Es ist ein Trend, der alle paar Monate wieder hochkocht, angeheizt von den immer gleichen Social-Media-Debatten: Mutterschaft als Zumutung, Kinder als Belastung, das eigene Leben als Kollateralschaden der Familienplanung. Zuletzt durfte eine jener Influencerinnen, die “Regretting Motherhood” seit Jahren propagieren, ihre Botschaft auch im ORF verbreiten. Ihre Aussage: Sie liebe ihre Kinder zwar, bereue die Mutterschaft aber trotzdem. In einem ihrer Reels schreibt sie unverblümt: “Ich hasse es, Bezugsperson Nummer Eins für meine Kinder zu sein.“

Die eigenen Kinder bereuen

Eine andere Influencerin, „hey.ivona“, geht noch einen Schritt weiter. Sie postet regelmäßig bedrückende Inhalte auf Instagram, in denen sie öffentlich über ihre Kinder und die eigene Mutterschaft herzieht. Nicht im Verborgenen, nicht anonym – öffentlich und für alle sichtbar, inklusive natürlich auch der eigenen Kinder, die das eines Tages lesen werden. In einem ihrer Beiträge spricht sie sogar davon, dass sie ihre Kinder nicht noch einmal bekommen würde, wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte.

Mutterschaft als etwas Rückständiges?

Und genau diese Frauen werden plötzlich in alle möglichen TV-Formate eingeladen. In denselben linken Mainstream-Sendern, in denen man ihnen regelmäßig applaudiert, weil sie “endlich den Mut hätten, das auszusprechen”. Mutig ist daran allerdings herzlich wenig. Denn es gehört seit Jahren zum guten Ton in pseudofeministischen und linken Kreisen, Mutterschaft ausschließlich als etwas Negatives, Bedrückendes und letztlich Rückständiges zu inszenieren.

Mutterschaft wird in diesen Kreisen längst nicht mehr als das gefeiert, was sie ist – eine der schönsten menschlichen Erfahrungen überhaupt. Sie wird zur nervigen Bürde umgedeutet, zur lästigen Fußnote in der eigentlichen Lebensgeschichte einer Frau. Kinder? Nur noch ein mühsames Anhängsel, das der wahren Aufgabe – der permanenten Selbstoptimierung – im Weg steht.

Selbstinszenierung auf dem Rücken der Kinder

Über die Folgen für die Kinder selbst verliert dabei niemand ein Wort. Diese Frauen inszenieren sich öffentlich auf Kosten ihrer eigenen Kinder und hinterlassen ihnen einen Stempel, der für immer bestehen bleibt: Ich wünschte, ich hätte euch nie bekommen. Wie traumatisch es sein muss, das später – nachlesbar, dokumentiert, für alle Zeit im Netz – vorzufinden, kann man sich nur ausmalen.

Trends wie “Regretting Motherhood” sind kein Ausdruck von Mut oder Ehrlichkeit. Sie sind ein trauriges Symptom. Ein Beleg dafür, auf welch fatalen Pfaden wir als Gesellschaft angekommen sind, wenn ausgerechnet die, die ihre eigenen Kinder öffentlich zur Last erklären, als Vorbilder gefeiert werden – und die schönste menschliche Erfahrung, die es gibt, zur grauenvollen, veralteten Pflichtübung degradiert wird.