Die finanzielle Lage der Bundeshauptstadt bleibt angespannt. Nach mehreren Rekorddefiziten und einem Schuldenstand von rund 15 Milliarden Euro wird in vielen Bereichen über Einsparungen diskutiert. Umso mehr Aufmerksamkeit erregt nun die Entscheidung, mehr als 1,5 Millionen Euro in die Dienstbekleidung der Wiener Stadtgärtner zu investieren. Die Anschaffung wurde im zuständigen Gemeinderatsausschuss beschlossen und soll den bisherigen Liefervertrag ersetzen, schreibt der Kurier.

Millionenprojekt trotz Sparkurs

Offiziell begründet die Stadt die Neuanschaffung mit modernen Materialien und höherem Tragekomfort für die Mitarbeiter. Darüber hinaus soll die neue Kleidung die Sichtbarkeit der Stadtgärtner im öffentlichen Raum erhöhen. Im Antrag wird betont, dass die Mitarbeiter als wichtige Akteure im Bereich Klimaschutz und nachhaltiger Stadtentwicklung stärker wahrgenommen werden sollen. Die neue Bekleidung sei daher auch Teil einer zeitgemäßen Außendarstellung.

Rot verschwindet aus dem Stadtbild

Ein weiterer auffälliger Aspekt: Das bisherige Erscheinungsbild der Stadtgärtner wird grundlegend verändert. Seit 2008 tragen die Mitarbeiter eine grün-rote Dienstkleidung mit dem bekannten Schmetterlingslogo der MA 42. Künftig soll das Outfit ausschließlich aus zwei verschiedenen Grüntönen bestehen. Das rote Element verschwindet damit vollständig aus der Dienstbekleidung. Die Präsentation des neuen Designs ist für den Spätherbst geplant.

Fast 1.300 Euro pro Mitarbeiter

Besonders die Kosten sorgen für Diskussionen. Rechnet man die Gesamtsumme auf die rund 1.200 Beschäftigten im Außendienst um, ergibt sich ein Betrag von knapp 1.300 Euro pro Person. Branchenvertreter äußern Zweifel an der Kalkulation. Aus Sicht eines Wiener Gartenbauunternehmers ließen sich bei einer Bestellung dieser Größenordnung deutlich günstigere Konditionen erzielen. Mit geschickten Verhandlungen könne man die Kosten möglicherweise erheblich reduzieren.

23.000 Kleidungsstücke werden angeschafft

Nach Angaben der Stadtgärten umfasst die Bestellung insgesamt rund 23.000 Kleidungsstücke. Geplant sind unter anderem:

  • T-Shirts in Kurz- und Langarmversion
  • Poloshirts
  • Bundhosen
  • Cargo-Shorts
  • Arbeitsjacken
  • Gilets
  • Sweatjacken
  • Softshelljacken
  • Winterjacken

Fast die Hälfte der Gesamtmenge entfällt dabei auf vergleichsweise günstige T-Shirts.

Stadt verteidigt die Investition

Die MA 42 weist die Kritik zurück. Die neue Ausstattung werde nicht auf einmal verteilt, sondern schrittweise als Ersatz für beschädigte oder abgenutzte Kleidungsstücke beschafft. Zudem erwartet die Stadt langfristige Einsparungen. Künftig sollen standardisierte Modelle verwendet werden, während bislang vielfach Sonderanfertigungen notwendig waren. Dadurch könnten Beschaffung und Nachbestellungen deutlich günstiger werden. Aus Sicht der Stadt handelt es sich daher nicht nur um eine optische Modernisierung, sondern auch um eine Investition, die langfristig Kosten senken soll. Ob die Wiener diese Argumentation angesichts der angespannten Budgetlage teilen, dürfte jedoch weiter für Diskussionen sorgen.