Kürzlich standen die Grünen an einem Straßenrand und verteilten kostenlose Umarmungen. An sich vielleicht nicht überraschend, es hätte sich schließlich um Bäume handeln können. Statt Umweltpolitik ging es aber wieder einmal um gesellschaftspolitische Grenzverschiebungen, diesmal bei der Linz Pride, wo der oberösterreichische Landessprecher Stefan Kaineder und die ehemalige Justizministerin Alma Zadić im Freudetaumel „Free Dad Hugs” und „Free Mum Hugs“ verteilten. Vorbeikommende durften sich umarmen lassen, die Social-Media-Abteilung hat es gefreut.

Kostenlose Umarmungen für Kinder und Jugendliche wirken in der Inszenierung vielleicht warmherzig und nahbar, sind letztlich aber grenzwertige Showpolitik. Es gibt keinen Grund, warum Politiker – oder auch Politikerinnen – für Kinder und Jugendliche emotionale Bezugspersonen sein sollten. Im Gegenteil: Statt Ersatzvater oder Ersatzmutter zu spielen, sollte die Politik Familien stärken und nicht symbolisch deren Platz einnehmen, weder als „strenger Vater“, noch als „fürsorglicher Elternteil“. Das ging noch nie gut. Gerade die Grünen wissen, wohin Grenzverwischungen im Umgang mit Kindern führen können.

Lädt...

Ausgerechnet die Grünen

Bei einer Symbolik, die Erwachsene in die Rolle von Ersatzeltern gegenüber fremden Kindern rückt, wäre besondere Zurückhaltung geboten. Die Geschichte ihrer deutschen Schwesterpartei zeigt, wohin ideologische Blindheit beim Thema Kinderschutz führen kann. Tatsächlich geht es auch nicht um Umarmungen, sondern die politische Inszenierung moralischer Überlegenheit. Die Botschaft dahinter ist besonders perfide. Vorgeblich soll Kindern und Jugendlichen – klassischerweise lesbisch oder schwul – die von ihren Familien verstoßen oder abgelehnt werden, die Hand gereicht oder sogar eine Ersatzfamilie angeboten werden. Im Zusammenhang mit dem derzeitigen Leibthema der Queer-Aktivisten wird aber deutlich, welche politische Story eigentlich erzählt werden soll: Geht es nach den Grünen und den einschlägigen NGOs, können Kinder und Jugendliche wundersamerweise im falschen Körper geboren sein und sollen – bei Strafandrohung – von allen darin bestätigt werden, inklusive ihrer Eltern und anderer Familienmitglieder wie Großeltern oder Geschwister.

Queer-Politik statt Kinderschutz

Die Symbolik ist kein Zufall und fügt sich in eine politische Kampagne ein. Dass die ÖVP diese fahrlässige Ideologie immer noch standhaft blockiert und auch die NEOS nicht mehr ganz so bei der Sache zu sein scheinen, ist dem Queer-Aktivismus von Rot und Grün ein Dorn im Auge, zumal ihnen nach dem Ende des Pride-Monats Juni das Momentum verloren gehen könnte. Umso intensiver versuchen sie, den Kern des von ihnen gewünschten Verbotsgesetzes zu verschleiern: die Forderung, Kinder und Jugendliche in Bezug auf die Unveränderbarkeit ihres Geschlechts zu belügen.

Dass die Grünen sich nun mit ihren Ersatzeltern-Umarmungen direkt an Kinder und Jugendliche wenden, passt nahtlos zu ihrer Erzählung, die vom Mainstream der Medien gerne ungefiltert übernommen wird. So brachte der ORF Report erst dieser Tage einen Bericht über „das verschleppte Verbot“: „Sie sind gefährlich, sie passieren im Verborgenen und doch sind sie nicht verboten: Konversionstherapien, also die versuchte Veränderung der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität durch mehr oder weniger seriöse Behandlungsmethoden.“ Sachlich ist an so einer Darstellung gar nichts. Ehrlicherweise sollte zumindest erwähnt werden, dass es bei diesen Verboten ausschließlich um Minderjährige geht, denen glaubhaft gemacht wurde, Buben könnten zu Mädchen werden und umgekehrt.

Nach dieser Logik also: angeblich rückwärtsgewandte, bigotte Eltern, die ihre Kinder noch als das Geschlecht sehen, als das sie zur Welt gekommen sind und ihre körperliche Unversehrtheit zumindest bis zur Volljährigkeit schützen möchten. Versus: ein ganzer Apparat – NGOs, Trans-Kliniken, queere Forschungsprojekte, Medien und Parteien – die auf vielfache Weise davon profitieren, Transidentität zur Front im Kampf Gut gegen Böse zu machen.

Lädt...

Erst kürzlich fand die schwedische Ärztin und Professorin Agnes Wold klare Worte über das Experiment mit unglücklichen Jugendlichen – eine Frankensteinmedizin, die auf dem sogenannten „Dutch Protocol“, einem in den Niederlanden entwickelten Verfahren, beruht. Wold beschreibt, wie es dazu kommen konnte, dass die Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die mit ihrem Geschlecht hadern, mit Hormonen und Operationen zum medizinischen Standard wurde. Das Konzept der Pubertätsunterdrückung wurde in den 1990er-Jahren maßgeblich von der niederländischen Psychologin Peggy Cohen-Kettenis entwickelt. Sie hielt es für grausam, dass junge Menschen, die unter ihrem Geschlecht litten, so lange auf medizinische Eingriffe warten mussten. Bis zur Volljährigkeit nämlich. Außerdem wäre es ästhetisch ansprechender, wenn die Geschlechtsumwandlung vor der Pubertät stattfände. Männer, die Frauen werden wollten, würden dadurch eine tiefe Stimme und männliches Haarwachstum vermeiden. Größere Täuschungsmöglichkeit also und weniger maskulin wirkende Männer, je jünger die Eingriffe stattfinden können.

Besonders vehement wird diese Forderung von jenen Männern vertreten, die sich als Frauen fühlen und selbst erst nach der Pubertät Zugang zu medizinischen Eingriffen hatten, wodurch sie sich nun entsprechend auffällig durch Frauenräume bewegen. Wieso allerdings sollten wir den Wünschen einiger Männer folgend den Schutz von Kindern und Jugendlichen aufgeben? Auch das hatten wir in der Vergangenheit schon, gelernt zu haben scheinen die „progressiven“ Parteien nicht daraus. Kampagnengruppen wie aufstehn.at versuchen dennoch unbeirrt, Druck aufzubauen und jede Gegenposition als „Gewalt“ zu skandalisieren.

Sie haben die Rechnung allerdings ohne die Eltern und Familien gemacht, die es satthaben, als Faschisten abgekanzelt zu werden, weil sie sich um ihre Kinder sorgen. Eltern, die verzweifelt versuchen, ihre Kinder vor medizinischen Eingriffen zu schützen, die lebenslange Folgen mit sich bringen, und die erleben, wie Schulen, NGOs, die Sozialarbeit, die Kinder- und Jugendhilfe und sogar Familiengerichte die Beziehung zu ihren Kindern untergraben.

Das Letzte, was sie brauchen, sind Politiker, die Ersatzeltern spielen, statt Gesetze zu machen, Schulen zu organisieren und den Kinderschutz zu gewährleisten.

Faika El-Nagashi ist Direktorin des Athena Forum (athena-forum.eu) und ehemalige Nationalratsabgeordnete. X: @el_nagashi

Lädt...