Es ist Juni und somit ist der Pride Monat nun offiziell über uns gekommen, auch wenn es unterjährig schon oft so wirkt, als ob das Regenbogen-Marketing mittlerweile zum Standard von Unternehmen, NGOs, Universitäten, Kunst- und Kulturbetrieben, dem Bank- und Finanzsektor, Sportverbänden, Kirchen und politischen Parteien geworden wäre.

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Zu erwarten ist in den nächsten Wochen nicht nur die ungebremste Zurschaustellung von Fahnen und Haltung – getragen von all jenen, die bei der symbolischen Selbstbeweihräucherung mittendrin sein möchten, statt nur dabei –, sondern auch eine Reihe von inhaltsleeren Floskeln und grotesken Radikalforderungen, die es in den Mainstream schaffen möchten. Als Begleitmusik dazu finden in Österreich von Juni bis September gleich an die 30 Pride-Veranstaltungen statt – von Bregenz bis ins Burgenland, von Innsbruck bis Mistelbach, im Innviertel ebenso wie im Salzkammergut.

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Ähnlich verhält es sich auch im Rest von Europa, wo das Wohl einer Demokratie mittlerweile davon abzuhängen scheint, Pride-Paraden durchzuführen. Und selbstverständlich ist das Versammlungsrecht ein hohes demokratisches Gut. Anders verhält es sich allerdings mit den Forderungen, die neben den Beteuerungen, es würde sich gar nicht um eine Party, sondern um einen Protest handeln, mit Druck auf die politische Agenda gehoben werden.

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Dabei geht es strategisch zu: Durch den undefinierbaren Begriff „Queer“ wird über eine vermeintliche „Queer-Community“ und deren fehlende Rechte gesprochen. Es geht nicht um Lesben und Schwulen – und das aus gutem Grund. Eine junge lesbische Frau hat mit einem 50jährigen heterosexuellen Mann, der Hormone einnimmt und sich „lesbisch“ fühlt, nichts gemeinsam. Im Gegenteil:  Nur mit dieser Taktik kann eine Gruppe von erwachsenen heterosexuellen Männern in die Diskussion um Lesben- und Schwulenrechte geschummelt werden.

Wer die politischen Forderungen der Parteien „für queere Menschen“ beim Wort nimmt und nach einer offiziellen oder auch nur annähernd klaren Definition sucht, landet in einem unverständlichen Wortsalat, der alles und nichts aussagt.

So schreibt die Stadt Wien in einer Studie zu „Queerer Jugendarbeit in Wien“ (2022):

„Die Doppelbedeutung des Buchstaben Q für queer/questioning verweist damit auf die Unabgeschlossenheit, Umkämpftheit und Kontingenz dieser Begriffe bzw. Bezeichnungen. Zumeist wird – analog zu entsprechenden bewegungspolitischen Debatten in Österreich – der Begriff queer als Sammelbegriff für LGBTIQ verwendet, auch wenn dieser über eine spezifische und eigene Bewegungs- und Begriffsgeschichte verfügt.“

Viel besser sieht es auch beim Gesundheitsministerium nicht aus, das auf Seite 137 des „LGBTIQ+ Gesundheitsberichts“ (2022) eine Erklärung anbietet: „Queer“ sei ein „weitreichender Begriff, dessen Bedeutung und Wert je nach historischer Periode, Zeit und Ort der Verwendung und Intention variiert.“ Und weiter: „„Queer“ findet Verwendung als politische, auch affirmativ zu verstehende (Selbst‑)Bezeichnung und kann sich auf die sexuelle Orientierung, die Geschlechtsidentität und/oder darüber hinaus beziehen.“

Nur ideologische Aktivisten würden damit Politik machen. Also präsentierten die Grünen erwartungsgemäß und dem Mitbewerb einen Schritt voraus, gleich zum Monatsersten ihre Forderungen in einer Pressekonferenz mit dem Titel: „Keine Gerechtigkeit ohne queere Rechte!“ Dabei geht es vorrangig um das von Grünen und SPÖ gepushte Verbot von Gesprächstherapien für pubertierende Jugendliche, die mit ihrem Körper und ihrer Sexualität hadern.

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Was steckt wirklich hinter dem „Konversionstherapieverbot"?

Denn so viel Klarheit muss es in all dem Queer-Slang geben: Das, was als irreführend als „Konversionstherapieverbot“ bezeichnet und empört eingefordert wird, bezieht sich ausschließlich auf Minderjährige, also auf Kinder und Jugendliche – und die Kontroverse auf solche, die meinen, im „falschen Körper“ zu sein. Deren Eltern sie unterstützen möchten, ohne sie auf einen Pfad hormoneller und medizinischer Behandlungen zu einer Geschlechtsumwandlung zu setzen. Deren Umfeld – Großeltern und Geschwister, Freunde und Klassenverband – sie körperlich unversehrt und gesund reifen lassen möchte und nicht bereit ist, so zu tun, als ob das Mädchen oder der Junge jetzt plötzlich ein anderes Wesen wären. Die keine ideologische Vereinnahmung möchten. Weil sie wissen, dass die Verunsicherung im Jugendalter auch wieder vorbei geht, weil sie viele Ursachen haben kann – von Autismus bis Depression, von Missbrauch bis zu traumatischen Erlebnissen, oder schlicht eine gleichgeschlechtliche Orientierung –, und weil der Weg „ins andere Geschlecht“, einmal beschritten, für immer körperliche Folgen mit sich bringt: Wachstumsstopp, Verlust der Knochendichte, Herz- und Kreislauferkrankungen, Unfruchtbarkeit, schwerwiegende Nebenwirkungen durch experimentelle medikamentöse und medizinische Behandlungen. Die Verantwortungslosigkeit all dem gegenüber – nochmal: es soll in dem Verbot um Jugendliche gehen, deren körperliche, emotionale und sexuelle Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist! – und die Verbissenheit, mit der die Geschlechtsänderung von Jugendlichen eingefordert wird, lässt sich nur durch völlige ideologische Verblendung erklären.

Dabei von den Rechten „queerer Menschen“ oder einer „queeren Community“ zu sprechen, ist nicht nur Faulheit, sondern eine – durchaus beabsichtigte – Verschleierung der Tatsachen. Lesben und Schwule distanzieren sich seit Jahren von diesem Missbrauch, der in ihrem Namen stattfindet. Die Grünen haben in ihrer Pressekonferenz von Solidarität gesprochen. Die braucht es tatsächlich. Nicht mit Aktivisten, die jede Skepsis als Hass diffamieren, sondern mit Jugendlichen und ihren Familien, deren Wohl über politischen Kampagnen stehen sollte. Und die sich darauf verlassen können müssen, dass Medien in der Berichterstattung und der Gesetzgeber in seinen Entscheidungen ihre Sorgfaltspflicht ernst nehmen.

Faika El-Nagashi ist Direktorin des Athena Forum (athena-forum.eu) und ehemalige Nationalratsabgeordnete. X: @el_nagashi