Haben Sie sich auch schon gefragt, wie sich diejenigen herausreden werden, die heute einer Ideologie anhängen, deren Dogmen jeder Vernunft und Verantwortung widersprechen, wenn sich der Wind dreht und ihre unheilvolle Sekte als frauenverachtend, kindergefährdend und zerstörerisch entblößt wird?
Diejenigen, die die „freie Wahl des Geschlechts“ zum Menschenrecht erklärt haben. Männer in Frauengefängnissen, in Frauenhäusern und im Frauensport als Kulturkampfthemen abgetan haben. Die Preise und Plätze für Frauen an Männer vergeben haben. Männer in Frauenvorstände und auf Frauenlisten gesetzt haben.
Die Kindern erzählt haben, sie könnten als Gestaltwandler durch die Welt gehen, ihre Pubertät auf Pause setzen und nach einer Mastektomie ihre Brüste später einfach wieder „dranmachen“ lassen. Die Eltern im Gefängnis sehen wollten, wenn sie sich der Geschlechtsumwandlung ihrer Kinder in den Weg stellten. Und die all jene, die das nicht mitgetragen haben, existentiell verfolgt, bedroht, diffamiert und mit Hassgesetzen vor Gericht gezerrt haben.
Obwohl viele Verantwortung dafür tragen – in der Medizin und Therapie, in Unternehmen und an Universitäten, in NGOs und Kultureinrichtungen, Stiftungen, Medien, der Verwaltung, an Gerichten, in Schulen, in der Jugend- und Sozialarbeit, in den Diversity-Abteilungen von Verkehrsunternehmen, den Sponsoring-Abteilungen von Finanzdienstleistern, den Social-Media-Abteilungen der Ministerien – ist es die Politik, die den rechtlichen Rahmen vorgibt. In Österreich sind es vor allem die Grünen und die SPÖ, die darauf drängen, diese Ideologie in Gesetze zu gießen. Und dafür werden sie früher oder später Rede und Antwort stehen müssen.
Wenn Ihnen also Grünen-Abgeordnete wieder einmal einreden wollen, Sie würden das alles nur falsch verstehen und es wäre „Qual“ und „Missbrauch“, Kindern ihren Wunsch nach einem Geschlechtswechsel nicht zu erfüllen, dann werfen Sie einen Blick nach Großbritannien, wo der neue Gesundheitsminister James Murray (Labour) kürzlich vorführte, wie die politische Kehrtwende aussehen wird.
Die britische Polit-Journalistin Camilla Tominey konfrontierte Murray mit seiner früheren Haltung in der Trans-Debatte. Was folgte, war grotesk: ein vollständiger politischer Sinneswandel, mit Gleichmut vorgetragen. Ja, er habe seine Meinung geändert. Nein, er glaube heute nicht mehr, dass Frauen einen Penis haben können.
Camilla Tominey: Glauben Sie, dass eine Frau einen Penis haben kann? Denn das haben Sie früher geglaubt. Das ist eine wichtige Frage, die ein Gesundheitsminister beantworten sollte.
James Murray: Nein, das glaube ich nicht.
Tominey: Sie haben also Ihre Meinung geändert?
Murray: Ja.
Tominey: Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?
Murray: Nun, ich glaube, viele von uns haben in den vergangenen Jahren über dieses Thema nachgedacht. Und wissen Sie, ich würde heute zum Beispiel nicht mehr sagen, dass Transfrauen Frauen sind. Ich denke, dass das biologische Geschlecht wichtig ist.
Tominey: Aber das müssen Sie doch vorher schon gewusst haben. Sie sind sehr gebildet, Sie waren auf der privaten St Paul’s School. Wie um alles in der Welt konnten Sie früher glauben, dass eine Frau einen Penis haben kann?
Murray: Nun, ich glaube, das ist ein Thema, über das viele von uns in den vergangenen Jahren nachgedacht haben, und ich glaube, es gibt einen Unterschied zwischen Sex und Gender. Ich denke, wenn es um Sex geht, ist die Biologie das, was zählt.
Tominey: Schulden Sie Frauen, die sich zu Wort gemeldet haben, die genderkritisch waren und dann gecancelt wurden, eine Entschuldigung?
Murray: Ich glaube nicht, dass Menschen gecancelt werden sollten. Ich denke, Menschen sollten ihre Ansichten äußern dürfen.
Tominey: Aber ein Teil des Grundes, warum diese Frauen gecancelt wurden, ist, dass Menschen wie Sie das biologische Geschlecht geleugnet haben, und dann wurden sie von der Trans-Lobby gehetzt.
Eine kollektive Verirrung
Eine erstaunliche politische Amnesie. Was der britische Gesundheitsminister heute als neue Erkenntnis präsentiert, haben andere längst gewusst und trotz aller Anfeindungen offen ausgesprochen. Dafür wurden sie jahrelang diffamiert, ausgegrenzt und beruflich wie gesellschaftlich zerstört. Viele hätten in den vergangenen Jahren eben über das Thema nachgedacht, erklärt Murray. Viele hätten ihre Positionen überdacht. Eine kollektive Verirrung, für die niemand Verantwortung trägt.
So ein Abfall vom Glauben ist beachtlich. Er geschieht allerdings nicht einfach nebenbei oder bloß mit der Zeit. Er findet erst dann statt, wenn das Ideologiesystem zum Ballast wird und das eigene politische Überleben gefährdet. Dazu kommt es nur, wenn Menschen den absurden Dogmen standhaft widersprechen. In Großbritannien waren es vorwiegend Frauen – viele von ihnen früher selbst bei Labour aktiv –, die sich ihre Rechte mühsam zurückerkämpft und dafür einen hohen Preis bezahlt haben.
Wenn also der SPÖ-Queer-Beauftragte Mario Lindner wieder versucht, Druck auf die ÖVP auszuüben und es als „Folter“ und „Gewalt“ bezeichnet, die Geschlechtsumwandlung von Minderjährigen zu hinterfragen, dann empfiehlt sich seiner Partei ein Blick in die Zukunft, in der niemand dafür gewesen sein wird und plötzlich alle wieder wissen, was eine Frau ist.
Allen anderen Parteien sei gesagt: Bleiben Sie standhaft. Und widersprechen Sie.
Faika El-Nagashi ist Direktorin des Athena Forum (athena-forum.eu) und ehemalige Nationalratsabgeordnete. X: @el_nagashi

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