Das gegen Ende des 15. Jahrhunderts erschienene Buch war eine Handreichung für kirchliche Inquisitoren und weltliche Gerichte. Obwohl der Text viele Bibelzitate enthält, ist es ein frei erfundenes böses Machwerk.

Zu Beginn der Neuzeit nahm der Hexenwahn Fahrt auf, wobei der Hauptschauplatz das „Heilige römische Reich deutscher Nation“ war. Dieses Reich war weder heilig noch römisch noch deutsch, aber das ist ein anderes Thema. Der Dominikanermönch Heinrich Kramer, der erstmals in Ravensburg als Hexenverfolger aufgetreten war, versuchte seine Jagd in Innsbruck weiterzuführen, scheiterte aber am Bischof von Brixen. Daraufhin schrieb er unter Mithilfe der Inquisitoren Jakob Sprenger und Johannes Gremper den Hexenhammer und hoffte, mit seinem gedruckten Regelwerk die Hexenjagd so richtig in Gang bringen zu können. Das geschah tatsächlich.

Sexualneurosen

Der Hexenhammer wurde von Sexualneurotikern geschrieben. Es wimmelt nur so von Frauen, die Männer kastrieren, Hebammen, die Kinder ermorden, und erotischen Szenen, bei denen der Teufel mitspielt („Succubi und „Incubi“). Mehrmals ist von verbotenen Samentransporten die Rede. Leihmütter wären demnach Opfer der Hexenjagd geworden, wenn es sie damals gegeben hätte.

Millionen Todesopfer

Die Zahl der Opfer der Hexenhinrichtungen ist unbekannt, da viele Dokumente verloren gingen. Die Schätzungen reichen von mindestens zehn bis ungefähr dreißig Millionen Frauen, wobei auch Männer, die für Hexer gehalten wurden, zu den Opfern zählten. Die Höhepunkte der Verfolgungen gab es zwischen 1550 und 1650 im Bereich des heutigen Deutschlands. Der letzte deutsche Hexenprozess mit einem Todesurteil fand 1775 in Kempten gegen die junge Anna Maria Schwegelin statt.

Es brauchte nicht viel, um als Hexe angeklagt zu werden. Ein hasserfüllter Nachbar denunzierte eine missliebige Person, die verhaftet und gefoltert wurde. Im Hexenhammer werden Richter ermahnt, Zeugen seien so lange zu befragen – in Wahrheit zu drangsalieren –, bis diese „gestehen“ würden. Das unter Folter erzwungene „Geständnis“ führte meist zu weiteren Verhaftungen mit nachfolgenden Verbrennungen oder Köpfungen.

Maria Theresia war die erste Herrscherin, die Hexenprozesse erschwerte. Danach brachen die Verfolgungen zusammen. Kaiser Joseph II. ging noch weiter. Mit seinen Justizreformen und der Abschaffung der Folter entzog er Hexenprozessen die rechtliche Grundlage. Im Strafgesetzbuch von 1787 war Hexerei kein Straftatbestand mehr.

Hexenjagd

Heute erleben wir eine Renaissance der Hexenjagd. Die Hexen des 21. Jahrhunderts sind „Faschisten“. Anders als in den meisten europäischen Demokratien leistet sich Deutschland mit dem Verfassungsschutz einen Inlandsgeheimdienst, der nicht nur der Aufklärung von Straftaten oder der Abwehr terroristischer Gefahren dient, sondern auch den Auftrag hat, Informationen über Personen zu sammeln, die unter Umständen verfassungsfeindlich sein könnten. Diese aufgeladene Situation hat zu grotesken Auswüchsen geführt.

Heute gibt es in Deutschland jede Menge Hexenjäger-NGOs, die vermeintliche „Faschisten“ jagen und Veranstaltungen der AfD stören. Erst kürzlich gab es einen fehlgeschlagenen Versuch, einen Parteitag der AfD zu verhindern. Im Sommer 2025 störte eine grindige Aktivistengruppe ein TV-Sommergespräch von Alice Weidel durch laute Abspielung eines Liedes unter Missbrauch der Melodie des Sterzinger Andachtsjodlers. Es ist noch in guter Erinnerung, als die dubiose Gruppe „Correctiv“ über ein Treffen in Potsdam im November 2023 falsche Behauptungen in die Welt setzte. Die von SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert erfundene Formulierung „Wannseekonferenz 2.0“ wurde anschließend von Politikern und Medien verwendet. Nach Gerichtsurteilen dürfen die Meldungen von Correctiv als falsch bezeichnet werden.

Spitzel und Zeugen

Die Aufgaben der deutschen Meldestellen gegen Hass und Hetze, der „Trusted Flaggers“ sowie diverser Denunzianten-NGOs ähneln den Anweisungen im Hexenhammer, der immerhin ein halbes Jahrtausend alt ist. Dort wird genau angegeben, wie nach Spitzeln und Zeugen zu suchen und wie mit ihnen umzugehen ist. Bei den Hexenprozessen ging es nicht nur um die Offenlegung von Hexenkünsten. Den Denunzianten ging es viel eher um die Vernichtung verhasster Personen samt Aneignung ihrer Besitztümer.

Bei der fanatischen Jagd nach „Demokratiefeinden“ und „Faschisten“ spielen ähnliche Absichten eine Rolle. Es geht weniger um den Schutz „unserer Demokratie“, sondern um staatlich gefüllte Geldtöpfe. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich manche Parteien ein aufgeblähtes Netzwerk an staatlich finanzierten NGOs und Vorfeldorganisationen einschließlich wohlgesonnener Medien zugelegt. Das alles ist in Gefahr, wenn rechte Parteien stärker werden. Es geht also wie immer um Kies, Knete und Kohle und die Angst vor deren Verlust.

Jede Frau konnte vor Jahrhunderten Opfer eines Hexenjägers werden. Fakten spielten keine Rolle, sondern nur Hass und Gier. Auch heute kann jeder als „Faschist“ diffamiert werden. Wenn dieser Trend weitergeht, werden irre Hexenjäger immer mehr Leute denunzieren, was zu einem Zusammenbruch des Polizei- und Justizapparats führen könnte. Leider ist kein Kaiser in Sicht, der in der Lage wäre, diesen Aberwitz zu beenden.