Fußball begeistert Millionen Menschen. Genau deshalb ist er auch für Politiker so attraktiv. Kaum steht eine Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft an, wird das Nationaltrikot plötzlich zum beliebten Accessoire. Es wird mitgefiebert, gratuliert, gepostet und gejubelt.

Einen anderen Weg wählte Argentiniens Präsident Javier Milei. Zwar erklärte er den Tag der Feierlichkeiten für die Nationalmannschaft im Vorfeld zum nationalen Feiertag, machte aber deutlich, dass sich die Politik das Fußballfest nicht aneignen dürfe. Deshalb blieben sowohl er als auch andere hochrangige Regierungsvertreter dem Empfang der Mannschaft fern und überließen den zurückgereisten Spielern bewusst die Bühne. Auch dem WM-Finale blieb Milei bereits fern – allerdings nicht aus politischen Gründen, sondern aus Aberglauben.

In Österreich wäre das wohl anders abgelaufen. Hätte das ÖFB-Team nach der Weltmeisterschaft einen offiziellen Empfang bekommen – man stelle sich vor, Österreich wäre sogar wie Argentinien in das Finale gekommen –, wäre die politische Prominenz wohl zahlreich erschienen und hätte sich dabei wohl in der ersten Reihe positioniert.

Babler und Stocker begleiten Nationalteam

Schon während des Turniers war die politische Präsenz unübersehbar. Sportminister und Vizekanzler Andreas Babler sowie Bundeskanzler Christian Stocker begleiteten das Nationalteam öffentlich. Babler veröffentlichte zahlreiche Fotos und Videos mit ÖFB-Präsident Josef Pröll, Aufnahmen vom Torjubel und Eindrücke aus dem Stadion. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Natürlich darf – und soll – ein Sportminister sportbegeistert sein und das Nationalteam unterstützen.

Problematisch wird es aber dann, wenn diese Unterstützung vor allem auf der Tribüne stattfindet und mit dem Schlusspfiff endet. Gute Sportpolitik entscheidet sich nicht während eines großen Turniers, sondern bei Budgetverhandlungen, Förderprogrammen, Sportstätten und der Nachwuchsarbeit. Dort entstehen zwar kaum medienwirksame Bilder, dafür aber die Rahmenbedingungen, unter denen Vereine, Verbände und Athleten arbeiten.

Der große Widerspruch

Gerade deshalb wirkt das aktuelle Signal widersprüchlich. Österreich steckt in einem milliardenschweren Budgetdefizit. Der Bevölkerung wird erklärt, dass gespart werden müsse, Ministerien kürzen Ausgaben und Förderungen werden auf den Prüfstand gestellt. Gleichzeitig finanzieren die Steuerzahler auch öffentlichkeitswirksame Auftritte von Spitzenpolitikern – und deren Mitarbeitern – bei Sportgroßereignissen, die sich bestens für die eigene Inszenierung eignen.

Auch im Sport selbst wird der Sparstift kräftig angesetzt. Die Allgemeine Sportförderung sinkt von derzeit 85 Millionen Euro auf 78,3 Millionen Euro im Jahr 2027 und schließlich auf 74,2 Millionen Euro im Jahr 2028. Betroffen sind unter anderem die Sportinfrastruktur, Großveranstaltungen und übergreifende Projekte. Immerhin steigt die Besondere Sportförderung – also staatliche Fördermittel für gezielte Sportprojekte und den Leistungs- sowie Nachwuchssport – wieder auf 120 Millionen Euro, auch die Mittel für die tägliche Bewegungseinheit werden erhöht. Unterm Strich bleibt jedoch die Kritik vieler Verbände bestehen, dass in zentralen Bereichen künftig weniger Geld zur Verfügung steht.

Jubeln reicht nicht

Politiker sollen Sportveranstaltungen besuchen. Sie sollen Athleten gratulieren und sich über Erfolge freuen. Wer sich aber gerne mit den Erfolgen des Sports schmückt, muss sich auch daran messen lassen, welchen Stellenwert dieser im politischen Alltag tatsächlich hat. Denn echte Sportpolitik zeigt sich nicht auf der Ehrentribüne, sondern dort, wo über Budgets, Infrastruktur und die Zukunft des Sports entschieden wird.