Ein ganz gewöhnlicher Tag im Wiener Stadtpark – und der Auslöser für einen Rechtsstreit, der die Stadt einiges kosten könnte. Melanie G. ist mit einem männlichen Freund unterwegs, beide müssen aufs WC. Er geht zum Urinal, zahlt nichts. Sie legt für die Kabine 50 Cent hin. Diese Ungleichbehandlung ließ die Wienerin nicht mehr los – und landet nun vor Gericht, berichtet die Kronen Zeitung.
Zunächst versuchte es G. auf dem freundlichen Weg: Sie wandte sich an die Stadt Wien und machte darauf aufmerksam, dass Frauen für ein Grundbedürfnis zur Kasse gebeten werden, während Männer die öffentlichen Urinale gratis nutzen. Passiert ist nichts.
Zwei Jahre zog sich die Sache, Ende Juni platzte dann das Schlichtungsgespräch bei der Antidiskriminierungsstelle. Vertreten wird G. pro bono von Rechtsanwältin Petra Laback. „Wir haben jetzt die Bestätigung, dass die Schlichtung gescheitert ist. Jetzt bereiten wir die Klage vor”, sagt Laback der „Krone”. Gefordert habe man nur eines: das Ende der Diskriminierung. Doch die Stadt habe nicht signalisiert, etwas ändern zu wollen.
Ist das eine Diskriminierung?
Ums Geld geht es der Wienerin dabei ausdrücklich nicht. Das Gesetz sieht für eine Abschaffung der Gebühr allerdings gar keine Handhabe vor – es räumt der benachteiligten Person lediglich „einen Anspruch auf angemessenen Schadenersatz, mindestens jedoch auf 1000 Euro” ein. Gewinnt G., will sie den zugesprochenen Betrag spenden. „Das Gericht wird dennoch klären müssen: Ist das eine Diskriminierung oder nicht?”, so Laback laut „Krone”.
Und genau hier wird es für die Stadt heikel. Ein Urteil würde Wien zwar nicht zwingen, die Gebühr abzuschaffen – es würde aber ein Präjudiz schaffen. Der Anwältin zufolge könnte dann theoretisch jede Frau, die je 50 Cent für die Kabine gezahlt hat, ebenfalls klagen, nach vorherigen Schlichtungsversuchen sogar rückwirkend.
Bleibt eine Frage, die vielen Wienern nicht gefallen dürfte: Endet der Streit womöglich nicht damit, dass Frauen gratis aufs Klo dürfen – sondern damit, dass künftig auch Männer fürs kleine Geschäft zahlen?

Kommentare
Lädt Kommentare...