Ende 2020, im ersten Jahr der Pandemie, brachte die FPÖ (Petra Steger) einen Antrag zu Maßnahmen für den Frauensport im Parlament ein, „um den Mädchen- und Frauensport in Österreich zu unterstützen“. Nun ist es oftmals so, dass sich Antragstexte selbst gut und richtig lesen, in die Begründung aber ausfällige Rundumschläge gepackt werden. Tatsächlich ging es aber, ganz sachlich, um die strukturelle, finanzielle und mediale Förderung des Frauen- und Mädchensports.
Der Antrag wurde vertagt, die übliche Praxis im Umgang mit Oppositionsanträgen. In der Debatte im Ausschuss meinten die Grünen (Eva Blimlinger), „es werde bereits weit mehr gemacht“, als der Antrag beinhalte. Und die ÖVP (Kira Grünberg) wähnte sich „schon auf einem guten Weg“, es wäre bereits viel für den „geschlechtergerechten Zugang zu Sport“ unternommen worden. Inhaltlich also d’accord, es solle bloß nicht von der FPÖ kommen, um den Frauensport würden sich schon andere kümmern.
Fünf Jahre später, Ende 2025, bringt die FPÖ sowohl im Sport- als auch im Gleichbehandlungsausschuss erneut Anträge zum Frauensport ein. Diesmal geht es um den Grundsatz des Frauensports überhaupt: Wer darf in Frauenteams mitspielen und an Frauenbewerben teilnehmen – nur Frauen oder auch Männer, wenn sie sich als Frauen fühlen? Die Anträge wurden vor Kurzem abgelehnt: „nicht in der Zuständigkeit des Sportministers“ (ÖVP), Autonomie der Sportverbände und „nicht Aufgabe der Politik, komplexe sportmedizinische Fragestellungen zu beantworten“ (SPÖ), „komplex“ und „bedauerlich“ damit “gegen eine Gruppe von Menschen (vorzugehen), die der FPÖ nicht passt” (Grüne). Die NEOS bezeichneten einen früheren ähnlich gelagerten FPÖ-Antrag (2022) als „Agieren gegen eine sexuelle Minderheit“. Immerhin gelangte das Thema durch die Ablehnung diese Woche in den Nationalrat, was erwartungsgemäß zu einer entlarvenden und entbehrlichen Debatte wurde.
Die Frage ist nicht trivial und die Parlamentsparteien täten gut daran, sich dazu eine Position abzuringen. Spitzensportlerinnen wie auch Amateurinnen, Mädchen und deren Eltern, Coaches und Trainerinnen wünschen sich konkrete Unterstützung dabei, den Frauen- und Mädchensport nicht ad absurdum führen zu lassen – und sich für ihren öffentlichen Einsatz nicht als menschenfeindlich bezeichnen lassen zu müssen.
Bereits letzten Sommer berichtete der Kurier ausführlich über die irritierende Situation im Wiener Frauenfußball, wo mittlerweile mehrere Männer mitspielen – möglich durch Regelungen, die für eine Spielberechtigung den rechtlichen Geschlechtseintrag heranziehen. Einige von ihnen kommen aus Deutschland. Dort ermöglicht das seit 2024 geltende Selbstbestimmungsgesetz einen Wechsel des Geschlechtseintrags durch bloße Erklärung beim Amt. Eine Forderung, für die sich SPÖ und Grüne nach wie vor lautstark einsetzen. Die Folgen werden auch im österreichischen Sport sichtbar.
Unter vielen Spielerinnen herrscht erhebliche Verunsicherung. Bedenken hinsichtlich Fairness, Chancengleichheit und Verletzungsrisiken würden zwar geäußert, jedoch nur hinter vorgehaltener Hand. Viele Vereine und Spielerinnen seien zurückhaltend, um nicht als transphob zu gelten. Dass solche Fälle künftig zunehmen werden, scheint allen bewusst zu sein.
Gleichzeitig meint die Politik, hier wegsehen zu können und sich nicht einmischen zu müssen. Spätestens seit dem Skandal der Olympischen Spiele 2024, bei denen der Boxer Imane Khelif die Goldmedaille im Frauenboxen gewann, sollte die Brisanz des Themas offensichtlich sein. Khelif weist den genetisch bedingten 5-Alpha-Reduktase-Mangel (5-ARD) auf, eine Störung der Geschlechtsentwicklung, bei der Testosteron nicht in das für die Ausbildung der äußeren männlichen Geschlechtsmerkmale entscheidende Hormon umgewandelt werden kann.
Ohne Regulierung verändert sich indes der weniger aufsehenerregende Amateur- und Breitensport: Im Deutschen Fußball-Bund dürfen sich trans identifizierte Personen aussuchen, ob sie bei Frauen oder Männern spielen wollen.
Der Reflex links-liberaler Parteien, Probleme liegen zu lassen, weil rechte Parteien darüber reden, verschlimmert sie nur. Dabei gibt es – wie bei allen Aspekten des Trans-Themas – eine Vielzahl an qualifizierten Expertinnen aus der politischen Mitte, die alle Anfeindungen auf sich nehmen, um sich für die Rechte von Frauen und Mädchen, für Fairness und Chancengleichheit einzusetzen.
Frauen verteidigen ihren Sport
Die beiden britischen Sportlegenden Sharron Davies und Tracy Edwards haben aus diesem Grund die Women’s Sports Union ins Leben gerufen. Die ehemalige britische Schwimmerin Sharron Davies zählte über viele Jahre zur internationalen Spitze, nahm an drei Olympischen Spielen in drei verschiedenen Jahrzehnten teil, gewann olympisches Silber sowie zahlreiche Medaillen bei Europa- und Commonwealth-Meisterschaften. Seit Anfang 2026 gehört sie als Baroness Davies of Devonport dem britischen Oberhaus an und engagiert sich auch dort für den Schutz des Frauensports.
Edwards wiederum schrieb Segelgeschichte als Skipperin der Maiden, der ersten rein weiblichen Crew, die die Welt umrundete, und engagiert sich mit ihrer Stiftung Maiden Factor bis heute weltweit für die Bildung und Förderung von Mädchen.
Einschüchterung und Angst
Davies spricht offen darüber, wie die Aggressionen im Zuge der Trans-Debatte ihr Leben zur Hölle gemacht haben – sie erlebte jahrelang massive Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen. Zugleich wurde sie zur Ansprechpartnerin für Sportlerinnen, Trainer und Eltern, die sich um die Zukunft des Frauensports und die sportlichen Möglichkeiten ihrer Töchter sorgen. Die Politik täte gut daran, ihnen zuzuhören.
Immerhin fand die ÖVP nach der Parlamentsdebatte doch noch klare Worte. In einer Presseaussendung und auf Social Media bezogen gleich drei Abgeordnete öffentlich Position für den Schutz des Frauensports.
Die Debatte ist von Einschüchterung und Angst geprägt. Zumindest so viel Erkenntnisgewinn sollte den linksliberalen Parteien möglich sein, die das Thema nach wie vor für „sehr komplex“ und die Anträge der FPÖ für eine „perfide Strategie“.
Diese provinzielle Ignoranz wird schlecht altern. Eine Riege von Feiglingen macht die FPÖ gerade zur Pionierin für den Schutz des Frauensports.
Faika El-Nagashi ist Direktorin des Athena Forum (athena-forum.eu) und ehemalige Nationalratsabgeordnete. X: @el_nagashi

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