Die Schuldfrage ist egal. Es zählt nur das lustvolle Zelebrieren des Spektakels der scharfrichterlichen Aburteilung des Trägers eines ungeliebten Geschlechts. Der „alte weiße Mann“ ist heute der bevorzugte Watschenmann des woken Mobs. Wann und wo immer die Woken können, fallen sie als Gesinnungshorde über ihn her. Und es wird mit ihm verfahren wie einst im Mittelalter mit unschuldigen Frauen, die man des Paktes mit dem Teufel bezichtigt hat. Er wird ausgelöscht. Das Mittelalter ist kein schlechter Vergleich, wenn wir über unsere Gegenwart sprechen, denn sie ist nur äußerlich dem Mittelalter fern. Was Werte und Einstellungen betrifft, ist Europa längst weit hinter die Aufklärung zurückgefallen. „Sapere aude“, der Leitspruch Kants, ist mausetot. An seine Stelle ist die Maxime „Mein Wille geschehe, auch wenn die Welt davon untergeht“ getreten. Die Relativität des eigenen Standpunktes wird nicht mehr bedacht. Wie in Erz gegossen werden Richtig und Falsch einander gegenübergestellt und das rituell zum Falschen Erklärte auf den immer brennenden Scheiterhaufen eines kleinbürgerlichen Moralismus geworfen. Zuletzt wurde ein Teilnehmer der Palästina-Flotte öffentlich abgeurteilt. Dem Brasilianer wurde vorgeworfen, während der Seefahrt mit mehreren Frauen Sex gehabt zu haben. Selbst als die Frauen beteuerten, für sie sei alles, was passiert ist, in Ordnung gewesen, ging die Hetzjagd weiter. Offenbar wird jetzt schon der einvernehmliche Sex zum Missbrauch, wenn ein „weißer Mann“ daran mitwirkt.
Weißmann am Marterpfahl des woken Tribalismus
Als ich in den 1960er Jahren ein Kind war, haben wir gerne Indianer und Cowboy gespielt. Alle wollten immer zu den Indianern gehören, die langweilige Cowboyrolle war ungeliebt. Die exotische Anziehungskraft des naturnahen Ureinwohners war offenbar zu stark. Am Ende wurde immer einer der Cowboys an den Marterpfahl gebunden und dieser wild johlend umtanzt. Genau so geht es gerade in den Medien zu. Als wären die drolligen Linksjournalisten ins infantile Indianertum regrediert, umtanzen sie gerade wild grölend den an den Marterpfahl seiner Vorverurteilungen gebundenen Ex-Generaldirektor Weißmann. Was zwischen ihm und dem „Opfer“ seiner angeblichen sexuellen Übergriffe nun tatsächlich vorgefallen ist, hat kein Gericht bisher festgestellt. Dem Compliance-Gremium des ORF jedenfalls erschien der kommunikative Austausch der beiden „von keiner Seite unerwünscht“ gewesen zu sein. Obwohl die Sache noch immer diffus ist und weiterhin aufklärungsbedürftig erscheint, geht der wahngesteuerte Kreuzzug gegen Weißmann weiter. Wie einst im Mittelalter, wo es ja auch den Beteiligten nicht um die Schuld der Opfer ging, sondern um das sadistische Spektakel, das man zum Vergnügen aller veranstalten konnte. So gesehen spielt die Causa Weißmann nicht in einer aufgeklärten Gegenwart, sondern Mitte des 18. Jahrhunderts, als man den Königsattentäter Damiens öffentlich vierteilte und den hoch erregten Damen im Publikum mehrfach das Riechfläschchen gereicht werden musste, um sie vor der aufkommenden Ohnmacht zu bewahren.
Die zweite Hinrichtung des Roland Weißmann
Der Falter, ein amoralisches Boulevardmedium, das sich geschickt den Anschein des Qualitätsmediums gibt, reitet gegenwärtig an der Spitze des Inquisitionszuges. Tatsächlich ist der Falter eine Publikation, die unter dem Applaus des links-totalitären Antifa-Publikums gerne in der Rolle des Meinungsscharfrichters auftritt. Wenn es um die öffentliche Inszenierung eines “bürgerlichen Todes” geht, dann ist der Falter immer vorne dabei. Jetzt führt uns das umstrittene Medienkartell rund um den ORF, in dem der Falter die höchste moralische Instanz ist, gerade den zweiten Aufguss der Hinrichtung von Weißmann vor. Das rot-schwarze Stiftungsrat-Duo hat ihn beim ersten Mal erledigt, wahrscheinlich nur aus Ungeschicklichkeit, so wie die spielenden Kinder, die Steine werfen und damit den zufällig dasitzenden Frosch erschlagen. Aber leider ist der Typ wieder aufgestanden. Deshalb geht es jetzt ein zweites Mal zur Sache. Nun rückt die geballte kleinbürgerlich-illiberale Medienphalanx in toto aus, um das vom Boden aufzuwischen, was die Stiftungsräte von dem armen Hund noch übrig gelassen haben.
Geheime Chatverläufe exklusiv für den ORF-Beuteclub
Es ist ja ohnehin schon ein Skandal, dass der ORF die Chat-Kommunikation zwischen Weißmann und seiner umstrittenen Geliebten (oder Nicht-Geliebten) ganz gezielt nur an bestimmte Medien weitergegeben hat. Medien werden vor aller Augen ungleich behandelt, vom milliardenschweren Meinungsmoloch am Küniglberg, den wir alle finanzieren dürfen, ob wir wollen oder nicht. Und niemand erhebt seine kritische Stimme. Warum? Alle relevanten medialen Stimmen sind von der Medienförderungsmaschine abhängig. Sie haben Angst, von den Förderungslisten heruntergekürzt zu werden. Der Fall Weißmann zeigt uns, dass es in Österreich weder Meinungsfreiheit noch Medienfreiheit gibt. Ergreift ein Mensch für eine unerwünschte Meinung Partei, dann droht ihm der “bürgerliche Tod”, berichtet ein Medium unerwünschte Inhalte, dann ereilt es der “mediale Tod”. Das Sagen hat ein Kartell von manipulativen Meinungsmachern. Es bestimmt, was gesagt werden darf und was nicht.
Einer der größten Medienskandale der Zweiten Republik
Was hier mit Weißmann gerade gemacht wird, ist für mich einer der größten Medien- und Menschenrechtsskandale der zweiten Republik. Es wird ein “alter weißer Mann” gezielt auf den öffentlichen Richtplatz geschoben, um das Sodom und Gomorrha im ORF hinter dem Hinrichtungsspektakel zu verbergen. Dieses Sodom und Gomorrha besteht aus Stiftungsräten, die möglicherweise illegitime Geschäfte betreiben, aus ORF-Generaldirektoren, die ihren Nachfolgern Millionenzusagen über zusätzliche Pensionen hinterlassen, aus unseriösen Machtspielern, die einen Generaldirektor fertig machen, weil er nicht so spurt, wie sie wollen, aus einem klandestinen Drogenclub der Spitzenverdiener, einem Sportchef, der suspendiert wurde und wahrscheinlich noch immer zu Spitzenbezügen spazieren geht, und einem Chef der ORF-Enterprise, der still und leise abberufen wurde und niemand bis heute wissen darf, warum, und der möglicherweise auch weiter kassiert. Für die Behandlung aller sonst noch existierenden ORF-Skandale und ihre Exponenten gelten andere Spielregeln als für Roland Weißmann. Während Weißmann erbarmungslos der Folter der medialen Säurespritzer überlassen wird, werden sonstige Sondervertragsprivilegierte, Koksnasenbären, Leistungsverweigerer und übergriffige Charmeure mit Glacéhandschuhen angefasst.
Ceterum censeo
Österreich ist nicht mehr auszuhalten. Kein Wunder, dass der Bundeskanzler in der Vorwoche nach Indien geflüchtet ist, sein Vize nach Barcelona und die Außenministerin irgendwohin ins Ausland oder nach Bad Aussee. Aber was ist mit uns, den souveränen Bürgern? Wir können nicht alles stehen und liegen lassen und auf und davon laufen. Wir sitzen im Kerker unserer privaten und beruflichen Verpflichtungen. Wir müssen bleiben. Wir haben nicht einmal das Privileg, spontan vorübergehend ins Ausland flüchten zu können, wenn uns die Herdplatte, auf der wir zu stehen gezwungen sind, zu heiß geworden ist. Ich habe genug von der Kultur, den Medien, den mafiösen Rackets dieses Landes. Man hat Tag und Nacht nur mehr einen Gedanken: ICH WILL HIER RAUS! Oder ist alles doch nur ein böser Traum, der mich quält, und ich wache schon bald in einer Wirklichkeit auf, in der Stocker Vizebürgermeister von Wiener Neustadt, Babler Bürgermeister von Traiskirchen, Beate Meinl-Reisinger Clubobfrau der Neos im Parlament und Herbert Kickl Bundeskanzler ist?


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