Es ist ein Befund, der so gar nicht ins gewohnte Weltuntergangs-Narrativ passt: Ein von der norwegischen Regierung eingesetztes Expertengremium hat berechnet, was der Klimawandel das Land bis zum Jahr 2100 kosten wird – und kommt auf gesamtwirtschaftliche Verluste von gerade einmal 0,2 Prozent. Selbst wenn die weltweite Klimapolitik komplett scheitert, wären es maximal 0,5 Prozent. Der Bericht „Norge i hardt vær” wurde Mitte Juni dem Klima- und Umweltministerium übergeben – berichtet tkp.

Zur Einordnung: Ein Wohlfahrtsverlust von 0,2 Prozent über 75 Jahre ist wirtschaftlich praktisch nicht spürbar. Oder, wie es Tor Mikkel Wara, klimapolitischer Sprecher der rechten Fortschrittspartei (FrP), formuliert: „Der Lebensstandard und die Lebensqualität werden mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2100 deutlich höher sein als heute – unabhängig davon, ob es Klimawandel gibt oder nicht.”

Der Staatsfunk berichtet lieber vom Untergang

Man sollte meinen, eine solche Entwarnung wäre eine Nachricht wert. Beim öffentlich-rechtlichen NRK sah man das offenbar anders. In den Hauptnachrichten berichtete der Sender ausschließlich über negative Folgen für die Fischerei. Die insgesamt geringen Gesamtkosten? Kein Wort. Und das, obwohl NRK sich eine eigene Klimaredaktion leistet.

Wara spricht von einem „irreführenden Eindruck, einem Eindruck, dass die Klimaänderungen weitaus größere Probleme mit sich bringen, als der Bericht sagt”. Er sieht darin System: Schon im Jänner 2025 habe NRK Außenminister Espen Barth Eide den Klimawandel mit einem Atomkrieg vergleichen lassen – ohne eine einzige kritische Nachfrage.

Ausschussleiterin sieht das anders

Die Ausschussleiterin Ingrid Hjort wehrt sich gegen Waras Zuspitzung: Die 0,2-Prozent-Zahl werde überbewertet und bilde nicht den ganzen Bericht ab, Effekte über internationalen Handel oder Lebensmittelpreise seien nicht eingerechnet. Auch weist der Bericht durchaus Kosten aus, etwa einen möglichen Rückgang der Fischbestände um bis zu 35 Prozent bis 2050. Nur: Selbst ein Kommentator, der Wara scharf widerspricht, muss einräumen, dass dieser die zugrundeliegende Analyse „korrekt wiedergibt”. An der zentralen Zahl ändert die Kritik also nichts – wohl aber daran, wie ein Staatssender mit ihr umgeht.