In der indonesischen Provinz Aceh sind ein Mann und eine Frau wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs öffentlich mit jeweils 100 Stockhieben bestraft worden. Die Züchtigung fand am Dienstag in einem Park in der Provinzhauptstadt Banda Aceh statt – vor den Augen dutzender Zuschauer.

Öffentliche Bestrafung vor Zuschauern

Nach Angaben eines AFP-Reporters vor Ort wurden die beiden mit einem Rattanstock geschlagen. Die Bestrafung erfolgte auf Grundlage der in Aceh geltenden strengen Auslegung des islamischen Scharia-Rechts. Sexuelle Beziehungen zwischen unverheirateten Personen sind dort verboten.

Das Paar war nicht das einzige, das an diesem Tag bestraft wurde: Insgesamt wurden sechs Menschen mit Stockhieben bestraft. Vier weitere Personen erhielten zwischen acht und 29 Schläge – unter anderem wegen körperlichen Kontakts mit dem anderen Geschlecht oder wegen Alkoholkonsums.

Frau brach nach letztem Schlag zusammen

Besonders dramatisch: Eine Frau, die zu 27 Stockhieben verurteilt worden war, brach nach dem letzten Schlag zusammen und musste medizinisch versorgt werden. Die Behörden verteidigten das Vorgehen. „Wir setzen das islamische Recht in Aceh um. Wenn es verletzt wird, müssen wir entsprechende Strafen vollziehen“, erklärte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Aceh wendet Scharia besonders streng an

Aceh ist die einzige Region Indonesiens, in der die Scharia in dieser Form angewendet wird. Neben außerehelichem Sex werden dort auch Glücksspiel und homosexuelle Handlungen mit Stockhieben geahndet.

Erst im Januar war ein unverheiratetes Paar mit jeweils 140 Stockhieben bestraft worden – vermutlich die härteste Strafe seit der Einführung der Scharia in der Provinz im Jahr 2015. Indonesien ist zwar das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt, erkennt offiziell jedoch mehrere Religionen an.