Nach erfrischenden Auftritten von Außenseitern wie z.B. Kap Verde haben sich am Ende die Favoriten durchgesetzt und Europa bleibt das Zentrum des Fußball (1. Spanien, 2. Argentinien, 3. England, 4. Frankreich).

Sport, und damit auch der Fußball, wird so wie andere Großveranstaltungen (z.B. der Eurovision-Songcontest) immer öfter und immer mehr zu einem Ort politischer Botschaften, dies ging auch an der WM 2026 nicht vorüber:

Der Iran drohte abzutreten, sollten im Stadion Flaggen des Iran mit dem goldenen Löwen (die iranische Flagge vor der Revolution und vor der Machtübernahme des derzeitigen Regiems) auftauchen, hatte aber weniger Probleme mit der palästinensischen Flagge. Das Team sparte nicht mit Beschwerden über die ungerechte Behandlung durch den Veranstalter USA.

Auch Ägypten führte seinen Sieg im Sechzehntelfinale gegen Australien auf die Gebete zu Allah vor dem Spiel zurück. Dabei gilt es zu erwähnen, dass zwar etwa 10% der ägyptischen Bevölkerung koptische Christen sind, diese aber weder in der ersten ägyptischen Liga noch im Nationalteam spielberechtigt sind, Juden gibt es praktisch keine mehr in Ägypten. Besonders tat sich der ägyptische Trainer Hossam Hassan hervor, der nach dem erfolgreichen Elfmeterschießen mit einer palästinensischen Flagge über das Spielfeld lief und in einem Interview den Sieg dem palästinensischen Volk widmete. Als nach dem Sieg Argentiniens gegen Ägypten zunehmend israelische Flaggen gezeigt wurden beschwerte er sich allerdings wegen Rassismus.

Argentinien setzte damit ebenfalls eine klare politische Botschaft, doch es blieb nicht die einzige: Nach dem erfolgreichen Aufstieg ins Finale im Halbfinale gegen England hielten argentinische Spieler ein Transparent hoch, in dem auf den Anspruch auf die Falklandinseln hingewiesen wurde. Auf dem Transparent stand „Las Malvinas Son Argentinas“ („Die Falklandinseln sind argentinisch“). 1982 hatte Argentinien mit einem Angriff auf die Inseln versucht, sie gewaltsam von Großbritannien zu übernehmen (Falkland-Krieg). Vielleicht wissen die argentinischen Spieler nicht, dass England nur eine von vier britischen Mannschaften aus Großbritannien ist.

Auch Religion blieb bei der WM 2026 nicht ausgeklammert

Ägypten habe ich bereits erwähnt, aber auch die algerischen Spieler führten nach jedem Tor ein gemeinsames Gebet Richtung Mekka durch. Viele muslimische Spieler beteten nach Torerfolgen oder nach Spielende demonstrativ am Spielfeld.

Zum Skandal wurden religiöse Bekundungen aber erst, als Felix Nmecha seine Bibel in der Hand hielt als er ins Stadion kam und nach dem Auftaktsieg Deutschlands gegen Curacao in der Spielfeldmitte mit den Gegenspielern gemeinsam betete.

Sanktionen der FIFA gab es durchgehend keine, gleichzeitig ist diese Aufzählung sicher unvollständig. Man kann sich mit der einen Aktion identifizieren, mit der anderen nicht, eines ist aber klar: Derzeit ist die FIFA von der Durchsetzung des völkerverbindenden und unpolitischen Fußball weit entfernt. (Dabei habe ich die erfolgreiche Intervention von Präsident Trump gegen eine Sperre eines Spielers der USA wegen einer roten Karte noch gar nicht erwähnt.)

Hier muss eine deutliche Forderung an die FIFA und an den Sport insgesamt stehen, eine konsistente und konsequente Linie mit hohen Strafen bei politischen/religiösen Botschaften durchzusetzen, um den Sport möglichst frei von politischen und religiösen Botschaften zu halten.

Zuletzt darf man die Macht der künstlichen Intelligenz und der sozialen Medien nicht unerwähnt lassen: Neben wilden Gerüchten in den sozialen Medien („Messi ist Jude“ und andere) tauchten KI-generierte Fotos und Videos auf, die Beweise für derartige Behauptungen liefern sollten oder sogar Spielsituationen, wie Foulspiele oder Abseitspositionen, die KI-generiert waren und die es nie gegeben hatte. Wie man damit umgehen kann, wird die Zukunft des Umgangs mit sozialen Medien und künstlicher Intelligenz zeigen.

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