Bestes Beispiel: Karl Nehammer. Vom Bundeskanzleramt direkt weitergereicht zur Europäischen Investitionsbank – als einer von acht Vizepräsidenten mit einem Monatsgehalt von rund 31.500 Euro brutto.

Mehr als der Bundespräsident. Mehr als der Bundeskanzler. Und natürlich: weich gefallen.

Wer glaubt ernsthaft, dass für Wöginger nicht längst irgendwo ein ähnlich komfortabler Platz vorbereitet wird?

Der Unterschied zu Deutschland? Dort gibt es so etwas gar nicht erst.

In Deutschland reicht oft schon eine Anklage, und politische Karrieren sind vorbei. Nicht irgendwann. Nicht vielleicht. Sondern sofort.

In Österreich? Da reden wir nicht von Verdachtsmomenten. Da reden wir von Verurteilungen.

Was muss eigentlich noch passieren?

Und trotzdem klammern sich manche Politiker an ihre Sessel, als hinge ihr Leben daran. Kein Rücktritt. Kein Schuldbewusstsein. Kein Gefühl dafür, was politischer Anstand eigentlich bedeutet.

Was muss in Österreich eigentlich noch passieren?

Reicht eine Anklage nicht? Offenbar nicht.

Reicht eine Verurteilung nicht? Offenbar auch nicht.

Was braucht es dann noch, damit jemand sagt: „Ich übernehme Verantwortung und gehe“?

Die Antwort ist ernüchternd: In Österreich reicht es oft gar nicht mehr.

Und dann wundert man sich über Politikverdrossenheit.

Die Menschen sehen genau, was passiert. Sie sehen Scheinrücktritte. Sie sehen Versorgungsposten. Und sie sehen ein System, in dem Verantwortung ein Fremdwort geworden ist.

Wer sich so verhält, darf sich nicht wundern, wenn sich die Bürger abwenden. Mit Grauen. Mit Wut. Oder einfach mit Gleichgültigkeit.

Rücktritt heißt gehen. Nicht bleiben.

Solange dieser einfache Grundsatz in Österreich nicht gilt, bleibt jedes Gerede von politischer Verantwortung genau das, was es ist: eine leere Worthülse.

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