Was für Laien einleuchtend und logisch klingt, ist bei nüchterner Betrachtung allerdings nur ein weiteres grün-linkes Hirngespinst. Trotzdem will die EU diesen Traum nach bereits einem gigantischen Fehlschlag erneut verwirklichen.

Auf dem Reißbrett sind die Visionen und großen Pläne linker Ideologen stets bestechend, durchdacht und geradezu alternativlos. Sobald sie umgesetzt werden, scheitern sie aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – und das in der Regel spektakulär. Je größer die Vision, desto massiver die Schäden. Linke Ideologen stehen immer mit der Realität auf Kriegsfuß.

So war es auch bei Desertec, einem im Jahr 2009 aus der Taufe gehobenen gigantischen Industrievorhaben, das Europa mit Sonnenstrom hätte versorgen sollen. Die simple Idee dahinter: Die Sahara ist mit 9,2 Millionen Quadratkilometern nicht nur die größte Sandwüste, sondern auch eine der sonnigsten Regionen unseres Planeten. Was also liegt für den klimabewegten Ideologen näher, als auf Basis dieser simplen Überlegung ein hunderte Milliarden schweres Mega-Projekt zu starten, die Sahara in einen gigantischen Solarpark umzubauen. Schließlich schickt die Sonne, wie jeder Grüne weiß, keine Rechnung.

Was in der Theorie und linken PR-Strategien bestechend klingt, scheitert in der Praxis an den vielen Details, für die sich grün-linke Visionäre selten interessieren, von denen sie mangels fachlicher Bildung auch wenig verstehen.

Ideologisches Hirngespinst

Die Wüstenkraftwerke des Desertec-Projektes sollten, so der Plan, 17 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Dafür wollte man 400 Milliarden Euro investieren. Desertec sei Europas Apollo-Projekt des 21. Jahrhunderts, hat es der damalige Siemens-Chef Peter Löscher euphorisch formuliert. Neben Siemens waren viele andere, vor allem deutsche, Konzerne an dem Wüstenprojekt beteiligt, unter anderem E.On, RWE, die Deutsche Bank und ABB.

Der megalomanische Traum platzte bereits in der Planungsphase. Das europäische Vorzeigeprojekt stellte sich schnell als undurchführbar heraus. Die Konzerne sprangen ab; Desertec wurde 2014 still und heimlich zu Grabe getragen.

Jetzt wollen die linksgrünen Ideologen in Brüssel diesen Leichnam wiederbeleben, denn ihr Traum, der auf der simplen Formel: Wüste + Sonne = viel billiger Strom basiert, ist in den Augen von Politikern vom Schlage einer Baerbock, die Stromleitungen für Energiespeicher hält und im Zusammenhang mit Akkus von Kobolden spricht, einfach zu genial und brillant, um ihn einfach aufzugeben.

Doch die Zeiten und die finanzielle Lage haben sich in Europa geändert und die großen europäischen Konzerne wollen keine eigenen Gelder mehr in wahnwitzigen grünen Projekten verbrennen, sondern vielmehr selbst davon in Form von Subventionen und staatlichen Aufträgen profitieren.
Deshalb ist der neue Anlauf, die Sahara in einen europäischen Solarpark zu verwandeln, deutlich bescheidener, aber trotzdem nicht realistischer. Der EU-Wiederbelebungsversuch von Desertec nennt sich T-MED (Trans-Mediterranean Renewable Energy and Clean-Tech Cooperation Initiative) und er ist statt der seinerzeitigen 400 Milliarden nur noch 25 Milliarden Euro schwer.

Redimensioniertes Desaster

Die Kommissarin für den Mittelmeerraum, Dubravka Šuica, und der Kommissar für Energie und Wohnungsbau, Dan Jørgensen, haben das Projekt dieser Tage präsentiert. Demnach will die EU im Rahmen des Europäischen Fonds für nachhaltige Entwicklung Plus mehr als 5 Milliarden an Garantiekapazitäten bereitstellen. Diese 5 Milliarden sollen, hofft die EU, bis 2035 bis zu 25 Milliarden Euro an Investitionen mobilisieren.

Zwar fällt das neue Wüstenstromprojekt deutlich bescheidener aus, trotzdem setzen die Eurokraten völlig überzogene und unrealistische Erwartungen in T-MED: „Bis 2035 soll die Initiative zur Entwicklung von 15 Gigawatt neuer Kapazität für erneuerbare Energien beitragen, Regulierungsreformen in Partnerländern unterstützen und zur Schaffung von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen in sauberen Energiesektoren beitragen“, so die EU auf ihrer Internetseite.

Auch wenn weniger Geld verbrannt werden soll, die erfolgreiche Umsetzung von T-MED ist so unrealistisch wie die von Desertec, zumal beide Projekte auf denselben Grundannahmen basieren. Es wird also ein redimensionierter Fehlschlag, ein nach wie vor untauglicher Versuch, Europa aus seiner selbst verursachten Energieversorgungskrise – Sanktionen gegen Russland, Green Deal, CO2-Zertifikatehandel etc. – zu führen.

Statt auf politischen Pragmatismus, kluge Außenpolitik, gute Beziehungen zu rohstoffreichen Ländern, moderne Technologien etc. zu setzen, flüchtet sich Brüssel einmal mehr in Symbolpolitik und ideologische Hirngespinste. Man glaubt an seine eigenen Narrative und verleugnet die Realität. Eines steht fest: Auch in Zukunft wird Europa nicht mit Strom aus nordafrikanischen Solarparks versorgt werden. T-MED wird die energiepolitische Abhängigkeit der EU von anderen Ländern und Regionen nicht beenden. Statt auf Realpolitik und Innovation setzt man auf gescheiterte ideologische Utopien und untaugliche Technologien.

Große Erwartungen

Es werden weder 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen noch relevante Mengen an Strom produziert werden. Stattdessen werden europäische Steuergelder in nordafrikanischen Ländern und bei Konzernen versickern, obwohl Brüssel seine Ziele hochgesteckt hat: T-MED wird, schreibt die EU, „die Modernisierung der Stromnetze unterstützen, den grenzüberschreitenden Energiehandel fördern und den Einsatz intelligenter Technologien unterstützen, um erneuerbare Energien besser in Stromsysteme zu integrieren.“ KI-generiertes Geschwurbel ohne Expertise, PR von linken Ideologen für das leichtgläubige Fußvolk. So soll in wenigen Jahren der South H2 Corridor, eine rund 3.300 Kilometer lange Wasserstoffpipeline, in Betrieb gehen. Über diese Rohrleitung soll in Tunesien und Algerien mittels Solarenergie erzeugter Wasserstoff in die EU transportiert werden: Phantastereien unbedarfter Ideologen, mehr nicht.

All das ist im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut. Es gibt für solch hochfliegende Pläne keine entsprechenden Abkommen mit den nordafrikanischen Staaten, keine Konzerne, die das umsetzen wollen und können, nicht einmal rudimentäre Infrastruktur vor Ort, nichts. Trotzdem will Brüssel sein T-MED-Projekt bereits im kommenden Jahr oder spätestens 2028 starten.

Selbst wenn Brüssel wider Erwarten seine Ziele erreichen und T-MED wie geplant 15 Gigawatt Strom produzieren würde, könnten damit gerade einmal 10 Millionen Haushalte versorgt werden.

Hoffen auf die Wunderwaffe

Und auch nur dann, wenn parallel dazu eine entsprechende Grundlast-Infrastruktur aufgebaut werden würde. Denn auch in der Sahara scheint die Sonne nur unter Tags. Zudem muss der Strom aus Nordafrika übers Mittelmeer nach Europa transportiert werden. Für eine Union, deren Mitgliedsländer immer öfter bereits mit dem Bau von Flughäfen, Tunnel und anderen Infrastrukturprojekten überfordert sind, dürften die technischen, logistischen und sonstigen Herausforderungen, die T-MED stellt, um mehrere Nummern zu groß sein.

Statt anzuerkennen, dass der Green Deal ein fataler Irrweg in den Abgrund ist, verfolgt man ihn bis zum bitteren Ende weiter, setzt seine Hoffnungen in Projekte und Strategien, die zum Scheitern verurteilt sind. Die Brüsseler Machtclique versucht sich selbst und den Bürgern etwas vorzumachen, hofft, wie seinerzeit die Führung in Nazi-Deutschland, auf die Wunderwaffe, mit der man den längst verlorenen Krieg noch gewinnen kann. Auch Brüssel hofft auf eine Wundertechnologie, um seinen verlorenen Öko-Krieg gegen die Realität, gegen die Gesetze der Natur und des Marktes doch noch gewinnen zu können. Aber T-MED ist keine grüne Wunderwaffe, sondern nur ein weiteres Milliardengrab der EU.

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