und den Bösartigen. Die linken Aufsteiger in Politik und Wirtschaft sind keinesfalls dumm. Sie sind bösartig und rachsüchtig. Und deshalb lassen sie ihr niederes Herkunftsmilieu dafür büßen, weil es sie daran erinnert, dass auch sie von dort abstammen. Ein Umstand, der ihnen bis zum heutigen Tag unangenehm und peinlich ist.


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