Unter dem Leitsatz, dass niemand nach einer Straftat mit den Folgen allein gelassen werden soll, wurde der Weiße Ring bereits 1978 gegründet. Die österreichweit tätige Opferschutzeinrichtung unterstützt insbesondere Menschen, die Opfer sogenannter situativer Gewalt werden, berichtet die Kronen Zeittung.

Darunter fallen Straftaten, bei denen Täter und Opfer keine persönliche Beziehung zueinander haben – etwa Mordversuche, schwere Körperverletzungen, Raubüberfälle, Home Invasions oder Terroranschläge.

Wie Kärntens Landesleiter und Rechtsanwalt Bernd Peck erklärt, betreut der Weiße Ring allein in Kärnten jährlich rund 50 Betroffene.

Terroropfer erhalten zusätzliche Unterstützung

Nach dem Terroranschlag in Villach und dem Amoklauf am BORG Graz stellte die Republik einen 15 Millionen Euro schweren Hilfsfonds bereit. Damit sollen Verletzte, Hinterbliebene und Überlebende der Gewalttaten finanziell und organisatorisch unterstützt werden.

Doch Geld allein sei oft nicht das Entscheidende. Nach den Erfahrungen des Weißen Rings stehen vor allem die psychischen Belastungen im Mittelpunkt.

„Viele Opfer glauben unmittelbar nach der Tat, sie würden alles alleine bewältigen. Erst mit der Zeit holen sie die Erlebnisse ein und führen zu massiven seelischen Problemen“, erklärt Bernd Peck.

Deshalb spielt die psychosoziale Betreuung eine zentrale Rolle. Professionelle Hilfe könne dabei unterstützen, traumatische Erlebnisse aufzuarbeiten und langfristige Folgen zu verringern.

Unterstützung auch vor Gericht

Neben der psychologischen Begleitung hilft der Weiße Ring Betroffenen auch bei rechtlichen Fragen.

Gerichtsverfahren stellen viele Opfer vor große emotionale Herausforderungen. Deshalb sei es wichtig, sämtliche Ansprüche auf Schadenersatz und Schmerzensgeld rechtzeitig geltend zu machen – selbst dann, wenn eine tatsächliche Auszahlung zunächst unwahrscheinlich erscheint.

Im Fall des islamistischen Messerattentats in Villach wurden die Ansprüche der Opfer vom Täter zwar anerkannt. Für Therapiekosten und Schmerzengeld kommt jedoch der Staat auf. Sollten beim Täter künftig Vermögenswerte vorhanden sein, könnten bestehende Forderungen dennoch eingetrieben werden.

Gewaltverbrechen verändern das Leben vieler Menschen innerhalb weniger Sekunden. Die Unterstützung endet deshalb nicht mit dem Strafverfahren.

Mit psychologischer Begleitung, rechtlicher Beratung und praktischer Hilfe möchte der Weiße Ring Betroffenen eine Perspektive geben – damit sie nach einem schweren Schicksalsschlag nicht alleine ihren Weg zurück ins Leben finden müssen.