Eine Möglichkeit Andreas Babler an seinen Handlungen und nicht an seinen Worthülsen zu messen, eröffnet seine Rolle rund um die Betreuungsstelle Ost in Traiskirchen während der Flüchtlingsbewegung 2015. Babler war damals Bürgermeister und ich als Leiter der Betreuungsstelle Traiskirchen war gezwungen mit ihm zusammenzuarbeiten. Daher habe ich reale Erfahrung mit ihm, wie er spricht, wie er handelt und wie er in einer komplexen Organisationskette mit mehreren Akteuren agiert.

Zwischen Zuständigkeit und politischer Selbstdarstellung

Babler verweist regelmäßig auf seine Zeit als Bürgermeister von Traiskirchen und erweckt dabei den Eindruck, maßgeblich für die Zustände in der Betreuungsstelle verantwortlich gewesen zu sein. Fakt ist jedoch: Die Einrichtung unterstand dem Innenministerium, nicht der Gemeinde. Als Bürgermeister hatte er dort keine operative Zuständigkeit.

Zutritt erhielt er nur im Rahmen offizieller Sicherheitsbesprechungen, da er ein Zutrittsverbot wegen seiner medial-öffentlichen Hetzereien gegen die Einrichtung und das Innenministerium hatte. Die Sicherheitsbesprechungen hatten vor allem den Sinn des gedeihlichen Miteinanders und nicht des Spaltens aller Beteiligten zur Bewältigung der Gegebenheiten. Dies war Vorgabe der damaligen Innenministerin, Johanna Mikl-Leitner. Auch hier trat Babler nicht für das Miteinander in der Sache, sondern als medialer Spaltkeil zu seinem Vorteil auf. Sein Gewinn war das Erlangen seiner öffentlichen Bekanntheit. Dass Spalten heutzutage zum Erfolg führen kann, zeigt die erlangte Rolle Bablers als Vizekanzler.

Babler beginnt seine Ordnungsabsicht mit Verweis auf seine Praxis und einer Lüge. Nämlich, dass er als Traiskirchener Bürgermeister dafür gesorgt hätte, dass das „Lager“ in Ordnung kommt. Er berichtete weiter und lügt dabei, dass er die Bilder einer Wiesengeburt nie vergessen werde. Diese Wiesengeburt hat es nie gegeben. Ich sage es deutlich: hier lügt Babler. Gelassen warte ich darauf geklagt zu werden.

Auch schwer wiegt Bablers Aussage in einem Interview mit der Zeitung Die Presse vom 31. August 2025. Darin sprach Babler von 6.500 Menschen, die zum Jahreswechsel 2014/2015 nicht ausreichend versorgt worden seien. Nach offiziellen Zahlen lag der Belagsstand zu diesem Zeitpunkt jedoch bei unter 1.700 Personen. Selbst am Höhepunkt im August 2015 wurden rund 4.740 Menschen gezählt. Die Diskrepanz ist erheblich, aber typisch für ihn. Zwischen Sein und Schein, zwischen Tatsache und Wort des Andreas Babler liegen meist Welten. Babler beherrscht die Verzerrung der Wirklichkeit perfekt und fügt sich gut ein in einen von der anderen Seite des Atlantiks verstärkten Trend. Wenn der Zeitpunkt der Wahrheit gekommen ist, dann gibt es bei manchen nur mehr eines: Lügen, lügen, lügen.

Wenn politische Narrative die Realität überlagern

Ebenso wenig gibt es Beweise für systematische Versorgungsengpässe in dem Ausmaß, das Babler über Jahre hinweg schilderte. Ganz im Gegenteil liegen Berichte von Prüfungen durch Landesbehörden sowie internationalen Organisationen vor, die der Einrichtung – bei allen strukturellen Herausforderungen – keine dramatischen Missstände attestierten. Eine Einrichtung dieser Größe wird nie perfekt sein. Doch politische Bewertung darf nicht mit Dramatisierung verwechselt werden. NGOs wie die Caritas und namentlich vor allem Klaus Schwertner haben damals die Zustände bewusst dramatisiert, um mehr Spenden zu generieren.

Alle Zahlen, die auch Babler jede Woche schriftlich mit dem Sicherheitsbesprechungsprotokoll übermittelt bekam, liegen im Archiv des Innenministeriums auf. Auch Prüfungsergebnisse durch Landesbehörden und internationale Organisationen finden sich in diesen Archiven.

Gerade in aufgeheizten Zeiten braucht es eine nüchterne Aufarbeitung. Wenn politische Akteure rückblickend starke Bilder und hohe Zahlen verwenden, sollten diese überprüfbar sein. Andernfalls entsteht der Eindruck, dass Narrative wichtiger sind als Fakten, dass Falschmeldungen zu den neuen Tatsachen werden. Dies darf nicht passieren.

Wer „Ordnung“ verspricht, sollte mit der eigenen Darstellung der Vergangenheit beginnen. Wiederholte falsche Behauptungen ersetzen keine belegbaren Tatsachen. Eine unabhängige historische Aufarbeitung der Ereignisse rund um 2015 könnte helfen, offene Fragen zu klären – im Interesse der politischen Redlichkeit und des öffentlichen Vertrauens. Diesen Job sollte eine unabhängige Historikerkommission übernehmen.

Franz Schabhüttl, vormals langjähriger Leiter des BS Ost in Traiskirchen und  Bestsellerautor. Aktuelles Buch „Grenzenloser Zustrom. Wie Asyl und Migration Österreich verändern“

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