Keine andere Partei ist weiblicher. Nahezu zwei Drittel der grünen Bundestagsabgeordneten sind Frauen, keine andere Partei hat mehr weibliche Mitglieder und auch die Wählerschaft ist mehrheitlich weiblich. Auch die Männer, die bei den Grünen Karriere machen, haben eine starke feminine Seite, punkten mit weiblichen Tugenden. Die Biographien vieler grüner Politiker, etwa von Robert Habeck oder des männlichen Co-Chefs der Grünen, Felix Banaszak, könnten ebenso gut von Frauen stammen: Zivildienst, geisteswissenschaftliches Studium, Kinderbuchautor etc.

Als linke Frauenpartei sind die Grünen für einen ganz bestimmten Männertypus attraktiv: Für Männer, die sich vor allem in weiblichen Milieus und staatlich geschützten und finanzierten Bereichen bewegen und männlich dominierte Sphären meiden: Privatwirtschaft, Technik, Industrie, Militär, Unternehmertum etc.In diesen männlichen Domänen sind Frauen und Grüne deutlich unterrepräsentiert bis nicht existent.

Die Grünen sind eine Frauenpartei, ihre Programmatik basiert auf weiblichen Prinzipien, ihre Politik ist ganz auf die Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet: vor allem auf das Soziale und auf den Ausbau eines alles umfassenden und bestimmenden Nanny- und Umverteilungsstaates, der die von den Linken zerstörten Familienstrukturen ersetzen soll.

Der Staat als neue Überfamilie, von dem die grünen Frauen träumen, erfüllt Funktionen und Aufgaben, die einst im Privaten, vom Familienverband wahrgenommen wurden: Schutz, Versorgung, Geborgenheit, Sicherheit, Wärme. Dass der Staat, den die Grünen als politisch und medial dominante Partei der letzten Jahrzehnte geprägt haben, wesentlich autoritärer und repressiver ist als der angeblich so toxische Familienvater, dass die Frauen nun von einem übergriffigen Staatsapparat abhängig sind, von dem man sich nicht einfach scheiden lassen kann, ist kein Paradoxon, sondern logische Folge linksfeministischer Politik.

Bis in die 1970er wählten Frauen mehrheitlich Parteien, die konservative Werte vertraten und sich für die Rechte der Familie einsetzten. Die Frauen wanderten erst mehrheitlich ins linke Lager ab, als der sozialistische Staat die Familienstrukturen zerstört hat und zum neuen Orientierungspunkt und Sicherheitsnetz für Frauen wurde.

Die Feministinnen und die grün-linken Frauen haben den Ehemann durch einen links-autoritären Kontroll- und Überwachungsstaat ersetzt. Sie haben sich, gemeinsam mit ihrem verweiblichten männlichen Anhang – Freiheit ist für dieses Milieu keine relevante Kategorie – in die Obhut dieses Staatsapparates begeben. Ihre Lebensentwürfe sind ganz auf die staatlichen und staatsnahen Strukturen ausgerichtet. Das Umfeld, in dem sich Frauen und grüne Männer bewegen und leben, sind Ämter, Behörden, Kultur, NGOs, Universitäten, Medien, der Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich etc. All jene Bereiche also, die direkt oder indirekt vom Staat finanziert werden und die vom freien Markt abgetrennt und geschützt sind.

Für Frauen ohne familiäre Strukturen ist das ein nachvollziehbares und natürliches Verhalten. Männer hingegen, die sich vor allem in weiblichen Milieus bewegen, in weiblichen Mustern denken und weibliche Verhaltensweisen an den Tag legen, gelten – zu Recht – als unmännlich, sind Außenseiter.

Ein ideologisches Auslaufmodell

Nur solange die Linke mit ihrer politischen Macht, ihrer Diskurs- und Meinungshoheit ihre Männlichkeitsbilder über Politik, Medien und Kultur prägen und der Staatsapparat solche Lebensentwürfe finanziert und schützt, so lange haben linke Männlichkeitsvorstellungen Bestand. Nur so lange werden sie von der Gesellschaft mehr oder weniger akzeptiert. Das hat sich aber in den vergangenen Jahren grundlegend geändert.

Die kulturelle Hegemonie der Linken schwindet, die Grünen sind nicht mehr politische Avantgarde und tonangebende Kraft, sondern in der Defensive. Es gelingt ihnen nicht mehr, das Bewusstsein und die öffentliche Meinung zu steuern, den Bürgern ihr verqueres Weltbild aufzudrücken. Zumal sich mit der Massenzuwanderung aus dem arabisch-islamischen Raum die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und das Männerbild in Deutschland grundlegend geändert haben.

In der neuen deutschen Multikulti-Realität, die zunehmend von islamischen Männern und archaischen Mustern geprägt wird, ist das links-grün-woke Dressur-Männchen kein Role-Model mehr, sondern Opfer und Witzfigur. Grüne Unmännlichkeitsvorstellungen haben vor allem bei Jugendlichen, die direkt mit der neuen islamisch geprägten Lebenswelt konfrontiert sind, ausgedient.

Das scheint sich bis in die politischen Blasen der Linken hochgesprochen zu haben. Der sensible, woke, verweiblichte Mann funktioniert nur noch in den ideologischen Schutzräumen, im akademischen Betrieb, der Kultur, den Medien, im öffentlich-rechtlichen Erziehungsfernsehen etc. In der ungeschützten Realität, im öffentlichen Raum, wo auch das staatliche Gewaltmonopol erodiert, ist er zum Freak, zu einem ideologischen Auslaufmodell verkommen. Deshalb haben einige grüne Politiker ein Manifest verfasst: „Starke Männer übernehmen Verantwortung – Eine Einladung für moderne Männlichkeit“

Es ist ein Hilferuf, weil sich der grüne Mann nicht mehr ernst genommen fühlt, von den Frauen in der eigenen Partei nicht, von den Männern außerhalb ihrer Blase ebenso wenig. Er ist ein Loser. Deshalb versuchen die grünen Männchen nun, was Linke immer tun: Sie wollen nicht sich selbst, sondern die Gesellschaft und die Welt ändern. Deshalb empfehlen sie ein neues Männerbild.

An welche Zielgruppe sich das Manifest richtet, an das grüne Matriarchat, an ihre linken männlichen Leidensgenossen, an die „toxischen“ Männer, die Gesellschaft oder wem auch immer, ist nicht ganz klar. Man will jedenfalls mit seinem 5-Seiten langen Manifest die eigene Unmännlichkeit rechtfertigen, vor allem vor sich selbst.

Das erkennt man auch daran, dass die Manifestanten, zu denen auch die Männerexpert:Innen Ricarda Lang und Parteichefin Franziska Brantner zählen, keine Vorstellung davon haben, was Männlichkeit überhaupt ist. So wie ihre weiblichen Parteikollegen sehen die ansonsten männlichen Unterzeichner des Manifestes das Männliche, männliche Tugenden und Verhaltensweisen grundsätzlich als etwas Negatives, „Toxisches“. In dem redundanten, phrasen- und formelhaften Text werden alle weiblichen Klischees und Vorurteile von Männlichkeit bedient und bestätigt. Der im Manifest propagierte neue grüne Mann ist eine Frau mit Penis: „Du musst nicht der Ernährer sein, wenn deine Partnerin das besser kann oder will. Du musst nicht ständig konkurrieren. Du darfst weinen. Du darfst Hilfe brauchen und sie in Anspruch nehmen“, heißt es in dem Manifest. Es gibt also keinen nennenswerten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Wozu braucht es dann ein Manifest für den Mann?

Der moderne grüne Mann besitzt ausschließlich weibliche Eigenschaften und Tugenden, das einzige Zugeständnis, das die grünen Männchen einfordern, ist Fitness: „Du willst jeden Tag ins Gym gehen und achtest auf deine Ernährung? Hervorragend, dass du daran Spaß hast und gesund lebst. Mach das.“ Die grünen Frauen erlauben es dir, so der Subtext. Wenige Zeilen später geht es nochmals um Fitness: „Du kannst Muskeln aufbauen.“

Die grünen Männchen reduzieren Männlichkeit auf Muskelaufbau und Fitness. Aber auch das nur, wenn sie dieses „toxische“ Verhalten umgehend wieder mit eher weiblichen Verhaltensweisen neutralisieren: Fitness nur dann, wenn man auch gleichzeitig auf seine Ernährung und Gesundheit achtet.

Der neue grüne Mann darf über keine männlichen Tugenden wie Mut oder Risikobereitschaft verfügen, er lebt, denkt und verhält sich so, wie es ihm linke Ideologinnen vorgeben. Der Text des Manifestes ist in einem verstörenden paternalistischen Ton gehalten: Du darfst, wir erlauben, wir verbieten …

Die Grünen begreifen sich in ihrer politischen Selbstüberschätzung noch immer als Instanz, die über den Individuen und der gemeinen Bevölkerung steht, die kraft ihrer überlegenen Ideologie dazu berufen und befähigt ist, dem Mann und auch der Frau vorzugeben, wie sie ihr Leben zu gestalten haben, was gut und schlecht für sie, für die Gesellschaft und den Planeten ist.

Dieses Manifest ist Ausfluss dieser grünlinken Hybris, ist aber gleichzeitig auch ein Hilfeschrei jener, die sich in diesem wankenden Zwangssystem nicht mehr wohlfühlen. Doch selbst dieses zaghafte Murren und Aufbegehren der grünen Männchen wird von ihren Genossinnen im Keim erstickt.

Das ohnehin durch und durch weibliche Manifest, das mit der dezenten Anfrage ergänzt wurde, ob man nicht Muskeln aufbauen dürfe, damit man zumindest wie ein Mann aussieht, wurde von der Partei rundweg abgelehnt. Das Papier wurde als überflüssig und wenig hilfreich abgetan. Parteichef Banaszak betonte: „Fürsorge und Verantwortung sind kein Widerspruch zu Fitness, aber Fitness allein macht noch keinen neuen Mann.“

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