Auch die Bildungsdirektion Wien wollte noch rechtzeitig vor Ende des Pride-Monats ein Zeichen setzen und hat unter dem harmlos klingenden Titel „Vielfalt im Unterricht“ ein Sammelsurium an „LGBTQIA+ Materialien und Angeboten“ zusammengestellt. Diese werden auf einer eigenen Webseite – dem Bildungshub – präsentiert, um Lehrerinnen und Lehrern in Wien eine „Hilfestellung bei der Umsetzung neuer Projekte“ zu geben.

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Das Besprechen von „LGBTQIA+-Themen“ würde junge Menschen in ihrer Identitätsfindung und ihrem Selbstvertrauen stärken und Gewalt und Mobbing verhindern. Der Bildungshub empfiehlt und verlinkt auf verschiedene Materialien und Projekte – wie die Broschüre „Frau. Mann. Und noch viel mehr.“ Darin ist dann zu lesen:

„Mein Name ist Uli.
Ich bin mit einem Penis geboren.
Viele Menschen glauben,
dass ich mich wegen meinem Penis als Mann fühle.

Bei mir ist das aber nicht so!
Sondern so:
Ich bin Uli.
Ich habe einen Penis.
Ich fühle mich als Frau.
Also bin ich eine Frau.
Nicht mein Penis sagt mir, wer ich bin,
sondern mein Gefühl.“Oder das Pride-Paket für Jugendgruppen und Schulklassen des Österreichischen Jugendrotkreuzes, ein vom Bundeskanzleramt gefördertes Projekt zu „Queerfeindlichkeit und Regenbogenkompetenz“, in dem über die „Vielfalt an Geschlechtsidentitäten“ aufgeklärt wird.

Oder auch die Initiative FLAGincluded der HOSI Wien (gefördert von der Stadt Wien), die mit Schulen in Österreich daran arbeitet, „LGBTIQ+ Flaggen“ zu hissen. Auch an Volksschulen.

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Ein weiterer Link führt zu einer Seite des deutschen Verbands „Queere Vielfalt“, auf der es explizit um die Vermittlung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt bereits an der Grundschule geht. Mit immerhin sehr offenen Antworten darauf, warum das Thema dort (bislang) kaum vorkommt: Lehrkräfte würden berichten, dass es kein altersgerechtes Material gebe. Und es bestehe die Befürchtung, „dass es Widerstände seitens der Eltern geben würde“.

Zumindest für das erste Hindernis scheint die Bildungsdirektion Wien Abhilfe gefunden zu haben: Unter den „sofort einsetzbaren Unterrichtsmaterialien“ für die Primarstufe, also für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren, findet sich eine sogenannte „Genderbox“, erstellt von der Steuergruppe Geschlechtergerechtigkeit der Bildungsdirektion Wien. Dazu gibt es für jeden Bezirk auch eine mit den empfohlenen Kinderbüchern befüllte Plastikbox, die von Schule zu Schule weitergegeben wird. Unter anderem mit dem Buch „Alle Körper sind toll“, das der Verlag für Kinder ab 3 Jahren empfiehlt und begeistert bewirbt: „Wie in einem Wimmelbuch gibt es bei jedem Vorlesen neue Details zu entdecken. Egal ob Personen mit oder ohne Behinderung, trans, inter oder cis – es werden sich ganz viele Menschen in diesem tollen Buch wiederfinden können.“

Tatsächlich gibt es in dem Buch einiges zu entdecken: etwa die Normalisierung von Mastektomie-Narben, also Brustentfernungen bei jungen Frauen, oder die Darstellung nackter Männer mit Penis und Brüsten in der Dusche.

Von Vielfalt zu Queer-Pädagogik

Kinder im Volksschulalter befinden sich nicht auf der Suche nach sexuellen Identitäten. Sie brauchen einen respektvollen und realitätsbezogenen Rahmen, in dem sie Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, Neugier und Freundschaften pflegen und eine geschützte Kindheit erleben können. Die Vorstellung, die Schule müsse Sechs- oder Achtjährige bei ihrer „Identitätsfindung“ begleiten, ist eine politische Entscheidung und ideologische Ausweitung ihres Auftrags. Kinder brauchen Klarheit – und die meisten Eltern wissen das. Kinderschutz braucht Klarheit. Benennen zu können, dass es zwei Geschlechter gibt. Dass Männer in Frauenräumen und Burschen in Mädchenräumen nichts zu suchen haben. In WCs, Umkleiden, Duschen. In der Schule, in Jugendzentren, auf Klassenfahrten. Das geht nicht mit Verunsicherung und dem Glauben an einen magischen Wechsel des Geschlechts durch einen Sprechakt. Kinder sind leicht beeinflussbar und vertrauen – ebenso wie ihre Eltern – darauf, dass das, was die Schule ihnen vermittelt, den Tatsachen entspricht. Gerade deshalb sollte gegenüber politischer Vereinnahmung besondere Zurückhaltung gelten. Stattdessen bringt die Bildungsdirektion Queer-Ideologie aktiv in die Volksschule.

Eltern vor vollendeten Tatsachen

Eltern haben nach dem Schulunterrichtsgesetz zwar das Recht auf „Stellungnahme bei der Wahl von Unterrichtsmitteln“. Viele von ihnen dürften aber kaum ahnen, welche Bücher, Materialien, Workshops und externen Organisationen die Bildungsdirektion in Wien empfiehlt.

Zweifelsohne sind Schulen Orte des gemeinsamen Lernens und Zusammenlebens. Sie sollen Kinder vor Mobbing und Übergriffen schützen und einen respektvollen Umgang vermitteln. Öffentliche Stellen wie die Bildungsdirektion tragen dafür Verantwortung. Sie müssen die Bedürfnisse der Kinder und die Erziehungsentscheidungen der Eltern im Blick behalten, statt den Bildungsauftrag in den Dienst transaktivistischer Lobbys zu stellen.
Die Aufgabe der Volksschule ist nicht, Erstklässler auf eine Reise durch queere Welten zu schicken. Vielleicht wäre es schon ein ehrgeiziges Ziel, wenn am Ende der Volksschule jedes Kind flüssig lesen, schreiben und rechnen könnte. Für die Identitätssuche bliebe dann noch reichlich Zeit.

Faika El-Nagashi ist Direktorin des Athena Forum (athena-forum.eu) und ehemalige Nationalratsabgeordnete. X: @el_nagashi