Österreichs Jugend, das ergeben alle einschlägigen Studien, ist aus Sicht der politischen Linken eine glatte Enttäuschung: Ihre zentralen Werte, ihre Vorstellungen vom guten Leben und von anzustrebenden Lebensentwürfen sind dermaßen konservativ, dass im Vergleich sogar die ÖVP wie eine maoistische Splittergruppe erscheint.

So ergab etwa unlängst die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“ folgenden Befund: 84 Prozent der befragten Jugendlichen finden „stabile Beziehungen“ besonders wichtig, 70 Prozent eine hochwertige Ausbildung und 69 Prozent den Wunsch, das Leben zu genießen. Gleichzeitig gewinnen materialistische Haltungen an Bedeutung. So ist der Wunsch nach einem hohen Lebensstandard von 44 (2020) auf 48 Prozent (2025) gestiegen, ebenso wie das Streben nach Einfluss und Durchsetzung eigener Interessen. Die Erwartungen an Beruf und Partnerschaft steigen deutlich: Jugendliche wünschen sich höhere Einkommen und bessere Aufstiegschancen. Gleichzeitig gewinnen traditionelle Aspekte wie Familiengründung und gemeinsame Werte beider Partner an Bedeutung. Also nix Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll – hier wird ein Weltbild sichtbar, das eher an die 1950er-Jahre gemahnt denn an woke Werte wie Diversität, Multikulti oder das vermeintliche Menschenrecht, sein Geschlecht jährlich zu wechseln. Vermutlich glauben diese verblendeten jungen Menschen gar, dass es bloß zwei Geschlechter gibt.

Für alle Sozialingenieure in Politik und Medien, denen die woken Werte eine Herzensangelegenheit sind, müssen Studien wie diese eine ziemliche Enttäuschung sein. Da strengt man sich jahrzehntelang an – und dann das.

Der diskriminierte Mann

Noch dazu, wo diese Studie kein statistischer Ausreißer ist, sondern von anderen Erhebungen bestätigt wird. So publizierte das ipsos-Institut unlängst eine Umfrage unter Jugendlichen der Generation Z (14- bis 28-Jährige) in 29 Staaten über ihre Haltung zu Geschlechterthemen.

Demnach finden 61 Prozent der jungen Männer, dass im Hinblick auf Gleichstellung von Mann und Frau bereits genug getan worden ist. 57 Prozent der jungen Herren sind sogar davon überzeugt, dass die Gleichstellung von Frauen so weit getrieben wurde, dass nun bereits Männer diskriminiert werden.

Und als wäre das nicht schon konservativ genug, vertritt nahezu jeder dritte Mann den Standpunkt, dass eine Ehefrau ihrem Mann gehorchen sollte.

Ein Befund, der im Milieu der Wohlmeinenden natürlich sofort heftige Schnappatmung auslöste. „Umfrage: Männer der Gen Z haben extrem rückständige Rollenbilder“, kommentierte etwa der Standard erschrocken.

Karriereziel Mutter

Nicht nur Männer übrigens. Schon vor zwei Jahren kam eine Befragung von 10.000 Studentinnen und Studenten in der Schweiz zu einem Ergebnis, das die Neue Zürcher Zeitung so beschrieb: „Viele Studentinnen träumen von einem Mann, der das Geld nach Hause bringt und die Familie finanziert. Sich selber sehen die jungen Frauen in der Rolle als Mutter, die neben ihrem erfolgreichen Gatten Teilzeit arbeitet. Das passt insofern prächtig, als sich ein Gutteil der befragten Studenten ebenfalls ein traditionelles Familienmodell wünscht. Diese Ergebnisse sind für jede Gleichstellungsbeauftragte zutiefst frustrierend. Seit Jahren und Jahrzehnten wird den Frauen gesagt, sie sollten trotz Ehe und Kindern finanziell unabhängig bleiben – und dann das.“

Und dann das: Die Jugend schert sich einfach nicht um das, was die Tugendwächter des Wahren, Guten und Schönen von ihr erwartet und führt ihr Leben eben so, wie sie es will.

Die Ohnmacht der Medien

Nun kann man natürlich bei all den in diversen Umfragen untersuchten Themen dieser oder jener Meinung sein, kann man ein traditionelles Weltbild präferieren oder meinethalben die Regenbogenparade als Höhepunkt des Jahreskreises sehen – aber was ich an all diesen Umfragen außerordentlich erfrischend finde, ist der Umstand, dass die jungen Menschen offenbar so wenig beeinflussbar sind von Politik und Medien. Denn vor allem Letztere lehnen ein konservatives Weltbild ja eher ab, was den Jugendlichen aber ganz offenbar herzhaft egal ist. Selbst jahrelange Dauerbeschallung mit woken Werten perlt offenbar an vielen von ihnen ab wie ein Tropfen Pastawasser von einer Teflonbeschichtung. Da bleibt einfach nichts haften.

Der Souverän, ein Schlingel

Ein ähnliches Phänomen, wenn auch nicht auf Jugendliche beschränkt, war unlängst in Ungarn zu studieren. Dort stand im Wahlkampf die Mehrheit der bedeutenderen Medien eher auf der Seite des amtierenden Regierungschefs Viktor Orban – doch das Volk, der ungezogene Schlingel, votierte trotzdem mehrheitlich für seinen Herausforderer.

Dass in Deutschland, Österreich oder Frankreich neurechte Parteien umso stärker werden, je mehr etablierte Medien vor ihnen warnen, passt jedenfalls auch gut in diesen Befund.

Man kann das, keine Frage, inhaltlich bedauern oder begrüßen. Irgendwie beruhigend ist aber auf jeden Fall, dass die Macht all jener in Medien, Politik und anderen meinungsbildenden Institutionen, die glauben, das Volk – und ganz besonders die jüngeren Menschen – dauernd erziehen zu müssen, deutlich kleiner ist, als sie selbst glauben. Sogar dann, wenn als Ergebnis junge Frauen von einem Mann träumen, der viel Geld nach Hause bringt.