Mit 11.892 Stück Rotwild, die im vergangenen Jagdjahr als Abgang verzeichnet wurden, konnte die Jägerschaft rund 90 Prozent der festgelegten Abschussziele erfüllen. Für die Verantwortlichen gilt das als solides Ergebnis. Landesjägermeister Anton Larcher betont jedoch: „Wir erleben in der täglichen Revierarbeit sehr unmittelbar, wie sich das Verhalten des Wildes verändert – sei es durch zunehmende Störungen im Lebensraum oder durch witterungsbedingte Verschiebungen. Das verlangt viel Erfahrung, Geduld und ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Die Jägerschaft ist bereit, diesen Weg weiterzugehen und ihren Beitrag zu leisten.“

Natur unter Druck: Anpassung wird zur Daueraufgabe

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Vor allem die intensivere Nutzung der Wälder durch Freizeitaktivitäten spielt eine zentrale Rolle. Wanderer, Mountainbiker und andere Nutzer verändern die Rückzugsräume des Wildes – mit direkten Auswirkungen auf dessen Verhalten.

Für die Jägerschaft bedeutet das: mehr Flexibilität, präzisere Planung und ein wachsender Aufwand bei der Bestandsregulierung.

Seuchenrisiko bleibt bestehen: TBC im Blick

Ein weiterer zentraler Faktor bleibt die Rotwild-Tuberkulose (TBC). Besonders in den Regionen Oberland und Außerfern besteht weiterhin ein erhöhtes Risiko.

Die Krankheit betrifft nicht nur Wildtiere, sondern auch Nutztiere. Deshalb werden jährlich nach dem Almabtrieb rund 4.000 Rinder in etwa 500 Betrieben untersucht. Die Ergebnisse zeigen bislang nur vereinzelte Fälle: Zwischen 2016 und 2023 traten lediglich sporadisch Infektionen auf.

Im Jahr 2024 wurden bei fünf Rindern aus fünf Beständen Tuberkulosefälle festgestellt. 2025 waren zwei Rinder in zwei Beständen im Bezirk Landeck betroffen. In allen Fällen handelte es sich um frische Infektionen im frühen Stadium, ohne Hinweise auf eine Weiterverbreitung.

Auch beim Rotwild selbst wird die Lage kontinuierlich überwacht. Im Jagdjahr 2025/26 wurden 583 Tiere untersucht, davon waren 27 positiv – 23 im Bezirk Landeck und vier im Bezirk Reutte. Die gezielte Reduktion der Wildbestände gilt weiterhin als wichtiger Baustein im Umgang mit der TBC-Problematik.

Wachsende Kritik: Streit um den Umgang mit Wölfen

Parallel zur offiziellen Bilanz nimmt jedoch auch die Kritik zu. Insbesondere beim Umgang mit anderen Arten, wie dem Wolf. Umweltorganisationen sehen die Entwicklung kritisch.

Der WWF Österreich wirft mehreren Bundesländern vor, zu weitreichende Abschussmaßnahmen zu ergreifen. In Kärnten und Tirol werde „aggressiv und unverhältnismäßig“ gegen den Wolf vorgegangen, wodurch die Entwicklung eines stabilen Bestandes gefährdet werde.

Laut WWF wurden im vergangenen Jahr 22 Wölfe erlegt, zusätzlich gab es drei dokumentierte illegale Tötungen. Kärnten verzeichnete mit 13 Abschüssen die höchste Zahl, gefolgt von Tirol mit sieben. Niederösterreich kam auf drei Fälle, Salzburg und Oberösterreich jeweils auf einen.

Auch 2026 setzt sich dieser Trend fort: In den ersten beiden Monaten wurden bereits sieben Wölfe per Verordnung getötet – fünf in Kärnten und zwei in Tirol.