Laut dem Bericht wurden im Jahr 2025 insgesamt 8.725 antisemitische Vorfälle registriert. Das entspricht durchschnittlich knapp 24 Fällen pro Tag. Zwar liegt die Zahl nur leicht über dem Vorjahreswert, im Vergleich zur Zeit vor dem Hamas-Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hat sich die Zahl jedoch mehr als verdreifacht.

Die Verfasser des Berichts sehen einen klaren Zusammenhang mit den Entwicklungen im Nahen Osten. Viele Menschen würden den Konflikt als Anlass nutzen, um antisemitische Einstellungen öffentlich zu äußern oder jüdische Personen direkt anzugreifen.

Israelbezogener Antisemitismus dominiert

Besonders auffällig ist der hohe Anteil sogenannter israelbezogener Vorfälle. Rund 68 Prozent aller dokumentierten Fälle wurden dieser Kategorie zugeordnet. Dabei richtet sich die Feindseligkeit häufig nicht gegen politische Entscheidungen Israels, sondern gegen Jüdinnen und Juden allgemein.

Die Experten warnen davor, dass politische Konflikte zunehmend genutzt werden, um antisemitische Ressentiments zu verbreiten oder zu legitimieren.

Linkssextreme Vorfälle steigen deutlich

Ihr Anteil stieg laut Bericht von vier auf sechs Prozent. Die Zahlen zeigen damit, dass Judenhass nicht auf ein einzelnes politisches Lager beschränkt ist.

Eine besonders besorgniserregende Entwicklung betrifft die sozialen Medien und digitale Plattformen. Mehr als ein Viertel aller dokumentierten Vorfälle ereignete sich mittlerweile im Internet.Dort werden antisemitische Inhalte oft ungehemmter verbreitet als im öffentlichen Raum. Bedrohungen, Hasskommentare sowie die Verwendung einschlägiger Symbole und Codes nehmen laut den Autoren des Berichts deutlich zu.

Auch die Sicherheitsbehörden beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Das Internet ermögliche eine schnelle Radikalisierung und erleichtere die Verbreitung extremistischer Ideologien.

Angriffe und Bedrohungen bleiben Realität

Neben Hasspostings dokumentierte Rias auch zahlreiche physische und verbale Übergriffe. Erfasst wurden vier Fälle extremer Gewalt, 178 Angriffe, 257 Bedrohungen sowie 413 gezielte Sachbeschädigungen.

Zu den schwerwiegendsten Fällen zählt ein Messerangriff auf einen Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin. Der Täter ging laut Ermittlungen davon aus, dass es sich bei seinem Opfer um einen Juden handle. Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl antisemitischer Vorfälle deutlich höher liegt. Die Statistik basiert ausschließlich auf gemeldeten und überprüften Fällen. Viele Betroffene verzichten jedoch aus Angst, Resignation oder mangelndem Vertrauen auf eine Meldung.

Der Bericht macht damit deutlich, dass Antisemitismus in Deutschland weiterhin ein ernstes gesellschaftliches Problem darstellt. Für viele Jüdinnen und Juden gehören Anfeindungen, Beleidigungen und Bedrohungen inzwischen zum Alltag – sowohl auf der Straße als auch im digitalen Raum.