Der Leitartikel des „Economist“ vom 6. Juni 2026 ist alarmierend. Er beschreibt die Generation Z als Ego-Generation, die alle Ideale der 2010er Jahre und der beginnenden 2020er Jahre über Bord geworfen hat und nur mehr auf den eigenen Vorteil fokussiert ist. Der Klimawandel und der Antirassismus, die zentralen Themen der Jugendbewegungen ab dem Beginn des neuen Jahrtausends, sind zum oberflächlichen konformistischen Geschwätz degeneriert. Wie das Glaubensbekenntnis in den katholischen Kirchen wird die Sorge um das Klima geistesabwesend heruntergebetet und gleich danach durch eine klimaschädliche hedonistische Lebenspraxis ad absurdum geführt. Bei den pseudoreligiösen Zusammenkünften am Montag, wird der Klimawandel und der Rassismus emphatisch rhetorisch bekämpft, am Mittwoch sitzt man schon im Flugzeug nach Dubai, wo man sich vom bis aufs Blut ausgebeuteten Hotelpersonal aus Sri Lanka bedienen lässt. Für die Wohlstandskinder ist Politik nur ein Spiel mit Abstraktionen, die die Realität ihres eigenen Lebens nicht einmal peripher berühren. Moral ist etwas, dass man selbst nicht hat, aber von den anderen in Permanenz einfordert.

Der Staat als allmächtiger Versorgungs-Gott

Wirft man einen Blick in die aktuellen Jugendstudien, so ist die politische Spaltung der Generation Z besonders augenfällig. Aber diese Spaltung wirft die überlieferte politische Logik der Klassengesellschaft völlig über den Haufen. Denn heute wählen die Kinder der Bourgeoisie die SPÖ, während die der Mittel- und Unterklassen zur FPÖ übergelaufen sind. Andere Parteien spielen in der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen fast überhaupt keine Rolle mehr. Vor allem die ÖVP ist bei den Jungen völlig kaputt. Aber das ist den Konservativen egal, solange sie noch ein paar Pensionisten, Beamte und Bauern auf ihrer Seite haben. Und genau dort setzt auch der Kommentar des „Economist“ an, an der Wehrlosigkeit und Weltfremdheit der liberal-konservativen Parteien. Denn der Gen-Z-Sozialismus beginnt sich, zumindest in den USA, auszudehnen, geradewegs Mitten in das „centre-left“-Milieu hinein. Das bedeutet, dass sich das gesamte links-liberale Milieu immer mehr radikalisiert. Hinzu kommt, dass die Ideologie dieses Jugend-Sozialismus ein völlig unkreativer Urzeitsozialismus ist, dem der Markt ein Gräuel ist und der den Staat als neuen Gott adoriert, der eine umfassende Versorgung mit allen Notwendigkeiten des Lebens sicherstellen soll.

Das Zero-Sum Mindset des Marxismus

Die Grundüberzeugung der Neosozialisten ist das sogenannte „Zero-Sum Mindset“, also die Überzeugung, dass der Gewinn einer erfolgreichen Person immer auf Kosten einer anderen, schwächeren Person gehen muss. Der gesamte Kuchen, den eine Gesellschaft erwirtschaftet, ist begrenzt. Wenn jemand ein Stück davon abschneidet, bleibt für alle anderen weniger übrig. Das bedeutet also, Reiche sind nur deshalb reich, weil sie anderen etwas weggenommen haben. Die Möglichkeit einer Win-win-Situation für alle durch eine gemeinsame Unternehmung, ist undenkbar. Gemeinsam neue Werte zu schaffen, von denen alle profitieren, läuft dem Klassenkampfprinzip zuwider, dem grundlegenden Bewegungsgesetz der Geschichte. Karl Marx hat dekretiert, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der Klassenkämpfe ist. Und Marxens Wort ist Gesetz, solange, bis alle Klassen außer die der links-woken Bourgeoisie-Kinder ausgerottet sind. Das Problem der Linken ist also, dass sie tatsächlich noch immer dem Satz von Adorno, dass es kein Richtiges im Falschen gibt, verhaftet sind. Die jungen Neosozialisten stellen sich tatsächlich tagtäglich die Systemfrage, und jedes Detail ihres Handelns muss ein Beitrag zur Erreichung des sozialistischen Erlösungszieles sein. Ja, so verrückt kann man auch im Jahr 2026 noch sein. Alles ist möglich in der Postmoderne, in der ja auch ein Mann zur Frau werden kann, wenn er es ganz stark will.

Die drei goldenen Regeln zur sozialistischen Herrschaft

Vor ungefähr fünf Jahren sind wir noch alle staunend über den Ergebnissen einer Jugendstudie zusammengesessen, die uns überrascht haben. Im Zentrum der Wünsche der Jugend an die Zukunft standen unter anderem ein starker Versorgungsstaat, Sicherheit im öffentlichen Raum und eine Anstellung beim Staat oder im staatsnahen Bereich. Noch für die Millennials war eine Beamtenkarriere der absolute Horror. Start-ups wollten sie gründen, freie Unternehmer wollten sie sein. Keine Lust zur Unterwerfung unter einen übermächtigen Staat hatten sie. Damit ist es vorbei. Anstelle dessen beherrscht heute der Wunsch nach einem völlig risikolosen und absolut sicheren Leben die Jugend. Und bewerkstelligt werden soll das durch folgende Grundprinzipien des politischen Handelns: 1) Absolutes Nein zu Wachstum, Wettbewerb und der Schaffung neuer Werte. Stattdessen gleichmäßige Verteilung des immer gleich großen Kuchens auf alle. 2) Finanzierung des sozialistischen Programmes durch die Reichen. Die Erfolgreichen sollen geschröpft werden, damit es sich die risikoaversen und mutlosen Konformisten mit ihrem Geld gemütlich machen können. 3) Der Generation-Z-Sozialismus hasst den freien Markt. Er will nicht, dass der Markt Preise, Angebot und Nachfrage regelt, sondern ein allwissender und übermächtiger Leviathan. Dass ein solches Irrsinnsprojekt im Jahr 1989 wegen totaler Erfolglosigkeit vom Volk eigenhändig geschlossen wurde, dürfte den Jungen im Geschichtsunterricht nicht ausreichend vermittelt worden sein. Das hängt wohl damit zusammen, dass die gesamte Lehrerschaft, zumindest ist das in Wien so, geschlossen im neo-sozialistischen Öko-Lager steht. Wenn die Lehrerschaft staatssozialistisch denkt, warum sollten dann ihre Schüler Freidenker sein?

Gehirnwäsche mit Hilfe der Medien und des Kulturapparates

Viele fragen sich heute, wie gerade die jungen Bildungsschichten in den Staatssozialismus abkippen konnten. In den 1970er Jahren hatten die Studierenden noch Parolen wie „Macht aus dem Staat Gurkensalat“ skandiert. Und unsere Jugend will den Staat umarmen und mit ihm in den Tod der Freiheit tanzen? Die Gründe dafür sind klar, aber nicht offensichtlich. Der Marsch der 1968er durch die Institutionen war erfolgreich. Von den Unis ausgehend haben sie und ihre Nachfolger Medien, Justiz, Bildungssystem, Parteien und die Kirchen erobert. Wer diese Institutionen in der Hand hat, der hat die Hegemonie über die Werte und das Denken vor allem der Bildungsschichten. Überrollt wurden von dieser Welle zuletzt auch konservative Medien und selbst die konservativen Parteien. So haben bei den AK-Wahlen zuletzt bei der früher konservativen Zeitung „Die Presse“ über 70 % der Journalisten Rote, Grüne oder eine marxistische Kleinpartei gewählt. Im Kurier waren es sogar 84 % und bei der Austria Presseagentur 89 %. Die Konservativen und Liberalen haben das Match um die Macht im Staat deshalb verloren, weil sie überheblich und selbstsicher waren und deshalb nicht Antonio Gramsci, den alten italienischen Kommunisten gelesen haben. Der hat schon in den 1930er Jahren gewusst, dass die politische Hegemonie durch Erziehungsinstitutionen, Medien und kulturelle Einrichtungen und nicht durch die politischen Apparate im engeren Sinn hergestellt wird. Michael Häupl hat seinen Gramsci gelesen. Deswegen hat er die Wiener Festwochen radikal rot eingefärbt und sein Nachfolger hat diesen Weg fortgesetzt. Mit Milo Rau an der Spitze der Festwochen gewinnt die SPÖ mehr Wählerstimmen als durch ihren maroden Parteiapparat und dessen verstaubter Kommunikation. Das ist der einzige Grund, warum sich die Stadt Wien dieses Spektakel im Jahr 14 Millionen Euro kosten lässt. Es ist die Liebe zur Macht und nicht die zur Kunst, die hier die Triebfeder ist.